Haus aufgestockt: Familie in Angst vor Abrissbescheid . Beim Aufstocken eines Hauses in Seitenstetten gab es baurechtlich offenbar Versäumnisse. Die Familie Mayr ist verzweifelt und befürchtet einen „Totalschaden“.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 27. März 2018 (04:32)
Knapp
Das Obergeschoß des Hauses der Familie Mayr entspricht offenbar nicht der Bauordnung. Es ist auf der rechten Seite einen Meter zu nahe der Grundgrenze und offenbar auch zu hoch.Die Bezirkshauptmannschaft prüft, was getan werden kann.

Die Familie Mayr/Schaffelner aus Weidersdorf hat große Sorgen. Ihr könnte ein Teilabrissbescheid für das im Vorjahr aufgestockte Gebäude drohen. Die Gründe dafür: Das Obergeschoß ist zu nahe an der Grundgrenze und das Haus dürfte um 80 Zentimeter höher sein als erlaubt. Nachbar Leopold Sonnleitner hat kürzlich Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft erstattet, weil seiner Meinung nach seine Einwände gegen den Bau zu wenig gehört wurden. Das Verfahren läuft.

Viele offene Fragen für die Behörde

Wie es zu der Misere kommen konnte, darüber gibt es die unterschiedlichsten Sichtweisen. Fakt ist: Schon im Jahr 2003 suchte Martin Mayr um Aufstockung des Bungalows seiner Eltern an. Er reichte einen Plan ein und bekam auch eine Baubewilligung. Danach veränderten sich seine Lebensumstände und er verbrachte lange Zeit fern von Seitenstetten. Seit ein paar Jahren ist er zurück und beschloss nun, mit seiner Lebensgefährtin Natascha Schaffelner das Haus aufzustocken. „Wir haben uns bei der Gemeinde erkundigt, da hieß es, wir müssten einen Austauschplan bringen, weil sich das Aussehen des Gebäudes gegenüber dem ursprünglichen Entwurf deutlich verändert hat“, berichten sie.

Von da an wird es undurchsichtig. Es gibt zwar einen Austauschplan und er liegt auch auf der Gemeinde, allerdings wurde dieser nie genehmigt. Wo in der Verfahrenskette Bauherr, Planer, Familie, Kommune Versäumnisse vorliegen, prüft nun die Bezirkshauptmannschaft. In letzter Konsequenz dürfte die Verantwortung aber natürlich beim Bauherrn liegen. Mysteriös ist auch, warum das Gebäude auf einer Seite um 80 Zentimeter zu hoch ist – wenn es das wirklich ist. Denn auch da gehen die Meinungen auseinander.

„Wir konnten das nicht schlüssig nachvollziehen. Wir haben uns auf Planer und Baufirma verlassen“, sagt Schaffelner. Hinzu kommt auch noch, dass das Obergeschoß zu nahe am Nachbargrund ist. Als vor mehr als 40 Jahren die Bungalows gebaut wurden, haben sich die Nachbarn darauf verständigt, näher an die Grundgrenze zu rücken. Dieser Konsens gilt aber nicht für den Zubau. Laut neuer Bauordnung müsste er drei Meter vom Nachbargrund entfernt sein. Da er aber an der Hauskante hochgezogen wurde, ist er das natürlich nicht.

Sollte der schlimmste Fall eintreten und ein Abbruchbescheid erlassen werden, dann müsste die Familie Mayr/Schaffelner das Obergeschoß um einen Meter verkleinern und auch noch das Dach um 80 Zentimeter absenken. „Damit wären Schlafzimmer, WC und Bad weg. Das wäre ein Totalschaden, von den Kosten gar nicht zu reden“, sagt Natascha.

Schlichtungsversuche bislang gescheitert

Es gab auch schon Versuche, sich mit dem Nachbarn zu einigen. Unter der Vermittlung der Gemeinde wurden in einem Schriftstück sogar Bedingungen festgehalten, bei deren Erfüllung er auf eine Anzeige verzichten wollte. Nach Ansicht der Mayr/Schaffelners haben sie allen Wünschen entsprochen. „Wir haben sogar an der Grundgrenze nochmals aufgegraben und dort geschottert, damit das Wasser absickert“, sagt Natascha.

Für den Nachbarn, Leopold Sonnleitner, ist aber genau das der Punkt, der ihn stört. „Es wurde da neben der Gartenmauer auf einer Länge von zehn Metern die Erde herausgegraben und Schotter eingefüllt, aber keine Drainage gemacht. Dadurch fließt das Wasser erst recht zu mir. Beim Keller ist schon alles unterspült. Außerdem sollte das Gefälle des Gartens von meinem Grund wegweisen, was nicht der Fall ist. Das muss geändert werden“, fordert er.

Sonnleitner betont auch, dass er schon zu Beginn der Bautätigkeit bei der Gemeinde interveniert habe. „Da wurde mir aber gesagt, es gibt einen Austauschplan.“ Er habe sich nun keinen anderen Rat mehr gewusst, als die Behörde einzuschalten. „Es geht mir nicht um einen Abriss, ich möchte, dass meine Bedingungen erfüllt werden“, ist für Sonnleitner eine gütliche Lösung nach wie vor möglich.