Obmann führt Verein seit 50 Jahren. Sparverein Plattenberg Franz Kößler sind seine Mitglieder sehr wichtig. Zweimal im Jahr organisiert er daher sogar eine große Reise für sie.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 29. November 2019 (03:23)
Freuen sich über das 50-Jahr-Jubiläum des „Sparvereins Plattenberg“: Sparvereinsgründer Johann Kirchstetter (Mitte), Langzeitobmann Franz Kößler (2. von rechts) mit dem amtierenden und den zwei ehemaligen Bankstellenleitern der Raika Weistrach: Bürgermeister Erwin Pittersberger (links), Alfred Schickermüller (2. von links) und Gerhard Höfler (rechts).
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Der Sparverein Plattenberg feierte kürzlich sein 50-Jahr-Jubiläum und der Obmann ist noch immer derselbe wie bei der Gründung im Jahr 1969. „Die Idee hatte eigentlich Johann Kirchstetter. Er stand eines Tages in meiner Stube und sagte: Ich fange einen Sparverein an und ich brauche einen Obmann, den machst du“, berichtet Franz Kößler. Nach anfänglichem Zögern ließ er sich überreden. Natürlich hat er im Laufe der Zeit schon überlegt, die Funktion abzugeben, doch einen Nachfolger zu finden, ist gar nicht so einfach, und da ihm der Sparverein sehr am Herzen liegt, macht der heute 75-Jährige eben einfach immer weiter.

Angefangen hat der Sparverein 1969 mit etwa 50 Mitgliedern. Eingezahlt werden konnte bis zum Jahr 1983 jeden Sonntag von 10 bis 12 Uhr im Gasthaus Kirchmayr und beim Plattenwirt sporadisch am Samstagabend. Einen zweiten Sparverein gab es damals auch noch. Der trug den Namen „Biene“ und residierte im Gasthaus Maderthaner. Als er sich 1998 auflöste, wechselten viele Mitglieder zum „Sparverein Plattenberg“.

Auch der hat inzwischen übrigens die Einzahltermine reduziert. Und da es das Gasthaus Kirchmayr nicht mehr gibt, besteht nun also am ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr im Gasthaus Maderthaner und von 18 bis 19 Uhr beim Plattenwirt für die Mitglieder die Möglichkeit, ihr Geld zu überreichen.

Manche zahlten nur 50 Schilling ein

Für Kößler stand von Anfang an weniger der finanzielle und dafür mehr der gesellige Aspekt des Sparvereins im Vordergrund: Die Mitglieder treffen sich beim Einzahlen, und natürlich auch bei der Auszahlung. „Da haben wir bis heute auch immer Musik dabei. Ein Mal haben wir es ohne probiert, aber gemerkt, dass das bei den Mitgliedern nicht gut ankommt“, erzählt der Obmann.

Gerade am Anfang waren die Einlagen übrigens sehr unterschiedlich. Manche Leute kamen übers Jahr nur auf 50 Schilling (3,63 Euro). In den frühen 90er-Jahren seien die Leute dann aber, so Kößler, konstanter geworden. 1983 hatte der Sparverein 145 Mitglieder und am Jahresende wurde ein Betrag von 450.000 Schilling (32.700 Euro) ausgezahlt. „Die Millionengrenze haben wir erstmals 1993 überschritten“, berichtet der Obmann. Derzeit hat der Verein 91 Mitglieder, die jährlich rund 59.000 Euro ansparen.

Der Sparverein hat immer mit der örtlichen Raiffeisenbank zusammengearbeitet und im Laufe der Jahre mit drei verschiedenen Bankstellenleitern. „Begonnen haben wir mit Gerhard Höfler, 1981 ist Erwin Pittersberger gekommen und 2009 dann Alfred Schickmüller“, erinnert sich Kößler.

2015 war das Jahr, in dem die Finanzmarktaufsicht den Sparvereinen das Leben so richtig schwer gemacht hat. „Da mussten wir alle Mitglieder registrieren und iden tifizieren und niemand durfte von da an eine Einlagenhöhe von 1.500 Euro überschreiten“, berichtet der Obmann. Während viele andere Sparvereine das Handtuch warfen – auch weil die Banken, ob des geringen Zinsniveaus, immer weniger Freude mit ihnen hatten –, haben die Weistracher alle Auflagen erfüllt.

„Unsere Mitglieder haben die Daten vorgelegt. Meiner Erinnerung nach hat es keine Austritte gegeben“, sagt Kößler. Diese Treue mag auch darin begründet sein, dass er seinen Mitgliedern einen Service bietet, der sie richtig zusammenschweißt. Zwei Mal im Jahr organisiert er nämlich eine Reise. Im Frühjahr geht es ins Ausland, im Herbst wird ein Ziel in Österreich angefahren. Den Bus des Reiseunternehmens Kerschner lenkt Franz Kößler selbst. Er war hauptberuflich Buschauffeur und ist noch heute als Aushilfsfahrer tätig.

Seit 2000 gibt es mehrtägige Ausflüge

Den ersten Ausflug unternahm der Sparverein 1983. Zehn Jahre später gab es den ersten Mehrtagesausflug auf die Insel Mainau. Seit 2000 geht der Sparverein jedes Jahr auf eine längere Reise. Damals war die Amalfiküste das Ziel, aber auch die Schweiz, Holland sowie die Normandie hat man schon besucht. Heuer war kroatisches Inselhüpfen angesagt. „Mir macht es einfach Spaß, die Reisen zu organisieren und die Leute sind jedes Mal gespannt, wo es nächstes Jahr hingehen wird“, erzählt Kößler.

Bürgermeister Erwin Pittersberger freut sich über solche Aktivitäten. „Die Vereine sind eine wertvolle Stütze des Gemeinschaftslebens. Es gibt bei uns übrigens auch noch den Sparverein Zauchsteg und den Sparverein Hader. Ich hoffe, dass alle noch lange bestehen.“

Zumindest was den Sparverein Plattenberg betrifft, sollte sich das erfüllen. Denn Franz Kößler denkt nicht ans Aufhören, auch wenn er weiß, dass die Zeit der Sparvereine vorbei ist. „Die Jungen bringst du leider nicht mehr dazu, die haben daran kein Interesse.“