Neuer Stadtrat Knöbl: „Ich bin schon mittendrin“. Franz Knöbl (Grüne) spricht über seine neue Aufgabe als Stadtrat für Mobilität, Klima- und Umweltschutz sowie die Ziele für seine erste Periode im St. Valentiner Gemeinderat.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 29. November 2020 (06:48)
Der dreifache Familienvater Franz Knöbl (45) ist Ingenieur für Wirtschaftsingenieurswesen und arbeitet in der Projektleitung für Investitionen und Infrastruktur in unterschiedlichsten österreichischen Industriebetrieben – derzeit bei der Firma Rosenbauer in Leonding.
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NÖN: Sie haben bei der Gemeinderatswahl im Jänner zum ersten Mal kandidiert. Was hat Sie dazu bewogen, in die Politik zu gehen?

Franz Knöbl: Mein Großvater, der SPÖ-Gemeinderat war, hat mich politisch geprägt. 2016 wurde ich dann aufgerüttelt, weil eine Hühnermastfarm mit 40.000 Hühnern in St. Valentin gebaut werden sollte. Ich habe gemeinsam mit anderen die Bürgerinitiative „Wollen wir nicht“ gegründet und wir konnten den Bau der Farm bis heute verhindern. Der enorme Zuspruch hat mir die Kraft für meine Entscheidung gegeben, auch in Zukunft auf kommunaler Ebene mitzugestalten und die notwendige Zeit dafür aufzubringen.

Sie sind als Nummer 3 der Grünen in den Gemeinderat eingezogen. Mittlerweile haben Sie die Parteiführung und mit November den Stadtratsposten von Monika Oberradter übernommen. War genug Zeit, um sich einzuarbeiten?

Knobl: Ich wurde vor der Gemeinderatswahl von Monika Oberradter bereits gefragt, ob ich als Spitzenkandidat in die Wahl gehen möchte. Das habe ich abgelehnt, da ich mit politischer Arbeit keine Erfahrung hatte und noch nicht im grünen Team verankert war. Monika hat von Anfang an gesagt, dass sie nicht die volle Legislatur-Periode zur Verfügung stehen wird. Durch meine federführende Arbeit am Mobilitätskonzept für St. Valentin haben wir gemeinsam beschlossen, dass eine Person durchgängig dafür verantwortlich sein sollte. Deshalb der frühe Wechsel. Und ja: Ich bin schon mittendrin.

Die Grünen hatten es in den vergangenen Jahren nicht unbedingt leicht, mit ihren Ideen zu punkten. Was wollen Sie mit Ihrer Tätigkeit für St. Valentin bewirken?

Knöbl: St. Valentin hat als Stadt viel erreicht und steht gut da. Viele grüne Ideen wurden letztendlich umgesetzt, auch wenn die Grünen als Ideenbringer dabei nicht in den Vordergrund gestellt wurden. Ein Ziel ist es, in allen Projekten Ökologie mitzudenken, Öko-Mainstreaming sozusagen.

Was werden die Schwerpunkte Ihrer Arbeit sein?

Knöbl: Ein großer Schwerpunkt wird die Erstellung eines Mobilitätskonzepts für St. Valentin sein, das eine grundlegende Strategie beinhaltet, die auch die Zukunft der Stadtentwicklung beinhaltet. Hierzu habe ich ein langfristiges Bild unserer Stadt in meinem Kopf, das mich glücklich stimmt und meinen Tag mit Freude erleuchtet. Unsere Straßen sind zu sozialen Orten geworden und die Stadt ist wieder bunt und lebendig. Die Leute kaufen im Ort ein, die Auslagen sind vielseitig und abwechslungsreich. In den Garagen und Straßen werden Feste und Feiern gefeiert und es sind Lachen und Stimmen aus den Gassen und Gärten zu hören.

Welche konkreten Ziele verfolgt man mit dem Mobilitätskonzept? Wie sieht der Zeitplan dafür aus?

Knöbl: Im Moment kämpfe ich noch darum, das notwendige Budget dafür zu erhalten. Der Zeitplan richtet sich nach der Freigabe für ein Budget. Die kalkulierte Dauer für so ein übergreifendes Verkehrskonzept beträgt rund 40 Monate. Das Hauptziel ist ein verbindendes Gesamtkonzept zwischen den heutigen Konzepten, die wir als Stadtgemeinde bereits abgearbeitet und in den Schubladen haben. Die Analyse des verkehrlichen Ist-Zustands und der Mobilität beschreibt beziehungsweise beurteilt mögliche Maßnahmen zur Umsetzung der verkehrlichen Ziele unserer Stadt.

In St. Valentin gibt es zwei Dauerbrenner, über die seit Jahren beziehungsweise Jahrzehnten diskutiert wird. Einer davon ist die Veranstaltungshalle, die mittlerweile auf Schiene ist. Wie stehen Sie zu dem Projekt, das ja auch wegen der hohen Kosten immer wieder in der Kritik stand?

Knöbl: Wir haben in der Vergangenheit immer wieder eingefordert, für dieses Veranstaltungszentrum ein Nutzungskonzept und künstlerisches Konzept zu erstellen. Bisher erfolglos. Viele Fragen sind da noch offen. Bei dem Thema bin ich ehrlich gesagt noch in der Einarbeitungsphase und mich in den Informationen zur Investition einzulesen und zu orientieren.

Das zweite Dauerthema ist die Umfahrung Langenhart-Herzograd, die noch immer Zukunftsmusik ist. Seitens der Grünen wurde hier immer wieder kritisiert, dass für die verkehrsgeplagten Anrainer keine Maßnahmen zur Entlastung gesetzt werden und wurden. Wie sollte diese Entlastung Ihrer Meinung nach aussehen? Was kann man kurzfristig tun?

Knöbl: Die Umfahrungsstraße wird seit Jahrzehnten als Lösung für das Problem der Verkehrsüberlastung präsentiert, die Leidtragenden sind täglich die Anrainer. Unsere kurzfristigen Lösungsvorschläge sind eine flächendeckende Geschwindigkeitsreduktion und Kontrollen, beruhigende Verkehrsführungsmaßnahmen in der Straßengestaltung und die Verbesserung der vorhandenen Geh- und Radwege in Bezug auf Breite, Belag und Kennzeichnung. Wir brauchen einen Schulterschluss der Verantwortlichen der Industriebetriebe in Herzograd mit unserer Stadt. Diese Firmen haben eine nachhaltige Strategie und Werte zu Klima- und Umweltschutz für ihre Produkte in den letzten Jahren definiert. Dieser ökologische Fußabdruck von Firmen endet aber nicht bei den Werkstoren, hier gehört für mich auch Mobilität des einzelnen Mitarbeiters in Betracht gezogen. Wir haben in Österreich viele ökologische Vorreiter, um hier die Lösungen zu gestalten.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Was muss bis zum Jahr 2025 geschehen, damit Sie ihre erste Periode als erfolgreich bewerten würden?

Knöbl: Die Erstellung und die Umsetzung von ersten Maßnahmen des Mobilitätskonzepts und Koalitionspartner in der Stadtregierung zu sein.