Gedenkfeier gegen das Vergessen. Mit prominenten Gastrednern wie dem ORF-Korrespondenten Karim El-Gawhary gedachte man in St. Valentin am vergangenen Freitag der Befreiung der KZ-Häftlinge.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 08. Mai 2018 (04:29)
Ingrid Vogl
Kulturstadtrat Leopold Feilecker (4.v.l.) konnte mit ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary (3.v.l.), Politologe Reinhard Heinisch (5.v.r.) und dem evangelischen Superintendenten Lars Müller-Marienburg (3.v.r.) wieder drei prominente Persönlichkeiten als Gastredner für die Gedenkfeier am Anna-Strasser-Platz gewinnen.

„Danke, dass Sie bereit sind, nicht zu vergessen.“ Mit diesen Worten begrüßte Kulturstadtrat Leopold Feilecker die Besucher der Gedenkfeier in Herzograd, mit der man an den 73. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge des ehemaligen Nebenlagers des KZ Mauthausen erinnerte.

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Die 12-jährige Naba berührte mit der Geschichte ihrer Flucht aus Syrien, die sie selbst vorlas.

Mit dem Politologen Reinhard Heinisch, ORF-Korrespondenten Karim El-Gawhary und dem evangelischen Superintendenten Lars Müller-Marienburg war es Feilecker gelungen, auch heuer wieder namhafte Gastredner für die traditionelle Feier nach St. Valentin zu holen. Hauptthema aller in Österreich stattfindenden rund 90 Gedenk- und Befreiungsfeiern war im heurigen Jahr „Flucht und Heimat“.

Gerade zu diesem Thema haben Heinisch und El-Gawhary einen ganz besonderen Bezug. So kam die Großmutter von Reinhard Heinisch in der NS-Diktatur in einem KZ ums Leben. Durch die Berichterstattung aus dem Nahen Osten und dessen Krisengebieten erlebt El-Gawhary das Thema Flucht und Heimat hautnah mit und berichtet darüber.

„Integration ist keine Einbahnstraße. Voraussetzung ist, dass sich die Köpfe auf beiden Seiten öffnen.“ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary in seiner Rede

Heinisch unterstrich in seiner Rede die Wichtigkeit der Demokratie und betonte, dass Ovids Spruch „Wehret den Anfängen“ heute aktueller denn je sei. El-Gawhary erklärte, dass Heimat auch ein wichtiger Begriff für Flüchtlinge sei. „Sie haben ihre Heimat verloren. Es ist die Frage, ob sie hier eine neue finden. Integration ist keine Einbahnstraße. Voraussetzung ist, dass sich die Köpfe auf beiden Seiten öffnen“, erläuterte der ORF-Korrespondent, der in St. Valentin erstmals im Rahmen einer Gedenkfeier als Redner fungierte.

Emotionaler Höhepunkt der Feier waren in diesem Jahr aber die Beiträge der Schüler der IMS Langenhart, die sich Gedanken zum Thema Heimat machten. Besonders bewegend war der Moment, als die 12-jährige Naba, die seit drei Jahren mit ihrer Familie in Ernsthofen wohnt, die Geschichte ihrer Flucht aus Syrien vorlas. „Es wäre besser gewesen, die Schüler wären zum Schluss drangekommen, denn was ich sage, ist nicht so gut“, zeigte sich auch Superintendent Lars Müller-Marienburg beeindruckt, dem die Schlussworte vorbehalten waren.

Für die musikalische Umrahmung der Feier, die mit einer Kranzniederlegung bei der KZ-Gedenkstätte am Anna-Strasser-Platz endete, sorgten Ayako Ono am Klavier und Christoph Bitzinger an der Violine.