Christiane Döcker: „Bühne bedeutet Freiheit“. Die Seitenstettnerin Christiane Döcker schaffte den Sprung an die Oper Leipzig und ist auch als Konzertsängerin sehr gefragt. Auch sie sehnt ein Ende der Pandemie herbei.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 06. Mai 2021 (04:34)
Theresa Pewal

Eigentlich hatte die gebürtige Seitenstettnerin Christiane Döcker (32) stets den Wunsch, Lehrerin zu werden, und tatsächlich studierte sie in Wien zunächst Musikpädagogik und Italienisch. Auf Anraten ihrer ersten Gesangslehrerin folgte zusätzlich ab 2008 das Studium der Gesangspädagogik und nach auf Anhieb bestandener Aufnahmsprüfung auch gleich noch jenes für Operngesang.

„In dieser Phase wurde mir bewusst, dass meine Stimme Potenzial hat, wenngleich mir im Vorfeld einige von einem dritten Studium abgeraten hatten“, erzählt die zielstrebige Mezzosopranistin, die 2013 als Bakkalaurea artis den Bachelor in Gesangspädagogik mit Auszeichnung beenden und 2015 ihr Lehramtsstudium sowie 2017 das Masterstudium „Lied und Oratorium“ bei Margit Klaushofer und Charles Spencer abschließen konnte.

Ein Vorsingen für eine Münchner Agentur an der Universität brachte ihr noch zeitgleich zum Studium ihr erstes Engagement, das sie ans Stadttheater Klagenfurt führte. Weitere Impulse verdankt sie Meisterklassen bei Sängergrößen wie der soeben verstorbenen Christa Ludwig, Angelika Kirchschlager oder Brigitte Fassbaender.

Aktuell wird sie stimmlich von Jeanette Favaro-Reuter betreut. Christianes erfolgreicher Weg war mit dem Gewinn einiger renommierter Gesangswettbewerbe schon früh vorgezeichnet, vor allem in Klagenfurt aber hat sie die Chance genutzt, sich intensivem Rollenstudium zu widmen. „Ich war bei meinen ersten Auftritten am Stadttheater anfangs schon sehr nervös, habe aber nie aufgehört, an mich und meine Stimme zu glauben“, sagt sie selbstbewusst.

Karriereschritt an die Oper Leipzig

Sängerkarrieren sind herausfordernd, weil man das eigene Können immer wieder aufs Neue beweisen muss. Christiane Döcker stellt sich dieser Herausforderung gerne und mit Erfolg. Ein Vorsingen an der Oper Leipzig führte prompt zu einem Engagement als Ensemblemitglied ab der Saison 2018/19.

Dort probt sie derzeit gerade für einen Stream von „Carmen“, sie hat aber auch schon die Flora in „Traviata“, Giannetta im „Liebestrank“ (Regie: Rolando Villazón) oder die Rossweiße in „Die Walküre“ gesungen und möchte in Leipzig noch weitere Wagner-Partien interpretieren.

Ihr Erfolgslauf wurde leider von der Corona-Krise jäh unterbrochen, doch nutzte die fleißige Sängerin diese Zeit zum Studium neuer Partien wie jener der Mezzo-Paraderolle des Oktavian im „Rosenkavalier“. „Ich habe das Glück, in Leipzig fix unter Vertrag zu stehen, und bin froh, dass ich zumindest mit kleineren Formaten bei kurzfristigerer Planung meinen Beruf ausüben kann“, sagt die Mostviertlerin.

Sie blickt auch schon auf großartige Auftritte zurück: So debütierte sie im Sommer 2013 im Rahmen des Young Singers Project bei den Salzburger Festspielen als Lehrbube in Wagners „Meistersinger“, im Sommer 2014 sang sie bei der Oper Klosterneuburg in Mozarts „Zauberflöte“ und 2018 auch die Flora in „Traviata“ unter dem Dirigat von Christoph Campestrini. Ein Gastspiel brachte sie an die Oper Dijon, im vergangenen Herbst wäre Christiane auch an der Oper in Antwerpen und Gent engagiert gewesen, doch leider wurden diese Aufführungen Corona-bedingt abgesagt.

„Die Lage ist für uns Sängerinnen und Sänger in der Tat derzeit sehr schwierig, umso dankbarer bin ich für meine Anstellung in Leipzig. Die Produktion von Streams gibt mir die Chance, doch Bühnenadrenalin zu spüren und konkret auf ein Ziel hinzuarbeiten“, hofft die junge Sängerin bald wieder auf Auftritte vor Publikum.

Augustinerkirche und Musikverein

„Auf der Bühne zu stehen, bedeutet für mich absolute Freiheit und gibt mir die Möglichkeit, nur im Moment zu sein. Im Alltag ist man ständig mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt, das stresst. Beim Singen bin ich zu 100 Prozent in der Musik und Rolle, kann voll und ganz darin aufgehen, die unterschiedlichsten Gefühle in hoher Intensität ausleben und die Welt um mich herum für diesen Augenblick vergessen“, schwärmt Döcker. Sie liebt es auch, andere Menschen, Länder und Kulturen kennenzu- lernen. „Das Schlimmste ist für mich, stehen zu bleiben und kein Ziel vor Augen zu haben!“

Eine besondere Leidenschaft hat die Mostviertlerin auch für die Kirchenmusik entwickelt, regelmäßig ist sie in der Augustinerkirche in Wien zu hören. Als Konzertsängerin ist sie bereits im Musikverein und Konzerthaus Wien oder auch im Brucknerhaus Linz aufgetreten. Mitunter sucht sie auch wieder den Kontakt zur Heimat im Zusammenwirken mit dem Kammerorchester Waidhofen, der Philharmonie Oberes Mostviertel oder bei einer Operngala im Stift. „Ein Besuch in der Heimat gibt mir Rückhalt und erdet mich auch“, erzählt sie. Ausgleich findet sie auch in der Natur, wobei sie im Besonderen mit Yoga und Wandern ihrem intensiven Bewegungsdrang entspricht.