Ältester Benediktiner Österreichs gestorben. Pater Raphael Schörghuber ist im 98. Lebensjahr als ältester Benediktiner Österreichs verstorben. 22 Jahre Wolfsbacher Pfarrer.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 22. Februar 2018 (05:16)
Das tägliche Messopfer war Pater Raphael Schörghuber heilig; am Foto beim Fest seiner Gnadenprofess in der Stiftskirche im August 2016 zwischen Pater Altmann Waß, Prior Laurentius Resch, Probst Raimund Breiteneder und Pater Dominik Riegler (v.l.).
privat

Seinen 95. Geburtstag und die Gnadenprofess im August 2016 konnte Pater Raphael Schörghuber noch bei guter Gesundheit feiern: „Mit Gottes Hilfe, ich kann nichts dafür!“, sagte er damals bescheiden. Ab Weihnachten 2017 begannen die Kräfte des Seitenstettner Benediktinermönchs zu schwinden und am 12. Februar ist er nach kurzem Leiden entschlafen.

„Sein Sterben war eine Vollendung, ein krönender Abschluss. Pater Raphael versah überaus lange mit monastischem Eifer verschiedenste Dienste und war für viele ein Vorbild an Treue und Verlässlichkeit!“, sagt Abt Petrus Pilsinger über den Verstorbenen.

„Ihm war es wichtig, zu modernisieren und zu rationalisieren“

Geboren wurde Walter Schörghuber am Hause Oberkirchweg in Wolfsbach, schon in jungen Jahren galt es für ihn in der Landwirtschaft mitzuarbeiten. Sechs Jahre fuhr er dann mit dem Fahrrad zur Klosterschule nach Seitenstetten, ehe diese 1938 ihre Pforten schließen musste. Im bayerischen Metten konnte er die 7. Klasse absolvieren, am Akademischen Gymnasium in Linz die Matura ablegen.

1940 trat er als Novize ins Stift ein, 1945 erneut (siehe ganz unten). 1955 wurde er für 30 Jahre mit der Funktion des Stiftsökonoms betraut; bis 1984 versuchte Pater Raphael Vieles umzustellen – erstmals wurde auch Mais angebaut.

„Ihm war es wichtig, zu modernisieren und zu rationalisieren. Vorausblickend wurden unter ihm etwa 50 Kilometer Forstwege in den Stiftswäldern angelegt“, berichtet Abt Petrus. Ab 1957 war Pater Raphael zudem ständiger Sonntagsaushelfer in Ybbsitz und später auch kurzzeitig Pfarrer in Öhling und St. Georgen/Klaus.

Ab 1985 war er Pfarrer in der Heimatgemeinde

Als Pfarrer kehrte er 1985 in seine Heimatgemeinde zurück, wo er – inzwischen 65-jährig – bis 2007 Seelsorger war. Die Außenrenovierung der Kirche und auch der Neubau der Friedhofsmauer fielen in diese Zeit.

„Die Zusammenarbeit mit ihm war hervorragend, er war für mich Pfarrer und Baumeister zugleich und hat mich stets bestmöglich unterstützt“, sagt der damalige Bürgermeister Michael Ziervogl. Pater Raphael ist auch Wolfsbacher Ehrenbürger. Neben dem regelmäßigen Besuch von Kranken hat er sich im Besonderen der Ministranten angenommen und mit ihnen begeistert Fußball gespielt; die von ihm trainierten „Minis“ waren bei Turnieren meist erfolgreich.

Der tägliche Gottesdienst war Pater Raphael stets ein großes Anliegen, ebenso das Chorgebet. Bei Pfarrwallfahrten brachte der reisefreudige und überaus belesene Benediktiner seinen Pfarrangehörigen das christliche Europa näher. Noch als 90-Jähriger unternahm er mit dem eigenen Auto eine Fahrt nach Berlin.

Sein altersweises Credo angesichts der fortschreitenden Säkularisierung lautete: „Wenn wir unsere Herzen dem Glauben öffnen, dann kann Friede und Vieles gut sein!“

Am 19. Februar wurde Pater Raphael Schörghuber nach dem feierlichen Requiem im Klosterfriedhof beigesetzt.