Land NÖ gibt grünes Licht für Deponieschließung. Eine Nachnutzung der Deponiefläche in Herzograd als Freizeitpark ist nun möglich.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 03. März 2021 (04:46)
Die ehemalige Mülldeponie in Herzograd kann jetzt endgültig geschlossen werden. Die Nachnutzung der zwei Hektar großen Deponiefläche als Freizeitpark ist nun möglich.
Stadtgemeinde

In den Jahren 1964 bis 1980 wurde der Hausmüll der Stadt St. Valentin in der ehemaligen Schottergrube im Ortsteil Herzograd deponiert. Da es – wie bei derartigen Deponien üblich – in der Folge zu Grundwasserbelastungen kam, wurde die Deponie im Jahr 1990 in den Verdachtsflächenkataster durch das Umweltbundesamt aufgenommen, da der Verdacht einer erheblichen Umweltgefährdung aufgrund früherer Nutzungsformen ausreichend begründet war. Und das unabhängig davon, ob von der Liegenschaft tatsächlich eine erhebliche Gefahr ausgegangen wäre.

In der Folge wurden im Auftrag des Bundes laufend Messungen vorgenommen. Im Jahr 2008 wurde die Deponiefläche wegen einer vorläufigen Gefährdungsabschätzung des Umweltbundesamtes als Beobachtungsfläche eingestuft. Aufgrund von ergänzenden Untersuchungen sowie des Rückganges der Deponiegasbildung wurde die Deponie im Jahr 2014 aus dem Verdachtsflächenkataster gestrichen, da keine erhebliche Umweltgefährdung mehr festgestellt wurde.

„Alternative Sanierungsarten oder gar eine Räumung der Deponie würden ein Vielfaches der veranschlagten Kosten erfordern.“ Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr zur Deponieschließung, die sich mit rund einer Million Euro zu Buche schlagen wird.

Um die Auswirkungen der Deponie zu reduzieren und einen ordnungsgemäßen Zustand herzustellen, wurde durch die Stadtgemeinde St. Valentin in Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Verantwortung als Deponiebesitzer im Jahr 2015 ein Sanierungsprojekt gemäß Abfallwirtschaftsgesetz eingereicht. Dieses wurde in Form eines Vorversuches bewilligt. In einem ersten Schritt waren Maßnahmen zur Deponiegaserfassung umzusetzen und ein entsprechendes Messprogramm durchzuführen.

Wegen der durchgeführten Baumaßnahmen und der Ergebnisse des Messprogrammes, die zeigten, dass keine Gefährdung der Bevölkerung durch Deponiegas vorliegt, wurde das Gesamtprojekt nun bescheidmäßig durch das Amt der NÖ Landesregierung endgültig genehmigt.

„Dies bedeutet, dass die Deponie durch die Herstellung der projektgemäßen Oberflächenabdeckung nun endgültig verschlossen werden kann und somit die bewilligungsgemäße Nachnutzung der Deponiefläche als Freizeitpark für die St. Valentiner Bevölkerung möglich ist“, sagt Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr.

Gesamtkosten von rund einer Million Euro

Die Gesamtkosten für die Deponiesanierung werden rund eine Million Euro betragen. „Alternative Sanierungsarten durch Folienabdichtung oder gar eine Räumung der Deponie würden ein Vielfaches der veranschlagten Kosten erfordern. Die Stadtgemeinde St. Valentin geht mit diesem Projekt einen vernünftigen und sicheren Weg und handelt im Sinne der nachhaltigen Nutzung von Flächen, die im Besitz der Stadtgemeinde sind, und im Sinne einer verantwortungsbewussten Umweltpolitik“, betont die Stadtchefin.

Ursprünglich war auf der Deponiefläche in der Herzograder Kurve die Errichtung eines modernen Skateparks vorgesehen. Das Projekt, bei dem alle Skate-elemente aus Beton und somit wartungsfrei gewesen wären, war bereits so weit gediehen, dass der Auftrag zur Errichtung der Anlage im Gemeinderat vergeben worden war und der Park im Juni 2015 in Betrieb hätte gehen sollen.

Das Projekt musste dann aber wieder auf Eis gelegt werden, weil die Deponie endgültig geschlossen werden musste, bevor die Fläche für den Skatepark asphaltiert werden durfte. „Der Skatepark hätte auch die Funktion, durch den Asphalt abzudichten“, erklärt Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr.

Vom ursprünglichen Plan, auf dem Gelände einen reinen Skatepark zu errichten, ist man im Lauf der Jahre wieder abgekommen. Ins Auge gefasst hatte man dann einen Skate- und Freizeitpark samt Spielplatz und Outdoor-Bewegungsgeräten.

„Wir werden das Projekt evaluieren und nach den Bedürfnissen der Jugend gestalten“, verrät die Stadtchefin. Bereits demnächst soll es auch Gespräche mit dem Planungsbüro geben, um zu besprechen, was auf dem zwei Hektar großen Areal oberflächlich gemacht werden kann. Einige Maßnahmen werde man schon heuer umsetzen können. Man habe jedenfalls fünf Jahre Zeit, um die Versiegelung der Deponie abzuschließen.

ÖVP sieht das Projekt weiterhin negativ

An der Möglichkeit, auf dem Deponiegelände einen Freizeitpark für die gesamte Bevölkerung zu errichten, wird man festhalten. „Gerade in Zeiten von Corona sieht man, wie wichtig Freiflächen sind“, betont Suchan-Mayr.

Die ÖVP sieht das nicht ganz so. „Das Thema begleitet uns schon 20 Jahre. Dass man ein Prestigeprojekt mit aller Gewalt durchsetzen will, kostet den Steuerzahler viel Geld. Hätte man die Fläche brach liegen lassen, hätte man nichts tun müssen und könnte auch drübergehen“, kann sich ÖVP-Stadtrat Andreas Pum mit dem Freizeitpark-Projekt noch immer nicht anfreunden. Dass ein Skatepark heutzutage noch zeitgemäß sei, bezweifelt man ebenfalls. Zustimmung zu dem Projekt gibt es von den Grünen und mit Einschränkungen auch von der FPÖ.

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