Geplantes Amazon-Verteilerzentrum: Konflikt unter Nachbarn

Erstellt am 23. November 2022 | 03:38
Lesezeit: 4 Min
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Vor allem die markierten Passagen der ÖVP-Aussendung sorgten bei der Ennsdorfer Bürgerplattform für gehörigen Unmut.
Foto: privat
St. Valentiner ÖVP und Ennsdorfer Bürgerplattform geraten wegen Amazon-Verteilerzentrum aneinander.
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Die Pläne des Internetriesen Amazon, in St. Valentin ein Paketverteilerzentrum errichten zu wollen und der Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, das Projekt weiterzuverfolgen, sorgen in St. Valentin seit Wochen für Diskussionen. Seit der vergangenen Woche ist die Angelegenheit um eine weitere Facette reicher, denn nun herrscht auch noch dicke Luft zwischen der St. Valentiner ÖVP und der Bürgerplattform Pro Ennsdorf-Windpassing-Pyburg.

Der Grund dafür ist ein Artikel in der ÖVP-Zeitung, die vor wenigen Tagen in alle St. Valentiner Haushalte flatterte. Unter dem Titel „Keine Furcht vor Amazon – sondern ehrlicher, konsequenter Dialog ohne Polemik!“ sprechen sich Andreas Pum und Co. dafür aus, die Chance zu nutzen, „weitere zukunftsträchtige Arbeitsplätze zu schaffen“. Vor allem gehen sie aber mit der Ennsdorfer Bürgerinitiative hart ins Gericht. Sie werfen den Nachbarn vor, „in operativer Hektik gepaart mit politischem Populismus und Halbwissen über Verkehrsflüsse“ zu versuchen, die St. Valentiner Leitbetriebe CNH, Engel und Magna zu diskreditieren und ihnen die Schuld an der Verkehrsflut in Ennsdorf zu geben. „Offensichtlich haben der aktuelle Bürgermeister und der Altbürgermeister vergessen, dass sie selber in den letzten 25 Jahren mehr als 30 Betriebe im Ennshafen angesiedelt haben und die Verkehrssituation völlig falsch interpretiert haben und somit die eigene Bevölkerung damit überfordern“, kritisiert die ÖVP. Man ist auch überzeugt, dass Ennsdorf bezüglich Verkehr „maximal nur peripher“ betroffen sei, weil das Entwicklungsgebiet für Amazon ja nahe der Autobahnauffahrt St. Valentin liege.

Bürgerplattform kontert der ÖVP-Kritik

Heftige Kritik und deutliche Worte, die die Bürgerplattform rund um Sprecher Herbert Pühringer und Ennsdorfs Vizebürgermeister Walter Forstenlechner (SPÖ) nicht auf sich sitzen lassen will. „Wer in der derzeitigen unbefriedigenden Aufschließung und Anbindung des Industriegebiets Herzograd mit seiner Zufahrt, die in Ennsdorf und in Langenhart durch Ortsgebiete führt, bei der man an Schulen vorbei und über den Kirchenplatz fährt, keine Verkehrsprobleme und keine Belastungen und Gefahren für die Bevölkerung erkennen kann, sollte sich sein Engagement in der Kommunalpolitik überlegen“, schießen sie nicht minder scharf zurück. Besser als Bür-gerinitiativen zu bashen, wäre ihrer Meinung nach der Einsatz der Orts-ÖVP für eine Landesstraße, die Autobahn, B1 und das Industriegebiet verbindet und die Ortsgebiete umfährt. „Nachdem auch das Land Niederösterreich von den Betrieben profitiert und in vielen anderen Gemeinden bei ähnlicher Verkehrsdichte schon Umfahrungen gebaut wurden, ist das Land säumig. Hier könnten sich die örtlichen ÖVP-Granden engagieren und mit ihren parteilichen Beziehungen sicher etwas für die Stadt erreichen“, betonen Pühringer und Forstenlechner.

„Großer Teil des Verkehrs wird durch Ennsdorf laufen“

Dass der zusätzliche Verkehr, der durch das Amazon-Verteilerzentrum entstehen würde, Ennsdorf nicht betreffen würde, weisen die beiden zurück. „Ein Blick in die Verkehrszählungen des Landes NÖ aus 2019 ergibt ein anderes Bild“, stellen sie klar. 9.000 Fahrzeuge pro Tag, davon 700 Lkw, quälen sich demnach über die Stöckler-Kreuzung durch den Ort Ennsdorf. 4.500 Fahrzeuge, davon 400 Lkw, benutzen Richtung St. Valentin die „Panzerstraße“ in die Schottergruben, zur Asphaltmischanlage und in das Industriegebiet Herzograd. Diese Fahrzeuge meiden die neue B1, weil der Anschluss Handelsstraße bei der Autobahnauffahrt überlastet sei. Diese Überlastung der Handelsstraße ist laut der Bürgerinitiative auch ein Grund, warum die Bezirkshauptmannschaft ein Lkw-Fahrverbot durch Ennsdorf ablehnt.

Das Verteilerzentrum würde sich an der Handelsstraße befinden. „Ein großer Teil des Verkehrs wird daher wieder durch Ennsdorf laufen. Die Bürgerplattform protestiert daher gegen die Mehrbelastung durch hunderte Paketdienstfahrzeuge“, kämpfen Herbert Pühringer und Walter Forstenlechner weiter.

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