Ehrenringträger Dieter Matschiner verstorben. Dieter Matschiner (74) prägte die Stadtgemeinde St. Valentin ebenso wie die internationale Kunst- und Wirtschaftsszene. Er starb am Samstag nach schwerer Krankheit.

Von Karl Fuchs. Erstellt am 24. September 2019 (03:12)
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Dieter Matschiner, Künstler, Fest- und Messegestalter sowie Architekt von höchster künstlerischer Gestaltungskraft, wird künftig mit seinen vielen Gestaltungsideen in St. Valentin fehlen. 
Karl Fuchs

Am Samstagmorgen verstarb Dieter Matschiner, Ehrenringträger der Stadtgemeinde St. Valentin, nach langer Krankheit im Alter von 74 Jahren – ein schwerer Schlag für die Familie und auch für die Stadt, die er über viele Jahre mit seinem Wirken prägte. Dieter Matschiner war ein Kunst-, Veranstaltungs- und Wirtschaftsuniversalgenie, ein hilfsbereiter Mensch mit starkem Charakter, der bereits in ganz jungen Jahren große Erfolge in der Wirtschaft feiern konnte.

1960 siedelte der gebürtige Grieskirchner nach St. Valentin. Nach Abschluss der Pflichtschule besuchte er die Bundesgewerbeschule in Linz und danach die Akademie der bildenden Künste in Wien. Er schaffte es in die Meisterklasse für Bühnen- und Festgestaltung zu Professor Egg.

Bei seiner ersten Kunstausstellung in St. Valentin im Jahr 1966 in der Hauptschule Schu-bertviertel wurde dem damals 21-jährigen Künstler eine großartige Karriere vorausgesagt, die nicht lange auf sich warten ließ.

Engagement bei Century Fox als Filmarchitekt

1967 diplomierte er an der Akademie und wurde mit dem Meisterschulpreis ausgezeichnet. Aufgrund dieses Preises gestaltete Matschiner im Jahr 1967 für die Wiener Festwochen die erste Max-Reinhard-Gedächtnisausstellung in der Akademie der bildenden Künste. Ebenfalls 1967 entwarf er das St. Valentiner Gemeindewappen.

1968 arbeitete er als Filmarchitekt für die 20th Century Fox beim Film „A walk with death and love“ unter der Regie von John Huston. Daneben managte er die damalige St. Valentiner Profiband „the Pop Corns“ und veranstaltete unter anderem das „Meeting 69“ mit großartigem Erfolg in St. Valentin sowie danach das erste Ennser Happening, „Action One“ mit der Schweizer Band „The Guru Guru Groove“.

Architektonische Meisterleistungen

1969 plante er die Tanzbar „Santa Maria“ von Willi Dorfmayr in Ernsthofen und im Waldviertel ein Jagdmuseum. Im selben Jahr hatte Dieter Matschiner auf der Welser Messe mit einem architektonisch außergewöhnlich modernen Messestand seinen großen Auftritt. Und von da an folgten viele große Erfolge im Eilzugstempo.

Er konzipierte die „Collection 70“ im Jahr 1969 – das erste Jugend-Einkaufserlebnis in Linz im Weißenwolffschen Palais, in der heutigen Arkade. Darauf folgten zwei Skicollections, bei denen die Sportartikelindustrie gemeinsam mit dem Linzer Skiclub Einkaufserlebnisse bieten wollte. Diese Gestaltungen wurden von ihm in modernster Form umgesetzt.

Eine besondere architektonische Meisterleistung erzielte der St. Valentiner mit der Ladenbaufirma Assmann in Leibnitz. Er entwickelte die zwei Ladenbauprogramme „Ambiente“ und „Dressoir“ für den Austro Shop Creativ in Wels und für den Euro Shop in Düsseldorf. Der von ihm völlig neu konzipierte Messestand mit einem Kostenaufwand von vier Millionen Schilling machte in der internationalen Wirtschaftspresse Schlagzeilen. Weitere Messestandkonzepte für Düsseldorf, Paris, Nizza, Salzburg und Wien folgten – zum Beispiel für die Kosmetikfirma Piz Buin in Vorarlberg.

Matschiner kreierte den Plus City-„Food Court“

Nach einigen inländischen und ausländischen Sonderbauten und Revitalisierungsarbeiten von Bauernhäusern und Bürgerhäusern folgten Messeszenarien in Chicago, Paris, Las Vegas und Birmingham.

Eine seiner liebsten Arbeiten betraf die Erstellung von Lebensbühnen für die Linzer Unternehmensfamilie Roland Schachermayer sowie für die Linzer Plus City. Die Anweisung der Plus City-Geschäftsleitung, einen „Food Court“ zu kreieren, der einen mediterranen Schwerpunkt in Verbindung mit Erholung und gutem Essen bringt, setzte Matschiner als Bühnenbildner sensationell um. Er wurde daraufhin von der Presse als „Kreateur von Lebensbühnen aller Art“ bezeichnet. Ein Zitat von Matschiner lautete dazu: „Ich baue Simultan-Welten, die zum Kaufen anregen.“

1993 erhielt Matschiner Ehrenring St. Valentins

Einer der vielen Höhepunkte in der Geschichte St. Valentins war 1983 die Stadterhebung, die Dieter Matschiner als Festgestalter prägte und der er seinen Stempel beim Zehn-Tagesprogramm aufdrückte. Für die Gestaltung des Geschichtlichen Museums in St. Valentin wurde er 1993 mit dem Ehrenring der Stadtgemeinde ausgezeichnet. Im Jahr 2003 erhielt er außerdem das Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.

Weitere Großereignisse von Matschiner waren 1974 die Gründung der Linzer Faschingsgilde „Narralentia“, deren Präsident er war. Eine Augenweide waren die damaligen Ballauftritte mit der Garde in Linz, Wels, Perg, Salzburg, Bayern und Wien. 25 Jahre gestaltete er zudem für die Ennsdorfer Modeschöpferin Helga Hartl, Haute Couture in Strick, Modeschauen im Marmorsaal des Stiftes St. Florian auf höchstem
Niveau.