St. Valentin

Erstellt am 30. Mai 2017, 06:15

von Hermann Knapp

Weichenstellung: Suchan-Mayr führt SP in Landtagswahl. St. Valentiner Bürgermeisterin gewann Ringen um ersten Platz auf der Liste. Ulrike Königsberger-Ludwig führt Nationalratswahlliste an.

Die Kandidaten für die Nationalratswahl mit dem designierten Landesparteivorsitzenden Franz Schnabl (5.v.l.): Gerhard Riegler, Patrick Hagmüller, Birgit Wallner, Spitzenkandidatin Ulrike Königsberger-Ludwig, Elisabeth Asanger, Astrid Poiß, Mirza Buljubasic, Kerstin Suchan-Mayr und Landesgeschäftsführer Reinhard Hundsmüller.  |  Hudler

Paukenschlag bei der SPÖ im Bezirk: Herausforderin Kerstin Suchan-Mayr hat den amtierenden Landtagsabgeordneten Helmut Schagerl vom ersten Listenplatz für die Landtagswahl verdrängt – und das deutlicher als erwartet (wir berichteten, siehe unten). Die St. Valentiner Bürgermeisterin erhielt in der Vorwoche bei der Bezirkskonferenz der SPÖ im Arbeiterkammersaal in Amstetten 61,7 Prozent der 193 Delegiertenstimmen, der Ortschef von St. Georgen am Reith nur 36,8 Prozent.

Schagerl-Rede wie Abgesang auf seine Ära

Allerdings schien es fast so, als habe Schagerl das Rennen schon vor der Kampfabstimmung verloren gegeben. Anstatt in seiner Ansprache auf seine Arbeit und seine Erfolge als Landtagsabgeordneter in den letzten vier Jahren zu pochen und die SPÖ auf sich als Spitzenkandidaten einzuschwören, wirkten seine Worte auf viele Genossen eher wie ein Abgesang auf seine eigene Ära.

Die St. Valentiner Bürgermeisterin hatte in den letzten Wochen offenbar einen intensiven Wahlkampf in eigener Sache geführt und Schagerl dürfte geahnt haben, dass es für ihn eng wird.

Suchan-Mayr versprach denn auch, den frischen Wind, der von der Bundes-SPÖ unter Kern ausgehe, auch in den Bezirk zu tragen. „Es geht nicht um persönliche Vorteile und Interessen, sondern nur um das, was das Beste für die Partei und den Bezirk Amstetten ist.“ Sie stehe dafür ein, dass alle Menschen sich ein lebenswertes Leben leisten könnten. „Die knapp 20 Prozent der Stimmen bei der letzten Wahl sind für uns ein historischer Tiefpunkt. Unser Ziel ist es, bei der nächsten Landtagswahl stark dazuzugewinnen“, erklärte die St. Valentiner Bürgermeisterin. Die Delegierten trauen ihr offenbar mit großer Mehrheit zu, das zu schaffen.

Helmut Schagerl erklärte noch am selben Abend, dass er sich gänzlich von der Kandidatenliste für die Landtagswahl zurückziehe. Als Landtagsabgeordneter wird er aber bis Ablauf der Periode im Amt bleiben. Welchen Weg er danach beruflich einschlagen wird, will er in Ruhe überlegen. Bei den ÖBB hätte er ein Rückkehrrecht.

Ausmaß der Niederlage war überraschend

Gegenüber der NÖN erklärte Schagerl, dass er zwar mit einer Niederlage gerechnet habe, aber nicht in diesem Ausmaß: Er betonte, dass er sich in den letzten Jahren mit voller Kraft für den Bezirk eingesetzt habe, besonders natürlich für das Ybbstal. „Dass wir dort bald den Radweg eröffnen, hefte ich mir schon auf meine eigenen Fahnen.“

Bei der Bezirkskonferenz stand natürlich auch die Kür der Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl am 15. Oktober auf dem Programm. Bezirksvorsitzende Ulrike Königsberger-Ludwig wurde mit 97,4 Prozent als Listenerste bestätigt. „Ich trete für eine Gesellschaft ein, in der wir zur Leistung stehen, aber nicht auf die Schwächeren vergessen, in der sich Sicherheit und Menschenrechte nicht widersprechen und in der jeder Zugang zur Bildung hat, unabhängig, in welches Elternhaus er geboren wird.“

Haltung, Werte und auch Ideologie seien in der Politik wichtig. Gerade letztere unterscheide Christian Kern von Sebastian Kurz. „Denn der hat nur die Parteistruktur der ÖVP so verändert, dass sie ihn selbst voranbringt. Kern hat mit seinem Plan A ein Programm vorgelegt, das Österreich voranbringen wird.“ Königsberger-Ludwig versprach auch in den nächsten Jahren vollen Einsatz: „Denn ich brenne nach wie vor für die Sozialdemokratie“.

Für den ersten Platz auf der Wahlkreisliste 3c (Bezirke Amstetten, Scheibbs und Melk) könnte ihr allerdings noch ein Konkurrent erwachsen. Dem Ybbser Bürgermeister Alois Schroll werden Ambitionen auf ein Nationalratsmandat nachgesagt. Er selbst winkt gegenüber der NÖN ab: „„Die Gerüchte über eine mögliche Kandidatur an erster Stelle im Wahlkreis stimmen nicht. Ich werde es auch nicht auf eine Kampfabstimmung anlegen. Ich bin Spitzenkandidat für den Bezirk Melk“, betont er.

Liste spiegelt Vielfalt der SPÖ wider

Besonders stolz ist Bezirksvorsitzende Ulrike Königsberger-Ludwig darauf, dass die Liste für die Nationalrats- wie für die Landtagswahl die Vielfalt der Bevölkerung widerspiegelt: „Arbeiter sind ebenso vertreten wie Angestellte und auch Akademiker finden sich auf den Listen. Das Alter der Kandidaten reicht von 25 bis 58 Jahren, wir haben im Bezirk einen Frauenanteil von 47 Prozent.“

Hauptredner bei der Bezirkskonferenz war der designierte Landesparteichef Franz Schnabl. Er will bei der nächsten Landtagswahl die absolute Mehrheit der ÖVP brechen. „Denn erst dann werden wir vom Förderfeudalismus, wie ihn die Volkspartei betreibt, wegkommen, hin zu einer menschenfreundlichen Politik.“

Das Land NÖ stehe weit nicht so gut da, wie die ÖVP es den Bürgern weismachen wolle. Die Arbeitslosenquote sei nach wie vor hoch und im innerösterreichischen Vergleich sei NÖ bei der Budgetentwicklung das zweitschlechteste Bundesland. „Es ist Zeit für einen Wandel und für einen Plan A für Niederösterreich“, forderte Schnabl.