Schüler suchen nach Frieden. Zum Fest für Stefan Matzenberger haben Schüler Projekte ausgearbeitet.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 05. Mai 2019 (04:49)
Doris Schleifer-Höderl
Josef Penzendorfer mit den engagierten Schülerinnen Natascha Henickl, Medina Redzic, Elisa Grestenberger und Kerstin Grübler, für die Frieden nicht bloß ein Wort ist, sondern die sich auch nach den Schulprojekten aktiv für ein Miteinander in der Gesellschaft stark machen möchten.

Am 5. Mai jährt sich der Geburtstag des in Ertl geborenen Juristen, Pazifisten und Friedensaktivisten Stefan Matzenberger zum 100. Mal, wie die NÖN bereits in ihrer Ausgabe KW 15 ausführlich berichtete.

Vor allem mit Matzenbergers Frage „Was hast du vor, für den Frieden zu tun?“, die er in seinem 1963 erschienenen Buch „Von der Friedensethik zur Friedenspolitik“ stellte, ist der berühmte Gemeindesohn von Ertl aktueller denn je.

Genau diese Frage war auch Ausgangspunkt für einige Engagierte: Der Leiter der Mittelschule Seitenstetten-Biberbach, Josef Penzendorfer, und der Leiter des Freundeskreises des Bildungszentrums St. Benedikt, Peter Haberfehlner, haben beschlossen, die Initiative für eine Veranstaltungsreihe zum Gedenken an Stefan Matzenberger zu ergreifen.

So wird es neben einem großen Friedensfest in Ertl am Sonntag, 5. Mai (siehe unten), unter anderem eine Ausstellung mit dem Titel „Ein Blinder weist der Menschheit den Weg“ im Bildungszentrum St. Benedikt geben, in der Projekte von insgesamt acht Schulen der Region vorgestellt werden. Die Schau wird am Donnerstag, 9. Mai, um 19 Uhr durch Bildungsdirektor Johann Heuras eröffnet und reicht von Abhandlungen der Schüler in verschiedenen Textformen über kreativ gestaltete bildliche Darstellungen bis hin zu einem Friedenslied.

Schüler erarbeiteten Friedensprojekte

Unter anderem haben sich die NMS Seitenstetten-Biberbach wie auch die NMS Ertl an dem Projekt beteiligt und sich eingehend mit dem Thema „Wie Feinde zu Freunden werden?“ in Einzel- und Gruppenarbeiten oder im Klassenverband beschäftigt.

Natascha Henickl und Medina Redzic aus der NMS Seitenstetten berichten, wie wichtig ihrer Klasse Begriffe wie Zivilcourage und Bürgermut sind. „Aktiv einzugreifen, zu Hilfe zukommen, sich einzusetzen für Interessen anderer und sich gegen körperliche Angriffe sowie Mobbing zu wehren gehört da dazu“, meint Natascha. „Aber auch Gehorsamsverweigerung gegenüber einem Unrechtsstaat, Werteverteidigung, körperliche Selbstbestimmung, Würde und Redefreiheit sind wichtig“, so Medina.

Beide Mädchen, Nataschas Mutter stammt aus Thailand und Medina hat bosnische Wurzeln, haben mit Anfeindungen Erfahrungen gemacht. „Stefan Matzenbergers Bestrebungen, Frieden näher zu bringen, sind heute aktueller denn je. Jeder Mensch ist gleich viel wert, egal woher er kommt und wie er aussieht. An dieser Sichtweise muss jeder von uns tagtäglich arbeiten.“

Elisa Grestenberger und Kerstin Grübler aus der 4. Klasse der NMS Ertl haben mit ihren Mitschülern unter anderem Friedrich Schillers „Bürgschaft“, ein Paradebeispiel der Literatur, wie aus einem Feind ein Freund werden kann, in Form von Comic-Heften bearbeitet. Zudem haben sie Ertler Bürger besucht und mit ihnen Interviews zum Thema „Freund-Feind“ geführt.

„Frieden wäre eigentlich ganz einfach, wenn ihn jeder Einzelne leben würde“, so Elisa. „Für mich war Stefan Matzenberger eigentlich der Sehende und alle anderen die Blinden, denn er hat erkannt, worauf es im Leben ankommt.“

Einig sind sich die vier Schülerinnen auch darin, dass es ihre Aufgabe ist Frieden zu leben. „Wir wollen eine Generation sein, die nicht nur über Frieden spricht, sondern ihn auch praktiziert.“