Berufung Kloster: „Möchte für die Menschen da sein“. Was Menschen heutzutage dazu bewegt, als Mönch oder Ordensschwester in Klöstern zu wirken. Drei Beispiele aus dem Bezirk Amstetten.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 04. April 2021 (06:05)
Schwester Monika: Mit all ihren „Verrücktheiten“ von Gott geliebt, will sie Kirche vor Ort aktiv mitgestalten. Wichtig sind ihr die Leidenschaft für das Leben und die Zuwendung zu den Menschen. Geprägt hat sie auch ihre Arbeit bei Leprakranken auf der Insel Zanzibar.
Kloster Wernberg, Kloster Wernberg

Er stammt aus dem Marchfeld, war Ministrant, hat nach der Matura in Gänserndorf seinen Zivildienst bei der Erzdiözese Wien abgeleistet und sich dann – zwischen Theologie- und Jusstudium abwägend – doch für die Juristerei entschieden. Währenddessen arbeitete er zudem in einer Rechtsanwaltskanzlei, absolvierte zwischendurch auch einen Auslandsaufenthalt in London und stellte sich nach Abschluss des Studiums erneut die Frage nach der persönlichen Zukunft.

Frater Elias Krexner liebt das Chorgebet, aber auch am Laufen und Lesen oder Zusammensein mit Freunden ist ihm viel gelegen.
Penz, Penz

Zur Wahl stand für Elias Krexner Rechtsanwalt zu werden, als Universitätsassistent, wissenschaftlich zu arbeiten oder ins Kloster einzutreten. Der Kontakt zu einem befreundeten Priester aus Klein-Mariazell war für seine Entscheidung ebenso ausschlaggebend wie einige eher zufällige persönliche Begegnungen mit jungen Ordensleuten und Kurzaufenthalte (Stille Tage) in Klöstern.

„Das Chorgebet hat mich fasziniert, bei der Laudes, dem Morgengebet, in Seitenstetten war da ein Moment, wo ich mir dann gesagt habe: Da bleib ich!“, schildert Frater Elias Krexner.

„Christus ist das wahre Licht und die Freude, die niemals endet!“ Pater Sebaldus

Die Reaktionen seines Umfeldes auf den Entschluss waren unterschiedlich, von „Ich find‘ des guat“ bis „Du bist ja völlig aus der Welt“!

Nach dem Noviziat und dem Ablegen seiner zeitlichen Profess in Seitenstetten studiert Frater Elias derzeit im 2. Semester Theologie und absolviert den Universitätslehrgang Kanonisches Recht für Juristen in Wien. Die Seelsorge fasziniert ihn schon heute, er sieht sich im Ordensgewand als Mensch, der zeigt, dass es Gott gibt, und erzählt von steigenden Zahlen im Priesterseminar in Wien.

„Das Chorgebet ist für mich Mysterium, das über mich hinausgeht; es beinhaltet Rede und Gegenrede, Streitgespräche und ist für mich eigentlich kaum in Worte zu fassen!“, schildert Frater Elias, für den das bevorstehende Osterfest zeigt, dass das Leben über den Tod siegt und die Freude über die Traurigkeit. „Am Ende ist nicht alles aus. Ostern ist das große Pluszeichen am Ende der Fastenzeit.“

„Die Menschen brauchen Vorbilder“

Auf einem kleinen Bauernhof in Wolfsbach-Loimersdorf ist Michael Mair gemeinsam mit sechs Geschwistern aufgewachsen. Er diente schon früh als Ministrant an der Seite von Pater Raphael Schörghuber, der sein Leben sicher mitgeprägt hat.

2014 ist Pater Sebaldus im Stift Heiligenkreuz eingetreten. Er möchte den Menschen in ihren Nöten und Sorgen beistehen.
Fürst, Fürst

Nach dem Besuch der Hauptschule besuchte Mair aufgrund seiner persönlichen Interessen an der Natur die landwirtschaftliche Fachschule für Gartenbau in Langenlois und danach die Forstschule in Bruck an der Mur. In seiner Familie wurde stets der christliche Glaube gelebt, was ihm Hilfe und Halt im Leben schenkte.

Mit einem geistlichen Lebensweg kam er durch die Benediktiner in Seitenstetten schon früh in Berührung; das Leben in einem Kloster hat ihn schon als kleines Kind fasziniert. „Ich durfte einen Zisterzienser-Mönch aus dem Stift Heiligenkreuz kennenlernen und so bin ich in den Wienerwald nach Heiligenkreuz gekommen und dort auch geblieben“, berichtet Pater Sebaldus, der am 15. Mai in der Stiftskirche von Heiligenkreuz zum Priester geweiht werden wird. Als Primiztag für die Heimatpfarre ist der 30. Mai vorgesehen.

Für Sebaldus war immer klar, als Priester Mönch sein zu wollen, liebt er doch den im Kloster geregelten Tagesablauf und eine Gemeinschaft, auf die man sich verlassen kann. „Ich möchte für die Menschen da sein und ihnen in ihren Sorgen und Nöten beistehen, nicht nur mit Worten und Taten, sondern vor allem auch durch das Gebet und die Sakramente. Mögen sich viele Menschen an Jesus orientieren und die Bibel zu lesen beginnen“, wünscht sich der 2020 zum Diakon geweihte angehende Priester.

Zweifel gehören auch für ihn zum Leben, Gehorsam ist nicht immer einfach, seine derzeitigen Aufgaben im Kloster liegen neben dem Gebet bei der Pflege des Kloster-Kräutergartens und der Mitarbeit in der biologischen Landwirtschaft.

„Die Katholische Kirche ist im Wachsen begriffen, wenn auch nicht hier in Europa. Die Menschen brauchen Vorbilder, die ihnen einen Weg mit Jesus vorleben, ob in der Familie oder in einer Ordensgemeinschaft“, ist der junge Mönch überzeugt und ergänzt: „Jede Krise gibt Anstoß zum Nachdenken. Wir sind heutzutage leider sehr auf das Irdische bedacht, aber es gibt ein Leben nach dem Tod, dazu feiert die Christenheit das Osterfest und bereitet sich darauf vierzig Tage vor. Christus ist das wahre Licht und die Freude, die niemals endet!“

„Der Besuch im Kloster Wernberg an meinem 20. Geburtstag hat mich mitten ins Herz getroffen. Und ich habe gedacht entweder jetzt oder nie!“Schwester Monika Pfaffenlehner

Gemeinsam mit neun Geschwistern erlebte Monika Pfaffenlehner am elterlichen Bauernhof in Konradsheim eine schöne, mit viel Abenteuern gespickte, aber auch von Schicksalen gezeichnete Kindheit. Die Mutter verstarb nach einem Arbeitsunfall mit 52 Jahren. Das Zutrauen des Vaters und der Zusammenhalt in der Familie waren groß, als sich Monika mit 15 Jahren erstmals die Frage nach dem Lebensziel stellte.

Nachdem Glaube und Leben in der Familie auf natürliche Weise zusammengehörten, kam schon früh der Gedanke in ihr auf, sich in „Entwicklungsländern“ zu engagieren, was keineswegs unwidersprochen blieb, kannten sie Monika doch alle als gerne lachendes, tanzendes und stets fröhliches junges Mädchen.

Daraufhin hat sie diesen Gedanken verdrängt, es folgten viele schöne Erfahrungen mit Jungschar, Jugend und Verliebtsein. Doch der Gedanke an klösterliches Leben ließ sie nicht los, eine freikirchliche Gebetsgruppe half ihr, den Glauben zu profilieren.

„Genau an meinem 20. Geburtstag, auf der Heimfahrt von einer Jugend-Bergwoche am Ortler mit dem späteren Seitenstettner Abt Berthold Heigl besuchten wir das Kloster Wernberg, und das hat mich mitten ins Herz getroffen. Und ich habe gedacht entweder jetzt oder nie!“, erzählt Schwester Monika. „Entweder du springst ins Wasser und vertraust, dass dich das Wasser trägt, oder du gehst eben einen anderen Weg.“

So trat sie 1984 in den internationalen Orden der Missionsschwestern vom kostbaren Blut in Wernberg (Kärnten) ein. Dieses Kloster ist ihr Kraftquelle, die dort gelebte Vielfalt mit Landwirtschaft, Paramentenstickerei, Hostienbäckerei, viel Kontakt zur Außenwelt durch den Gästebetrieb mit Bildungsangeboten fasziniert sie; die internationalen Verbindungen vermitteln viel Freiraum. Jahrelang durfte sie auch den hauseigenen Kindergarten leiten.

Zudem hat sie der einjährige Auslandsaufenthalt in Tansania (mit Kilimanjaro-Besteigung) mit der Arbeit auf der Insel Zanzibar bei Leprakranken und Straßenkindern in Kenia geprägt. Inzwischen hatte und hat sie viele interne Leitungsaufgaben im Orden inne, ob als „Wirtin“ im Klosterrestaurant, in der Lebens- und Sozialberatung auf Basis integrativer Gestalttherapie, im Bildungs- und Seminarangebot mit Fastenkursen oder „Begleiteter Auszeit“, in der Gästebegleitung mit spirituellen Impulsen, kreativen Angeboten oder auch bei Wander- und Klettertouren.

„Wichtig sind mir die Leidenschaft für das Leben und die Zuwendung zu den Menschen. Halt geben mir die Freude an meiner Berufung und die geistigen und geistlichen Herausforderungen in den vielfältigen Begegnungen. Es gilt, achtsam mit den eigenen Grenzen umzugehen und die tiefe Gewissheit zu spüren, dass Gott als Schöpfer und Liebhaber des Lebens seine Geschichte mit mir – und mit jedem von uns – schreibt“, ist Schwester Monika überzeugt.