Bürgerinitiative will „den Planungs-Wahnsinn stoppen“. Die Bürgerinitiative Verkehr 4.0 will alle Rechtsmittel ausschöpfen, um den Bau der zweiten Mauthausner Donaubrücke und den Ausbau der Pyburg-Umfahrung zu verhindern.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 28. Oktober 2020 (05:06)
Die Bürgerinitiative Verkehr 4.0 rund um Sprecher Martin Fenkhuber (rechts) lehnt eine zweite Mauthausner Donaubrücke sowie den vierspurigen Ausbau der Umfahrung ab und fordert einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Rad-Infrastruktur.
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Straßenbaudirektoren und Straßenplaner aus NÖ und OÖ präsentierten den Gemeinden Mauthausen, St. Pantaleon-Erla, Ennsdorf und St. Valentin bei einem ersten Planungs-Jour fix am Montag der Vorwoche die Planungsergebnisse für die Mauthausner Donaubrücke und den vierspurigen Ausbau der Umfahrung (die NÖN berichtete). Dass dies, wie von den Vertretern der Länder präsentiert, die beste Lösung sei, um das massive Verkehrsproblem in der Region zu lösen, sehen aber nicht alle so.

In Ennsdorf spricht sich sowohl die Gemeinde als auch die Bürgerinitiative Pro Ennsdorf-Windpassing zwar für den Bau der zweiten Donaubrücke aus, lässt aber kein gutes Haar am Ausbau der Umfahrung. Die Bürgerinitiative Verkehr 4.0, die Unterstützer aus St. Pantaleon-Erla, Ennsdorf und St. Valentin hat, kann beidem nichts Positives abgewinnen. „Wir fordern seit unserer Gründung eine Lösung am Bestand. Wir lehnen eine zweite Brücke sowie den vierspurigen Ausbau der Umfahrung dezidiert ab. Diese Forderungen werden auch in einer aktuellen Umfrage unter unseren Unterstützern eindeutig bekräftigt“, erklärt Verkehr 4.0-Sprecher Martin Fenkhuber. Unabhängige Experten würden bestätigen, dass eine zweite Brücke und der geplante vierspurige Straßenausbau unweigerlich zu einer drastischen Verkehrszunahme führen werden, betont Fenkhuber, denn neue Straßen würden zusätzliche Autos anziehen und bereits nach wenigen Monaten werde aus dem Fließen des Verkehrs wieder ein Stehen werden.

„Bitte ersparen wir uns diese Blamage“

Verkehr 4.0 fordert daher eine Problemlösung statt einer Problemverlagerung. „Der aktuell vorliegende Planungsentwurf befeuert nicht nur die Verkehrszahlen regional, sondern wird in den Anschlussregionen Enns, Ennsdorf, Mauthausen und Asten unweigerlich zu einem Verkehrschaos sondergleichen führen. Bitte ersparen wir uns diese verkehrsplanerische Blamage“, hofft man noch auf ein Einlenken der Länder. Wie in Ennsdorf will man das Projekt bekämpfen. „Wir haben uns dazu entschlossen, alle uns zur Verfügung stehenden Rechtsmittel auszuschöpfen. Wir versuchen nicht nur, diesen Wahnsinn zu stoppen, sondern bieten auch Lösungen für die Probleme an“, stellt Fenkhuber, der auch Gemeinderat in St. Pantaleon-Erla ist, klar.

Problemlösung statt Problemverlagerung

So müsse nach Ansicht der Bürgerinitiative so schnell wie möglich die marode Mauthausnerbrücke durch eine Neukonstruktion am bestehenden Standort ersetzt werden. Zudem müssten der Brückenkopf in Mauthausen ausgebaut und die Kreisverkehre der bestehenden Umfahrung auf niederösterreichischer Seite für ein stärkeres Verkehrsaufkommen ertüchtigt werden. „Wir machen uns auch Gedanken über den raschen Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Rad-Infrastruktur“, ergänzt Fenkhuber. So schlägt man beispielsweise vor, die Taktung der Regionalzüge zu verkürzen, die Pendlerzüge auf die Betriebszeiten abzustimmen, die Bahn- und Haltestellen zu attraktivieren, die Ticketpreise zu vergünstigen, Park & Ride-Systeme auszubauen, den Rad- und Fußverkehr intelligent einzubinden, die Verkehrsverbünde zu überregionalisieren und Carsharing zu fördern.

Dass man mit den Lösungsvorschlägen und der Kritik am geplanten Projekt bei den Verantwortlichen Gehör finden wird, bleibt zu bezweifeln. „Klar ist, wo die Trasse liegen soll. An ihr gibt es nichts zu rütteln, es geht darum, die Rahmenbedingungen zu formulieren“, erklärt der niederösterreichische Straßenbaudirektor Josef Decker den Sinn der Planungs-Jour fix-Gespräche. Die Brücke und der Straßenausbau an sich stünden bei diesen Meetings nicht mehr zur Diskussion.