Haager Marienkapelle wird nun restauriert. Gemeinderat gegen Beteiligung der Stadtgemeinde. Spendenverein unterstützt Anton Hengst.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:56)
Dass die sanierungsbedürftige Marienkapelle bald wieder in neuem Glanz erstrahlt, ist Besitzer Anton Hengst (rechts) und Bürgermeister Lukas Michlmayr ein großes Anliegen.
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An der im Jahr 1901 erbauten Marienkapelle nagt der Zahn der Zeit. Die Restaurierung des denkmalgeschützten Bauwerks beschäftigte daher bereits im Jahr 2016 den Gemeinderat. Ohne Erfolg. Nun wird die Kapelle doch noch saniert. Jedoch auf reine Privatinitiative von Anton Hengst.

Der ehemalige Gemeindearzt und Gründer des Seniorenzentrums, der die Kapelle im Jahr 2005 erwarb, wollte diese 2016 zu einem symbolischen Preis veräußern.

Ein privates Konsortium wäre bereit gewesen, zu kaufen und die damals nicht zugängliche Kapelle auch zu sanieren. Jedoch nur unter der Bedingung, dass die Gemeinde fünfzig Prozent der Kosten übernimmt. Dafür dürfe die Kapelle gratis für Veranstaltungen wie etwa Lesungen oder kleinere Konzerte genutzt werden. Auch die Variante, dass die Gemeinde selbst die Kapelle kaufen könne, stand im Raum. Zu einem Beschluss kam es aber nicht.

Beteiligung der Stadt stieß auf Widerstand

Die Bürgerliste „Für Haag“ wünschte sich mehr Zeit für die Entscheidungsfindung und so wurde der Punkt damals einstimmig von der Tagesordnung genommen. Aber auch vier Monate später war sich der Gemeinderat über eine Beteiligung der Stadt nicht einig. „Für Haag“, SPÖ, FPÖ und ein ÖVP-Mandatar stimmten dagegen.

Nun ist das Thema wieder aktuell und sorgte auch bereits für einige Gerüchte in der Stadt. „Mich haben Anrainer angerufen, dass wir die Kapelle angeblich abreißen und eine Gastwirtschaft machen“, so Hengst und betont, dass es sich dabei um Falschmeldungen handle. Tatsächlich wird die Kapelle ab dieser Woche saniert.

„Der ganze Putz muss herunter. Sofern das Wetter mitspielt, werden die Arbeiten zwei Monate in Anspruch nehmen“, erklärt Hengst, der in die Sanierung einen sechsstelligen Betrag investiert. Zusätzlich zur Restaurierung der Außenfassade werden im Keller eine Toilette und ein kleiner Besprechungsraum eingebaut. Außerdem bekommt der Turm wieder eine Glocke. „Die Glocke wurde 1917 im Ersten Weltkrieg abmontiert“, erläutert Hengst.

Auch wenn er den Gemeinderat vor fünf Jahren nicht von einer Beteiligung der Stadt überzeugen konnte, ist Bürgermeister Lukas Michlmayr die Sanierung der Kapelle weiterhin ein großes Anliegen. „So wie sie jetzt aussieht, ist die Kapelle kein Augenschmaus. Ich möchte nicht, dass man sie so stehen lässt“, erklärt der Stadtchef.

Weil er zudem nicht will, dass Anton Hengst sämtliche Kosten alleine zu tragen hat, unterstützt er die Sanierung nun als Privatperson. Michlmayr fungiert nämlich als Obmann-Stellvertreter des Vereins „Freunde der Marienkapelle“, der Spenden für das Projekt sammelt. „Dafür habe ich immer einen Erlagschein mit“, erklärt auch Anton Hengst lachend. Bezüglich einer Förderung wird er auch beim Bundesdenkmalamt ansuchen.