Bewegende Momente bei KZ-Gedenkfeier. Sabine Schatz und Konstanze Breitebner beeindruckten mit ihren Reden.

Erstellt am 17. Mai 2019 (03:00)
Vogl
Helmut Edelmayr vom Mauthausen Komitee Österreich, Kulturstadtrat Leopold Feilecker, Nationalratsabgeordnete Sabine Schatz, Theologe Bernhard Schörkhuber und Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (von links) nach der Kranzniederlegung bei der KZ-Gedenkstätte am Anna-Strasser-Platz. 

„Niemals Nummer. Immer Mensch.“ Unter diesem Motto stand am vergangenen Freitag die Gedenkfeier in Herzograd, mit der man an den 74. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge des ehemaligen Nebenlagers des KZ Mauthausen erinnerte.

Dass die Feier wetterbedingt in sehr sportlichem Umfeld, nämlich auf der überdachten Tribüne des ASK St. Valentin, über die Bühne ging, störte nicht. Das lag vor allem an den Rednerinnen Sabine Schatz und Konstanze Breitebner, deren kritische Worte auch am Fußballplatz ihre Wirkung nicht verfehlten.

Sabine Schatz, SPÖ-Nationalratsabgeordnete und Bereichssprecherin für Erinnerungskultur, kritisierte, dass vieles, was vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen sei, zuletzt wieder salonfähig geworden sei und nannte jugendliche Asylwerber hinter Stacheldraht, ein rassistisches Video im Internet und Menschen, die mit Ratten gleichgesetzt werden, als Beispiele. „Was ist das für eine Zeit, in der das Wort Gutmensch ein Schimpfwort geworden ist? Wir sind gerne Gutmenschen und sind stolz darauf. Wir wollen uns auch morgen noch in den Spiegel schauen können“, betonte die Oberösterreicherin.

Viel Kritik an der Bundesregierung

Mit einer sehr persönlichen Rede zog Schauspielerin Konstanze Breitebner die Besucher der Gedenkfeier in ihren Bann. Sie stammt aus einer antisemitischen Familie, in der über die Zeit im Krieg nie gesprochen wurde. „Einmal habe ich meine Mutter gefragt und sie hat mit einem hysterischen Schreikrampf geantwortet. Da war klar, dass darüber nicht geredet wird und ich habe mich daran gehalten“, erinnerte sich Breitebner auch an die „Herzenskälte meiner Mutter, die für mich selbstverständlich war“.

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Schauspielerin Konstanze Breitebner zog die Besucher der Gedenkfeier mit ihrer sehr persönlich gehaltenen Rede in den Bann und sparte nicht mit heftiger Kritik an der Bundesregierung.

Auch sie sparte nicht mit Kritik an der Bundesregierung. „Ich habe mich mit 30 auch nicht für andere interessiert und wollte Karriere machen. Aber ich war Schauspielerin und nicht Bundeskanzlerin. Wie lange schweigt der junge Mann noch“, forderte sie von Bundeskanzler Kurz Reaktionen auf die ständigen Ausrutscher des Regierungspartners und ergänzte: „Wie lange müssen wir einen ehemaligen Neonazi noch als Vizekanzler ertragen?“

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier, die auch von Schülern der Neuen Mittelschule Schubertviertel mitgestaltet wurde, von der Gruppe „Widerstand“ aus Enns, die vor allem für die Darbietung des antifaschistischen Lieds „Bella Ciao“ mit viel Applaus belohnt wurde. Beendet wurde die Feier traditionell mit einer Kranzniederlegung bei der KZ-Gedenkstätte am Anna-Strasser-Platz.