2 Minuten 2 Millionen: TU-Student überzeugte Investoren. Fernseh-Show ermöglicht Lukas Watzinger (24) aus St. Pantaleon-Erla nun die Serienproduktion seines Anti-Drop-Systems „Reeloq“.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 20. Mai 2020 (04:43)
Lukas Watzinger ist der Erfinder des Anti-Drop-Systems „Reeloq“. Julia Schadinger ließ ihr betriebswirtschaftliches Know-How in das Unternehmen einfließen. 
Puls4/Gerry Frank

Es ist der Albtraum jedes Handybesitzers. Kurz das Handy aus der Hosentasche gezogen und schon ist es geschehen: Das teure Gerät fällt zu Boden und ist kaputt. Das passierte im Sommer 2018 auch dem Maschinenbaustudenten Lukas Watzinger, als er beim Wandern in den Alpen zum Festhalten des traumhaften Panoramas ein Selfie schießen wollte. Der deshalb ziemlich teure Ausflug war für den St. Pantaleoner letztendlich der Startschuss für eine Erfindung, mit der er in der Vorwoche in der Puls 4-Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ für Furore sorgte.

Um solche finanziellen Wander-Fiaskos künftig zu vermeiden, durchforstete Watzinger das Internet. „Ich habe mir gedacht, da muss es doch eine Lösung geben. Ich habe nach Möglichkeiten gesucht, um mein Equipment irgendwie zu sichern, ohne dass ich in der Benutzung eingeschränkt werde. Nachdem ich nicht wirklich fündig geworden bin, habe ich dann beschlossen, auf eigene Faust eine Lösung zu entwickeln“, erinnert sich der Mostviertler, der an der TU Graz studiert, an die Anfänge zurück.

„Die erste Charge war innerhalb von zwei Stunden ausverkauft.“Lukas Watzinger über den nach dem TV-Auftritt durchschlagenden Erfolg seiner Erfindung

Er startete mit einem kleinen Skiliftzipper, war damit aber nicht zufrieden. Robuste Lösungen mit einem ausziehbaren Seil schränkten ihn zu sehr ein. „Ich habe den lästigen Zug am Seil gehasst. Wie soll ich da in Ruhe ein Foto machen?“, schildert Watzinger. Somit waren zwei Dinge für ihn klar: Seine Erfindung musste robust und das Seil sperrbar sein. So startete er im Sommer 2018 mit der Entwicklung der ersten Prototypen.

„Anfänglich noch sehr sperrige und klobige Dinger, die ich mithilfe von 3D-Druck relativ schnell fertigen und testen konnte. Das Herzstück war der Sperrmechanismus, den ich von Beginn an verbaut hatte“, erklärt der 24-Jährige. Er wühlte auch in den Datenbanken des Patentamts. Dass das Seil durch ein vollständiges Ausziehen gesperrt werden kann, war einzigartig. Deshalb ließ sich Watzinger diesen Mechanismus als Patent sichern.

Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner (rechts) zeigte sich begeistert, dass Reeloq auch für ein Maßband geeignet ist. Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner (links), der aus Watzingers Nachbargemeinde Strengberg stammt, verzichtete nach Haselsteiners Investment auf ein seinerseits geplantes Angebot.   
Puls4/Gerry Frank

Am Ende des Prozesses stand das Anti-Drop-System „Reeloq“, mit dem sich Smartphone, Actionkamera und vieles mehr dank verschiedener Adapter immer griffbereit am Körper sichern lassen und vor Sturz oder Diebstahl geschützt sind.

Nach einer erfolgreichen Beta-Phase mit hundert Stück wagte Watzinger, der mittlerweile von der Betriebswirtschaftsstudentin Julia Schadinger (22) aus dem Raum St. Pölten unterstützt wird, den Schritt in die Puls 4-Show „2 Minuten 2 Millionen“. Klares Ziel des Duos: „Wir brauchen Kapital, um groß zu werden.“

„Wir brauchen Kapital, um groß zu werden“

Um bei den Investoren punkten zu können, machten sich Lukas Watzinger und Julia Schadinger Gedanken, welches Anwendungsgebiet für wen passen könnte. So bekam etwa Sportfreak Leo Hillinger ein Reeloq-System mit Actionkamera ausgehändigt während Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner eines mit Maßband testen durfte.

Die vielen Anwendungsmöglichkeiten des ursprünglich vor allem für Outdooraktivitäten vorgesehenen Systems überzeugten dann gleich zwei Investoren. Bereits nach kurzer Präsentation legte Haselsteiner ein Angebot vor: 75.000 Euro Investment für 25,1 Prozent Firmenanteile an der Reeloq GmbH. Mediashop-Chefin Katharina Schneider wollte sich Watzingers Produkt ebenfalls nicht entgehen lassen und machte aus Haselsteiners Angebot ein gemeinsames Angebot.

Mit Reeloq kann das Smartphone vor Diebstahl oder dem Hinunterfallen gesichert werden. Neu ist der patentierte Sperrmechanismus.   
Reeloq

„Wenn ihr ja gesagt habt, dann sage ich euch, was ich mir wünsche“, weckte Haselsteiner die Neugierde der beiden Niederösterreicher. „Ich möchte, dass in drei Jahren keine Polizei-Uniform, keine Feuerwehr-Uniform und kein Strabag-Anzug ohne dieses Ding ist. Das muss das Ziel sein“, legte Hans Peter Haselsteiner die Latte hoch. Beginnen könnte man mit der Umsetzung gleich in Watzingers Heimatgemeinde, denn Vater Johann ist ja Kommandant der FF St. Pantaleon.