Haags Stadtrat Marquart zieht sich zurück. ÖVP-Stadtrat Christian Marquart geriet in den letzten Monaten zunehmend in die Schusslinie von Stadtrat Josef Staudinger (Liste für Haag). Jetzt zieht er die Konsequenzen.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 18. Mai 2021 (12:33)
Christian Marquart (Mitte) zieht sich aus der Gemeindepolitik zurück. Josef Staudinger (links) sieht keinen Grund für seinen von Marquart geforderten Rückzug, Bürgermeister Lukas Michlmayr (rechts) kann Marquarts Entscheidung nachvollziehen. Fotos: privat
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Bei der Gemeinderatssitzung Ende Februar bezichtigte Stadtrat Josef Staudinger (Liste für Haag) ÖVP-Stadtrat Christian Marquart (44) in aller Öffentlichkeit des Betrugs. Nach einer Besprechung, in der eigentlich die Ungereimtheiten bezüglich der Photovoltaik-Anlage am Wirtschaftshof des Tierparks hätten ausgeräumt werden sollen, zeigte Staudinger Marquart wegen gefährlicher Drohung an.

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren zum Nachteil Staudingers eingestellt. Trotzdem zog Unternehmer Marquart nun die Reißleine und verkündete am Freitag seinen Rücktritt.

„Mein Zugang in der Politik war ein unbürokratischer, der nahe am Menschen und für die Haagerinnen und Haager da ist.“Christian Marquart über seine Arbeit als Stadtrat für Betriebsansiedelung

„Da es bei diesen Angriffen derzeit nur um meine Persönlichkeit geht und ich gegenüber meinen Mitarbeitern und meiner Familie ein Verantwortungsbewusstsein habe, werde ich mich bis auf Weiteres von der Gemeindepolitik zurückziehen. Jedoch werde ich der Gemeinde weiterhin gut gesinnt bleiben und helfen, wenn und wo ich kann“, teilte Marquart mit.

Christian Marquart zieht sich aus der Gemeindepolitik zurück.
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Er betonte auch, dass in den letzten Jahren viele Projekte umgesetzt worden seien. „Wirtschaftlich wurde durch Neuansiedelung von Betrieben das Gemeindebudget sichtlich gestärkt und Kaufkraft in die Region gebracht. Anstatt die positiven Seiten darzustellen, wurden die Projekte zu einem politischen Spielball und ins Negative gezogen. Durch diese politischen Spielchen wurden tausende von Euros für unnötige bürokratische Aufwendungen wie zum Beispiel Statiker, Ziviltechnikbüros und Gutachter ausgegeben“, übt er Kritik am Vorgehen der „Liste für Haag“.

„Das ist nicht mein Stil. Mein Zugang in der Politik war ein unbürokratischer, der nahe am Menschen und für die Haagerinnen und Haager da ist“, stellte Marquart fest.

Marquart fordert auch Staudingers Rücktritt

Aufgrund der massiven Angriffe und des rufschädigenden Verhaltens von Josef Staudinger, fordert Marquat nun auch dessen Rücktritt. Er begründet dies unter anderem mit Staudingers Aussage „Ich schädige deinen Ruf immer und überall und nenne dich zu jeder Zeit einen Betrüger“, die bei der folgenreichen Besprechung protokolliert wurde.

Marquart fordert Staudinger daher auf, gemeinsam die Stadtratsmandate ruhend zu legen, „da sich die politische Arbeit auf den effizienten Betrieb einer Gemeinde konzentrieren und es nicht um politische und persönliche Machtkämpfe zulasten der Haager Bevölkerung gehen soll. Das hat Haag nicht verdient.“

Josef Staudinger sieht keinen Grund für seinen von Marquart geforderten Rückzug.
NOEN

Bei Staudinger prallt diese Aufforderung auf taube Ohren. „Marquarts Aussagen sind in keiner Weise nachvollziehbar. Sie dienen lediglich dazu, von den Problemen und Vorwürfen gegen ihn abzulenken“, ist die einzige Aussage dazu. Zu Marquarts Rückzug zeigt sich die Bürgerliste aber dann doch gesprächiger.

„Sein Rücktritt ist in Wirklichkeit spätestens seit der Causa mit dem PV-Kabel beim Tierpark-Wirtschaftshof längst überfällig. Der Zeitpunkt überrascht uns nicht, da schon seit einigen Wochen die Vögel von den Dächern zwitscherten, dass die ÖVP aufgrund seiner zahlreichen Verfehlungen Marquart raus aus dem Gemeinderat haben wollte. Man hat endlich erkannt, dass er nicht mehr tragbar ist und ihn zum Rücktritt bewegt“, erklären die Mandatare in einer Stellungnahme.

ÖVP hat Marquart nicht zum Rücktritt gedrängt

Dem widerspricht ÖVP-Parteiobmann und Bürgermeister Lukas Michlmayr, der von Marquart, der auch Parteiobmann-Stellvertreter war, am Freitag über den geplanten Rücktritt informiert wurde. „Marquart hat selber auf sein Mandat verzichtet. Ich nehme die Entscheidung zur Kenntnis und kann den Schritt auch nachvollziehen, aber es gab dazu keinen Vorstandsbeschluss. Ich habe die Zusammenarbeit mit Christian Marquart immer sehr geschätzt“, stellt Michlmayr klar.

Trotz des Rückzugs von Marquart gibt es für die Bürgerliste noch „drei schwerwiegende Fälle zu klären“. Dabei gehe es unter anderem um das PV-Kabel beim Tierpark-Wirtschaftshof, bei dem der Gemeinde laut Bürgerliste von Marquarts Elektrotechnikfirma um 12.300 Euro zu viel verrechnet worden sei.

„Die ÖVP hat endlich erkannt, dass er nicht mehr tragbar ist, und ihn zum Rücktritt bewegt.“Behauptung der „Liste für Haag“-Mandatare zum Rückzug von Christian Marquart, der man in der ÖVP widerspricht.

„Durch unsere Nachforschungen hat der zuständige Baumeister in einem Gespräch bereits angedeutet, dass ETM die 12.300 Euro zurückzahlen muss“, ist von der „Liste für Haag“ zu hören.

Bürgermeister Lukas Michlmayr kann Marquarts Entscheidung nachvollziehen.
NOEN

Das kann Bürgermeister Lukas Michlmayr so nicht bestätigen. „Bezüglich dieser Elektroarbeiten wird alles wie vereinbart Ende Juni überprüft. Ob es zu einer Gutschrift oder Nachzahlung kommen wird, kann derzeit keiner sagen“, berichtet der Stadtchef.

Bei der SPÖ, von der bei der Sitzung, die letztendlich eskalierte und mit Marquarts Anzeige durch Staudinger endete, kein Vertreter anwesend war, bedauert man die Entwicklung der letzten Monate, die nun in Christian Marquarts Rücktritt gipfelte. „Ich persönlich finde es schade, dass das alles so gelaufen ist. Die Bürgerliste hat sich richtig in Marquart verbissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Gemeinde bewusst betrogen hat. Da müsste ich mich in ihm gewaltig getäuscht haben“, erklärt die SPÖ-Vorsitzende und Stadträtin Adelheid Schoberberger.