Renaturierung: Url auf 810 Metern rückgebaut. 720.000-Euro-Projekt an Gemeindegrenze St. Peter/Seitenstetten soll gewässerökologische Verbesserung bringen.

Von Sabine Hummer. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:18)
Das Url-Projekt wird Ende Jänner 2021 fertiggestellt. Vom gelungenen Ergebnis überzeugten sich (v.l.) Ortsvorsteher St. Peter-Dorf Hermann Stockinger (zuständiger Gemeinderat), Seitenstettens Bürgermeister und Obmannstellvertreter des Urlwasserverbandes, Johann Spreitzer, Projektleiter Oliver Huber (Abteilung Wasserbau Land NÖ), Gewässermeister Franz Deinhofer (Abteilung Wasserbau Land NÖ) und St. Peters Bürgermeister Johannes Heuras.
Sabine Hummer

Nach dem letzten großen Hochwasser 2013 wurde ein naturnaher Rückbau der begradigten Url im Bereich der Gemeindegrenze St. Peter/Au-Seitenstetten zwischen der „Neudamühle“ und der Brücke Westbahnstrecke (gegenüber der Firma Lisec) ins Auge gefasst.

Da es in diesem Flussabschnitt bereits bei kleinen bis mittleren Hochwasserereignissen zu Ausuferungen und Geschiebeablagerungen kam, wurde das Projekt bereits 2014 von den Behörden bewilligt. Nachdem die Fördermittel seitens Bund und Land Niederösterreich sichergestellt waren, konnte das Projekt schließlich im Mai 2020 gestartet werden.

„Die in den 60er-Jahren begradigte Url wurde auf einer Länge von 810 Metern nun wieder naturnah umgestaltet, mit dem Ziel, eine gewässerökologische Verbesserung sowie eine Verbesserung des Feststoffhaushaltes zu erzielen“, informiert Oliver Huber, Projektleiter der Abteilung Wasserbau vom Amt der NÖ Landesregierung.

„Wir haben versucht, das Uferbett dem ursprünglichen Verlauf der seinerzeitigen Url anzupassen, soweit es die Grundstücksverhältnisse zuließen. Den damaligen Verlauf konnten wir anhand der Gemeindegrenze zwischen St. Peter und Seitenstetten gut rekonstruieren und nachempfinden“, berichtet Huber.

Mithilfe von Einbauten wie Buhnen (rechtwinkelig zum Flussverlauf errichtete Dämme) und Totholz konnte das Flussbett wieder kleinräumig strukturiert werden. Das monotone Erscheinungsbild der Url gehört nun der Vergangenheit an.

Aufgrund der umfangreichen Aufweitungen des Flussbettes verbessert sich auch das Abflussvermögen des Flusses in diesem Bereich. Sedimente werden bei künftigen Hochwassern erodiert und weiter flussabwärts wieder als natürliche Schotterbänke abgelegt.

„Durch die großzügige Gestaltung wurden Retentionsflächen geschaffen, was die Situation im Hochwasserfall entschärft. Das Geschiebe der Url, also das mitgeführte Material, kann sich hier ablagern und im Bedarfsfall gezielt entnommen werden“, führt der Projektleiter aus.

Url hat in Hitzeperioden nur sehr wenig Wasser

Auch der ökologische Auftrag wurde mit diesem Projekt bestens erfüllt. „Die Url führt ja in Hitzeperioden nur wenig Wasser. Im Zuge des Umbaus wurde eine natürliche, gewässertypische Linienführung angestrebt, die den Fischen mehr Lebensraum bietet. Die Uferbepflanzung spendet Schatten und wirkt sich zudem positiv auf die Stabilität der Wassertemperatur aus“, sagt Huber.

Im Zuge des Projektes wurde auch der Weidersdorferbach, der in diesem Bereich einmündet, wieder fischpassierbar mit der Url verbunden.

Die Finalisierungsarbeiten des 720.000-Euro-Projektes sollen bis Ende Jänner 2021 abgeschlossen sein. Die Kosten trägt zu 60 Prozent der Bund, 20 Prozent werden aus den Fördermitteln des Landes Niederösterreich lukriert, 20 Prozent finanziert der Url-Wasserverband.

Lob für den gelungenen Rückbau der Url zum Wohle von Mensch und Natur kommt auch von den Vertretern der beiden Gemeinden: „Die Abwicklung und Umsetzung dieses nachhaltigen Projektes entlang der Url erfolgte sehr professionell“, danken die Bürgermeister Johannes Heuras und Johann Spreitzer allen ausführenden Firmen und Förderstellen sowie der Projektleitung.