5.000 Kilometer zu Fuß quer durch Europa. Der ehemalige Nationalparkdirektor, Robert Brunner (70) aus Seitenstetten, legt alle zwei Jahre tausende Kilometer auf seinen Wegen durch ganz Europa per pedes zurück.

Von Stephanie Turner. Erstellt am 31. März 2019 (04:00)
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Letzten Sommer war Robert Brunner von Canterbury bis zum Petersdom auf der Via Francigena, auch Frankenweg genannt, unterwegs. Auf dem Bild befindet er sich gerade in der Toskana.
privat/P. Skoberne

Die Leidenschaft fürs Pilgern beschäftigt Robert Brunner bereits seit vielen Jahren. 2016 konnte der mittlerweile 70-jährige Seitenstettner in der Pension nun endlich seinen Traum in die Wirklichkeit umsetzen. 5.000 Kilometer hat er seitdem schon per pedes zurückgelegt. Heute plant er bereits seine nächste Pilgerreise.

3.100 Kilometer legte Brunner auf dem Jakobsweg bei seiner ersten großen Wanderung zurück. „Als ich nach 109 Tagen von Wien weg vor der Kathedrale Santiago de Compostela stand, stellte sich mir die Frage ‚War das alles?‘“, so Robert Brunner, der ehemals als Nationalparkdirektor im Thayatal tätig war. Dabei stand nicht von Anfang an fest, ob er den langen Weg auch tatsächlich schaffen würde. Familie und Freunde hatten Zweifel.

Herausforderung für Körper und Geist

„Genau das macht den Reiz aus, man startet und weiß nicht, ob man es auch schafft. Pilgern ist eine Herausforderung für Geist und Körper. Schon vor Hunderten von Jahren sind Leute gepilgert, da muss es heute auch möglich sein“, erklärt der heute in Wien lebende Seiten

stettner seine Motivation. Fünf Länder hat Brunner damals durchquert – von Österreich über die Schweiz bis nach Spanien. Im Vorjahr ging er den Frankenweg von Großbritannien bis nach Italien, der schon zur Zeit der Römer eine wichtige Route war. Zehn Wochen und 2.100 Kilometer später war auch diese Route bezwungen. Laut Robert Brunner ist es spürbar, dass die Via Francigena bzw. der Frankenweg nicht als Pilgerweg entstanden ist, da er ganz anders als der Jakobsweg sei. Dennoch waren die Erlebnisse laut ihm ebenso beeindruckend.

„Beim Wandern wird der Alltag regelmäßiger als zuhause. Man geht in seiner individuellen Geschwindigkeit und hat Zeit, sich gedanklich mit Dingen zu beschäftigen, die im Alltag wenig Platz haben. Auch mit sich selbst“, so der Pilger aus Leidenschaft und fügt hinzu: „Das meditative Abschalten ist am schönsten. Man trifft unterwegs überall aber auch viele nette und hilfsbereite Menschen.“

Trotzdem gibt es auch immer wieder Herausforderungen. Das Finden von Herbergen ist dabei wohl eine der größten. „Innerhalb von Österreich ist es gar nicht so einfach, eine Unterkunft für nur eine Nacht zu finden. Auch die Wegmarkierungen sind erst ab der Grenze besser und eindeutiger platziert. Zudem beschäftigen sich viele Pilger leider nicht mit der Geschichte der Pilgerwege, gehen gedankenlos und unwissend über Brücken und Wege, über die seit mehr als 900 Jahren Millionen von Pilger geschritten sind“, sinniert Robert Brunner.

Familie und Freunde hatten Zweifel

Ans Aufhören denkt er nach über 5.000 Kilometern in den Beinen allerdings noch lange nicht: „Pilgern macht süchtig. Ich möchte einfach weitergehen.“ Seine Frau hat Verständnis für das Hobby, ihr zuliebe geht Brunner nur alle zwei Jahre auf Wanderschaft.

Die Planung für das nächste Abenteuer 2019 läuft bereits. Wohin es gehen wird, verrät Brunner nicht. Bis es so weit ist, bleibt der Wanderrucksack wohl noch eine Weile zuhause liegen.