Finanzielle Ungereimtheiten: Nicht der erste Vorfall. Pfarrer Kokott wurde schon einmal wegen finanzieller Ungereimtheiten versetzt.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 05. August 2020 (04:10)
Finanzielle Ungereimtheiten gab es unter Pfarrer Norbert Kokott auch bereits in der Pfarre Niederhollabrunn.
Gemeinde

Dass Pfarrmoderator Norbert Kokott über Jahre Geld aus der Kollekte entwendet hat und den Pfarrverband Behamberg-Vestenthal-Haidershofen aufgrund des Vertrauensverlustes im nächsten Jahr verlassen muss, schlug in den betroffenen Gemeinden hohe Wellen. An früheren Wirkungsstätten Kokotts, der derzeit in seiner Heimat Polen urlaubt, wurden durch den NÖN-Artikel sogar Wunden aus vergangener Zeit aufgerissen.

So meldete sich ein ehemaliger Pfarrgemeinderat aus Niederhollabrunn mit schwerwiegenden Anschuldigungen bei der NÖN und behauptet, Kokott habe damals „einen sechsstelligen Euro-Betrag veruntreut, mehrere Sparbücher entwendet und der Pfarre nachhaltig einen schweren finanziellen Schaden verursacht“. Dass es damals – Kokott war von September 2004 bis August 2011 in der Pfarre tätig – finanzielle Ungereimtheiten gegeben habe, bestätigt auf NÖN-Anfrage auch die Erzdiözese Wien. „Bei einer internen Finanzprüfung im Mai 2010 hat die Erzdiözese Wien Unregelmäßigkeiten in den Pfarrfinanzen festgestellt. Diese wurden auf verletzte Sorgfaltspflichten, nicht aber auf vorsätzliches Handeln zurückgeführt“, erklärt Pressesprecher Michael Prüller.

Als Resultat dieser Prüfung wurde Pfarrer Kokott von der Erzdiözese Wien aller finanzieller Verantwortung in der Pfarre enthoben und die finanzielle Verwaltung der Pfarre an vier Mitglieder des Pfarrgemeinderats übertragen. „Die von der Erzdiözese Wien ermittelte Schadenssumme lag im niedrigen fünfstelligen Bereich. Der Pfarrer hat sich zu einer Rückzahlungsvereinbarung bereit erklärt, durch die der Pfarre Niederhollabrunn der entstandene Schaden ersetzt wurde“, stellt Prüller den Sachverhalt doch etwas anders dar als der ehemalige Pfarrgemeinderat.

„Wechsel passierte in voller Transparenz“

Strafrechtlich verfolgt wurde der Vorfall wie auch jetzt jener in Behamberg jedenfalls nicht. Mit einem Pfarrwechsel gab man Pfarrer Kokott die Chance, in einem neuen Umfeld in Obersulz und Niedersulz weiter seelsorglich tätig zu sein. Auf eigenen Wunsch wechselte Kokott dann im September 2013 in die Diözese St. Pölten. „Im Rahmen dieses Wechsels hat die Erzdiözese Wien die Diözese St. Pölten über die Stärken und Schwächen des Pfarrers sowie die finanziellen Unregelmäßigkeiten in Niederhollabrunn informiert. Mit September 2013 übernahm er die Funktion des Pfarrmoderators in Behamberg. Dieser Wechsel passierte in voller Transparenz zur Diözesanleitung in St. Pölten und zur Pfarre Behamberg“, stellt Pressesprecher Michael Prüller klar.

Das bestätigt man auch bei der Diözese St. Pölten. „Wir wurden seitens der Erzdiözese Wien über finanzielle Unregelmäßigkeiten in seiner ersten Pfarre informiert. Ebenfalls wurde die Tatsache kommuniziert, dass Pfarrer Kokott in seiner zweiten Pfarre seitens der Erzdiözese mit einem Mandatsträger ausgestattet war. Aufgrund dieser Informationen wurde Norbert Kokott „ad Experimentum“ als Pfarrmoderator – ebenfalls mit einem Mandatsträger – in der Pfarre Behamberg eingesetzt und der Pfarrkirchenrat informiert“, erklärt Katharina Brandner, Leiterin des Referats für Kommunikation. Alle Verantwortlichkeiten in Bezug auf die Finanzgebarung seien mit entsprechender Sorgfalt an diesen Mandatsträger ausgelagert worden. In den Pfarren will man von den Vorfällen in Niederhollabrunn nichts gewusst haben. Gerüchte über den Grund der Versetzung habe es im Laufe der Jahre aber schon gegeben.