Projektpräsentation: Gewaltiger Ansturm & viel Kritik. Die öffentliche Ausstellung von Plänen über mögliche Trassen von der neuen Donaubrücke zur B1 und Autobahn sorgte für hitzige Debatten.

Von Daniela Führer. Erstellt am 12. Juni 2019 (04:30)
NÖN
Der Projektleiter betreffend der Einreichplanung, Markus Grössinger (links) vom NÖ Straßendienst, ging auf Fragen und Kritik der Bürger so gut wie möglich ein. „Der Andrang war doch zu groß, um auf alle Menschen gut eingehen zu können. Es wird aber sicher noch mehrere Informationsveranstaltungen geben und sollte sich jemand nicht ausreichend gut informiert gefühlt haben: Wir geben gern auch telefonisch Auskunft“, sagte er.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Präsentation möglicher Verbindungstrassen zwischen der geplanten neuen Donaubrücke und dem Autobahnzubringer bei St. Valentin war der Saal im Gasthaus Stolli in Rems am Mittwochabend gut gefüllt. In der „heißen Phase“ ab 18 Uhr war ein Durchkommen zu den Pinnwänden mit Plänen und Grafiken nur noch schwer möglich.

Rund 500 Besuchern aller Altersgruppen stand ein Team von rund 15 Vertretern des NÖ Straßendienstes gegenüber, das versuchte, auf die Fragen der Besucher rund um die Pläne einzugehen. Aufgrund des starken Ansturms und der aufgeheizten Stimmung war das zum Teil aber nur sehr schwer möglich.

Doch weiter zum Inhaltlichen: Wie bereits bekannt, soll eine neue Donaubrücke rund 650 Meter flussabwärts von der bestehenden Mauthausner Brücke zwischen 2024 und 2027 gebaut werden. Eine 2018 erstellte Vorstudie habe diese Variante als die sinnvollste auserkoren. Nach dem Neubau dieser zweiten Brücke soll aber auch die bestehende Mauthausner Brücke abgerissen und neu gebaut werden, da es eine vierstreifige Verkehrsanbindung zwischen der B1 Wiener Straße (NÖ) und der B3 Donaustraße (OÖ) brauche, um den Verkehr künftig aufnehmen zu können. Am Ende würde es zwei, jeweils zweistreifige Brücken geben.

Sieben Varianten von Zubringertrassen

Am Mittwoch wurden bei der offenen Planausstellung insgesamt sieben Varianten der Zubringertrasse von der künftig neuen, zweiten Donaubrücke, mündend in die bestehende B1 Wiener Straße, präsentiert. Es wurden die Auswirkungen der diversen Trassen auf Flora, Fauna und nicht zuletzt die Bewohner im betroffenen Gebiet mittels Grafiken dargestellt. „Wir sammeln heute Wünsche, Anregungen und Beschwerden der Bürger zu all diesen Varianten und lassen diese in die weitere Projektentwicklung einfließen“, erklärte einer der beiden Projektleiter, Markus Grössinger vom NÖ Straßendienst.

NÖN
Der Neubau einer zweiten Donaubrücke östlich der bestehenden Mauthausner Brücke (rechts am Plan) ist von den Landtagen OÖ und NÖ bereits beschlossen. Ebenso sei der weitere Verlauf der Zubringertrasse durch die Donau-Au inklusive Überbrückung des Enns-Kanals laut Plänen des NÖ Straßendienstes unumstößlich. Der weitere Verlauf der Trasse über das Gemeindegebiet von St. Pantaleon und St. Valentin sei aber noch offen. Alle möglichen Varianten (rote Linien) wurden bei der Planausstellung präsentiert.

Doch rasch wurde an diesem Abend klar: Die Bürger stoßen sich vielfach an einem Grundproblem: „Warum sollen wir in Niederösterreich den ganzen Verkehr schlucken?“ Diese Frage wurde mehrfach gestellt. Und mehr noch: Eine zweite Donaubrücke mitsamt einer neuen Verbindungsstraße quer durch St. Pantaleoner und St. Valentiner Gemeindegebiet stieß nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei lokalen Politikern für Unverständnis.

„Unser kompletter Gemeinderat unterstützt fraktionsübergreifend in keinster Weise die vorliegenden Pläne“, stellte St. Pantaleons Bürgermeister Rudolf Divinzenz klar. Es sei eine einseitige Lösung, die nur auf dem Rücken der Bevölkerung von St. Pantaleon-Erla und Rems ausgetragen werde. In ihrer Presseaussendung spricht sich die ÖVP St. Pantaleon dafür aus, den Brückenkopf der bestehenden Mauthausner Brücke zu ertüchtigen und parallel dazu das öffentliche Verkehrsnetz auszubauen. Es brauche eine Analyse des verbleibenden Verkehrsaufkommens und Lösungen am Bestand mit Einbeziehung und, wenn nötig, Ausbau der bestehenden Umfahrung Pyburg (B123). „Nur wenn es gar keine andere Möglichkeit gibt, dann wäre die ursprünglich angedachte Schrägvariante der neuen Donaubrücke für uns eine Option“, bekräftigt Divinzenz.

Lichtblick: Zweiter Linksabbieger kommt

„Wir sind nicht gegen eine Verkehrsertüchtigung und verstehen, dass jeder ohne permanenten Stau von A nach B gelangen möchte. Jedoch sind wir für eine umfassende Planung“, erklärt ÖVP-Gemeindeparteiobmann Roman Kosta.

In dasselbe Horn stößt auch St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ): „Die Varianten, die hier präsentiert wurden, sind so nicht akzeptabel. Wir werden alle Mittel und Möglichkeiten, die wir haben, ausschöpfen. Wir werden im Gemeinderat alles diskutieren und eine neuerliche Resolution einbringen“, erklärt die Landtagsabgeordnete. Sie wies darauf hin, dass ihr Resolutionsantrag, in der Sitzung, als die neue zweite Brücke im NÖ Landtag beschlossen wurde, ein Verkehrskonzept für den Großraum Amstetten-St. Valentin-Linz-Perg-Steyr zu erarbeiten, von der ÖVP abgelehnt wurde.

„Man muss hier aber einfach großräumiger denken und nicht nur den Verkehr von Mauthausen auf die B1 verlagern“, ist sie überzeugt. Übrigens gibt es aber einen kleinen Lichtblick im Hinblick auf das tagtägliche Staudilemma bei der Bestandsbrücke: Für August/September ist zugesichert, dass eine zweite Linksabbiegespur von der Donaubrücke zur B3 auf oberösterreichischer Seite gebaut wird. Dieser Kreuzungsbereich ist nach wie vor der Grund, dass sich der Verkehr auf der Brücke bis zurück nach Pyburg samt Umfahrung täglich staut.

Umfrage beendet

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