Der Traum von Olympia ist geplatzt. Rahmenprogramm in Tokio wurde Corona-bedingt abgesagt. Aus dem Auftritt der Freaks wird daher nichts.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 07. April 2021 (04:09)

Wenn die Olympischen Spiele in Tokio im Sommer über die Bühne gehen, dann tun sie das Corona-bedingt ohne ausländisches Publikum und ohne Rahmenprogramm. Sehr zum Leidwesen der Akrobatikgruppe „The Freaks“, die bereits fix für einen Auftritt gebucht war.
„Eine größere Ehre kann es nicht geben, als beim größten Ereignis der Welt dabei sein zu dürfen“, freute sich Headcoach O.C. Ono mit seinem Team über den geplanten Auftritt. Umso schwerer fiel es ihm, aufgrund der unsicheren Situation, ob die Spiele überhaupt stattfinden oder nicht, diesen Karrierehöhepunkt eineinhalb Jahre lang geheimzuhalten. „Es haben nicht sehr viele gewusst“, erklärt Ono dazu.

Für ihn wäre der Auftritt in Tokio aufgrund seiner japanischen Wurzeln ein ganz besonderes Highlight gewesen. „Ich hätte mich persönlich sehr gefreut, dass ich vor meinen Verwandten in Japan auftreten darf. Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen“, betont Ono.

Die Freaks wären Teil einer hochkarätigen Gala nach den Kunstturnbewerben gewesen. Neben den besten Turnern der Spiele hätten die Freaks auch mit Artisten des weltberühmten Cirque du Soleil aus Kanada performt. „Dass wir an einer Gala mit so hohem Niveau mitwirken hätten dürfen, ist schon eine Bestätigung dafür, was wir in den letzten Jahren aufgebaut haben und welchen Stellenwert wir auch als Amateure weltweit haben“, ist Ono zurecht stolz auf den steilen Aufstieg der 2009 gegründeten Akrobatikgruppe.

Die Vorbereitungen für das Gastspiel in Japan waren bereits im Vorjahr, in dem die Spiele ja ursprünglich hätten stattfinden sollen, abgeschlossen. „Tickets und Hotels waren schon gebucht und alles bis ins Detail geplant. Wir hätten zwei Tage geprobt, dann wäre die Gala gewesen, und dazwischen hätten wir uns die Stadt angeschaut“, verrät Ono, dass bereits alle Tage fix verplant gewesen wären.

Zuerst verschoben und dann ganz abgesagt

Dass die Olympischen Spiele für 2020 abgesagt und auf heuer verschoben wurden, nahmen die Freaks im Vorjahr noch sehr locker. „Es war uns eigentlich egal. Sind sie eben ein Jahr später. Dann können wir uns noch besser vorbereiten“, denkt Ono an die erste Reaktion zurück. Je länger die Corona-Krise und damit auch das Trainingsverbot für die Akrobaten dauerte, umso größer wurde aber die Unsicherheit. „Wir haben uns schon die Frage gestellt, wie sich das mit dem Training und dem Aufbauen der Show ausgeht. Das war schon ein gewisser Stressfaktor“, berichtet der St. Valentiner.

Als nun die fixe Absage kam, war die Enttäuschung der Freaks natürlich groß, obwohl man schon ein wenig damit spekuliert hatte. „Im Jänner und Februar haben wir null Rückmeldung bekommen. Da haben wir uns schon gedacht, dass sich das, wenn man logisch denkt, nicht mehr ausgehen kann. Und das Rahmenprogramm ist eben das Erste, was gestrichen wird“, betont Ono. Auch die Nachfragen der Teammitglieder, wie denn der neueste Stand sei, wurden im Laufe der Zeit immer weniger: „Im Vorjahr wurde ich fast jede Woche gefragt, zuletzt kaum noch.“

Ein Scherz ebnete den Weg zu den Spielen

Trotz der bitteren Absage sieht O.C. Ono das Ganze nicht nur negativ. „Wir können eh nichts anderes machen, als es positiv zu sehen. Wir sind mittlerweile so anerkannt, dass wir bei Olympia dabei gewesen wären. Das ist Wahnsinn“, stellt er klar. Entstanden ist das Engagement ja ursprünglich nur durch einen Scherz bei der Show-WM in Norwegen im Jahr 2017, wo sich Ono mit dem japanischen Präsidenten des Weltturnverbandes unterhielt. „Ich habe in meinem gebrochenen Japanisch gesagt, dass wir uns freuen würden, wenn er einen coolen Auftritt für uns hätte. Als Schmäh hat er geantwortet: Dann kommt ihr 2020 zu Olympia“, erinnert sich Ono.

Und dieser ließ nicht locker. Bei der Welt-Gymnaestrada in Dornbirn im Jahr 2019, bei denen die Freaks bei allen drei Shows mit Standing Ovations belohnt wurden, wurde der Kontakt vertieft und die Gespräche detaillierter. Es folgten Kontakte zum Olympischen Komitee, die letztendlich erfolgreich waren. Deshalb besteht theoretisch auch die Chance, eventuell bei den nächsten Olympischen Spielen auftreten zu können.

„Darauf hoffen wir schon und wir werden uns darum bemühen“, hat Ono einen Auftritt bei Olympia noch nicht abgeschrieben. Obwohl der nächste Schauplatz (Paris) für ihn nicht mehr ganz so spektakulär ist. „Für mich persönlich ist es eben nicht mehr Japan. Aber die nächsten Spiele im Jahr 2028 wären in Los Angeles und das wäre dann wieder cool“, denkt der hauptberufliche Eventmanager nicht an ein Karriereende mit den Freaks.