Bürgermeisterin Suchan-Mayr: „Brauchen bessere Kinderbetreuung“

Erstellt am 22. Juni 2022 | 04:45
Lesezeit: 5 Min
440_0008_8391919_hsv25stv_interview_suchan_c_fuehrer.jpg
St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr ist seit 2018 Landtagsabgeordnete. Nun führt sie erneut als Spitzenkandidatin die SPÖ im Bezirk ins Rennen.
Foto: Führer
St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (SPÖ) über ihre Kandidatur für die Niederösterreichische Landtagswahl und ihre Kernthemen wie Kinderbetreuung und Umweltschutz.
Werbung
Anzeige

NÖN: Sie sind seit 2018 Landtagsabgeordnete in Niederösterreich und gehen auch bei der kommenden Landtagswahl wieder als SPÖ-Spitzenkandidatin im Bezirk ins Rennen. Warum haben Sie sich für eine erneute Kandidatur entschieden?

Kerstin Suchan-Mayr: Ich wurde vor Kurzem bei der SPÖ-Bezirkskonferenz wieder als Spitzenkandidatin nominiert. Dieser Rückhalt freut mich natürlich sehr. Wenn man in Funktionen und in Gremien sitzt, dann will und kann man auch mitgestalten. Darum stelle ich mich wieder bei dieser Landtagswahl dem Votum, um für den Bezirk, für die Region etwas bewegen zu können – und hoffe natürlich auf viel Unterstützung durch die Wählerinnen und Wähler.

Mit welchen Erwartungen und Zielen gehen Sie in die Wahl? 2018 errrang die SPÖ im Bezirk ein Plus, kam auf 23,36 Prozent.

Suchan-Mayr: Erstes Ziel ist es, dass wir das Direktmandat halten beziehungsweise die Stimmen ausbauen und das Mandat somit absichern können.

2018 erhielten Sie 1.900 Vorzugsstimmen. Gibt es hier auch eine Zielsetzung?

Suchan-Mayr: Es ist natürlich schön, wenn man persönlich Zuspruch bekommt und ich freu mich über jede Vorzugsstimme. Aber man geht für eine Partei ins Rennen, wir sind Teamplayer, die gemeinsam für die Menschen arbeiten und arbeiten wollen. In der SPÖ geht es also in erster Linie nicht um einen Wettkampf um Vorzugsstimmen. Zu den allgemeinen Erwartungen zur Wahl: Es wird auf jeden Fall spannend, wie sich die neue Regelung mit den Zweitwohnsitzern, die nicht mehr wählen dürfen, auswirkt. Interessant wird, welche Parteien noch antreten.

Sie haben das Team in den Vordergrund gerückt. Wie würden Sie dieses Team beschreiben?

Suchan-Mayr: Wir haben geschaut, dass wir Menschen aus den verschiedenen Bereichen zu einem Team zusammenstellen. Mit Helmut Nowak ist jemand aus der Gewerkschaft auf Listenplatz zwei. Mit Katharina Bahr haben wir eine engagierte junge Gemeinderätin aus Waidhofen. Städte sind genauso vertreten wie ländliche Gemeinden. Auch ganz junge Kandidaten finden sich. Wir haben außerdem das „Reißverschluss-Prinzip“ – also abwechselnd eine Frau und einen Mann auf der Liste – durchgezogen.

Welche Themen stehen – gerade im Bezirk und in der Region – aus Ihrer Sicht derzeit imMittelpunkt?

Suchan-Mayr: Neben der aktuell schwierigen Situation rund um die Teuerungen und die Unsicherheit aufgrund des Ukraine-Krieges ist ein Hauptthema für mich Kinderbetreuung und Kinderbildung. Wir brauchen eine bessere Kinderbetreuung, dafür habe ich mich als Landtagsabgeordnete intensiv eingesetzt. Das wird auch ein Schwerpunktthema bleiben, nachdem sich aufgrund der ÖVP-Mehrheit im Land hier wenig bewegt. Der Bedarf ist da. Wir wollen die Betreuungslücke für Kinder von 2 bis 2,5 Jahren schließen. Außerdem sind wir gegen die Kostenpflicht bei der Nachmittagsbetreuung, Bildung muss frei sein. Im Wesentlichen geht es um drei Punkte: 1. das Beste für die Kinder. 2. Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und 3. gute Rahmenbedingungen für die Pädagoginnen und Pädagogen, die gerade in Corona-Zeiten viel Durchhaltevermögen brauchten. Dazu kommen Naturschutz und Finanzen als für mich wichtige Bereiche. Bei den Finanzen haben wir in Niederösterreich zum Beispiel hohen Konsolidierungsbedarf.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit als SPÖ-Abgeordnete in einem ÖVP-geführten Bundesland im Landtag?

Suchan-Mayr: Was für mich etwas neu oder frustrierend war, ist, dass es bei der Arbeit im Landtag oft nicht um eine Idee geht. Das zeigt, dass sich bei einigen Themen sogar SPÖ, Grüne, Neos und FPÖ einig waren, die ÖVP aber nicht zugestimmt hat. Das kann es halt auch nicht immer sein. Es wäre schön, wenn es da mehr auf den Inhalt ankommen würde. Auf der anderen Seite funktioniert die Zusammenarbeit als Bürgermeisterin mit den Amtskollegen, unabhängig aus welcher Partei, aber sehr gut. Das zeigt etwa das Projekt Westwinkel.

Wie blicken Sie auf die vergangenen vier Jahre im Landtag zurück?

Suchan-Mayr: Ich denke, wir haben die Themen gut gesetzt, unter anderem auch im Umweltbereich: Stichwort plastikfrei oder Schritte gegen Einwegplastik. Uns ist etwa gelungen, in einem gemeinsamen Antrag die Anzahl an zur Verfügung stehenden Geschirrwägen zu erhöhen.

Neben Ihrer Tätigkeit für den Landtag üben Sie auch das Amt als Bürgermeisterin in St. Valentin aus. Ist das zeitlich gut vereinbar?

Suchan-Mayr: Ja, das denke ich schon. Es ist auch ganz wesentlich, dass Bürgermeister im Landtag vertreten sind. Wir sehen ja auch bei der Umsetzung von Entscheidungen auf Landesebene, wo es hakt und wo es funktioniert. Ich bin auch in meiner Tätigkeit für die SPÖ viel in der Region unterwegs, die vielen Treffen und Termine haben durchaus positive Auswirkungen.

Es gibt Gerüchte über einen früheren Wahltermin. Wird früher gewählt?

Suchan-Mayr: Ich gehe davon aus, dass der Termin im Jänner sein wird. Wie auch immer es kommen wird, wir sind auf jeden Fall gut vorbereitet. Wesentlich ist, dass die Leute die Arbeit, der vergangenen vier Jahre und was eingebracht, wurde beurteilen.

Sie treten in der Region Mostviertel an. Wie würden Sie diese beschreiben?

Suchan-Mayr: Das Mostviertel ist ein wunderschöner Lebensraum. Wir leben in einer schönen Naturlandschaft und haben gleichzeitig viele Arbeitsplätze. Die dünne Besiedelung und der sanfte Tourismus bringen aber auch Herausforderungen, etwa für den öffentlichen Verkehr. Auch darauf werden wir uns fokussieren müssen.

Zum Abschluss noch die Frage zu Ihrem politischen Werdegang. Woher kommt Ihr Interesse an der Politk?

Suchan-Mayr: Ich war schon in meiner Jugend politisch sehr interessiert, in der Schule war mein Lieblingsfach Geschichte. Mit 16,17 Jahren ging ich dann zur Sozialistischen Jugend, dann zur Jungen Generation, wo ich auch als Bundesvorsitzende tätig war. Im St. Valentiner Gemeinderat bin ich seit 1998, seit 2010 bin ich Bürgermeisterin.

Weiterlesen nach der Werbung

Umfrage Haag/Amstetten

  • Seid ihr mit den Kinderbetreuungs-Angeboten im Bezirk Amstetten zufrieden?