Benediktinerpater Georg Haumer: „Eine große Sparkasse“. Der Seitenstettner Benediktinerpater Georg Haumer ist als Wirtschafter des Stiftes Seitenstetten sehr gefordert. Ständig gibt es etwas zu sanieren.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 15. September 2020 (06:39)
Pater Georg Haumer hat als Stiftsökonom eine Riesenaufgabe zu bewältigen. Derzeit werden gerade Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an der Stiftsbibliothek durchgeführt.
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Wirtschafter im Stift Seitenstetten zu sein, bedeutet eine Riesenherausforderung – vor allem, wenn man, wie Pater Georg Haumer als Seelsorger in Aschbach auch noch 3.000 Katholiken zu betreuen hat, als (Bezirks)Feuerwehrkurat Einsätze mitfährt und seit 2017 zudem das Dekanat Amstetten leitet.

Mit dem Tod von Pater Stefan Gruber wurde Haumer Jänner 2018 mit den Agenden des Stiftsökonomen betraut. Vorrangig muss er sich natürlich um die Finanzen kümmern und da warten viele große Projekte auf ihn. „Unser Barockstift mit all seiner Baulast ist eine große Sparkasse: Wenn an einem Ende etwas restauriert worden ist, treten anderswo schon wieder Schäden auf. Dieses Mal ist es das Bibliotheksdach“, bezieht sich Pater Georg auf die aktuelle Renovierung, die aus Dringlichkeit nach den schweren Regenfällen vorgezogen werden musste. Da das Blechdach über dem Hauptsaal der Stiftsbibliothek undicht war, drohte Wasser in das berühmte Fresko von Paul Troger einzudringen. Daher werden derzeit gerade Holz und Blech am Dach, Fenster und Fassade erneuert sowie auch die drei Sandsteinfiguren Glaube-Hoffnung-Liebe mitsamt den Vasen am Giebel gereinigt. „Diese unvorhergesehene Investition beläuft sich auf etwa 180.000 Euro, dadurch müssen andere Projekte hintangestellt werden“, sagt der Stiftsökonom, der sich vor allem als Bindeglied zwischen den stiftseigenen Betrieben mit etwa 50 Angestellten sowie Abt und Konvent sieht.

Unterstützung durch Wirtschaftsdirektor

Freilich schätzt Pater Georg die Fachexpertisen von Wirtschaftsdirektor Albert Bucar oder dem Oberförster Thomas Handsteiner sehr, gilt es doch 1.600 Hektar Wald in Ybbsitz, am Sonntagberg und Seitenstetten von der Jungkulturpflege über die Wegeerhaltung bis hin zu Jagdpachtverträgen fachgerecht zu bewirtschaften. 200 Hektar Ackerland sind verpachtet, seit dem 17. Jahrhundert besitzt das Stift zudem drei Hektar Weingärten in Weißenkirchen. Auch für die 80 Wohnungen im Kornhäusel-Bau des ‚Seitenstettner-Hofes‘ in Wien oder auch für mehrere Mietshäuser trägt Pater Georg die Verantwortung, wobei derlei Erwerbsobjekte immer vorrangig abgehandelt werden.

Für die Gastronomie im Meierhof wird noch immer ein Pächter gesucht. „Zweimal wöchentlich gibt es größere Besprechungen, am Montag mit den ‚Bautrupps‘ der Maler, Tischler, Maurer oder dem Hausmeister, am Donnerstag ist ‚Wirtschaftssitzung‘, wo es Grundsätzliches wie Budget, Förderungen, Denkmalschutz oder das Aufbereiten der anstehenden Vorhaben für das Zusammentreffen des ‚Kapitels‘, der kollegialen beschlussfassenden Instanz des Ordens, geht“, erzählt Pater Georg, der nun wieder mehr Zeit im heimatlichen Stift verbringt als früher. Der beliebte Hofgarten bringt übrigens für die Klosterkasse keinen Gewinn, hat für die vielen Besucher natürlich aber großen persönlichen Wert.