Plastikmüll als Streitpunkt. Grün-Gemeinderätin spricht von „Greenwashing“ in der Abfallbilanz. GDA weist dies zurück.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 21. Januar 2020 (04:34)
Sehr zur Freude von Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr (rechts) wurde der Tante Hanna-Laden von Johanna Haas-Kovacic und Radomir Kovacic (Mitte) von Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl als „plastikvermeidender Betrieb“ ausgezeichnet.
Fuchs

Groß war die Freude von Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr über die Zahlen des Gemeinde Dienstleistungsverbands Region Amstetten (GDA) für das Jahr 2019. Ihren Eindruck, dass die Initiative „Plastikfreie Gemeinde“ bereits Früchte trägt, sah die Stadtchefin in der GDA-Bilanz eindeutig bestätigt, denn die Menge an Plastikmüll hatte sich demnach von 260 auf 123 Tonnen reduziert.

Zahlen, die Grün-Gemeinderätin Bettina Langenfelder nicht glauben konnte. „Interessant wäre, wo diese Zahlen herkommen, denn im Alltag bemerke ich in St. Valentin nämlich kaum etwas davon, dass unsere Gemeinde plastikfrei sein soll. Die Vermutung liegt nahe, dass die Halbierung des Mülls wohl eher mit der Einführung der gelben Säcke zu tun haben könnte und die andere Hälfte des Plastiks im Restmüll landet und daher auch nicht gezählt wird. Die plastikfreie Gemeinde ist ein Beispiel für Greenwashing wie es im Buche steht. Klingt grün und nach Umweltschutz, ist es aber dann letztendlich nicht“, schrieb Langenfelder in einem Leserbrief an die NÖN.

„Greenwashing wie es im Buche steht“

In einem zweiten Brief ging die Grün-Gemeinderätin dann noch einen Schritt weiter. Ihrer Rechnung nach hätte bei einer Halbierung des Plastikmülls jeder Haushalt in St. Valentin 34 Kilogramm Kunststoffmüll einsparen müssen. „Die Zahlen sind aber leider nicht so zu interpretieren. Waren zuvor die Container frei zugänglich, wurde auch der Müll von umliegenden Gemeinden in St. Valentin abgeführt. Auch waren Plastikmüllanteile von gewerblichen Betrieben dabei. Die Gebiete wurden neu aufgeteilt und übrig blieben 2019 dann wirklich nur mehr die Anteile an Kunststoffmüll, die in den Haushalten getrennt und gesammelt wurden. Der Müll wurde also lediglich anders verteilt“, ist Langenfelder überzeugt.

Fehlwurf-Quote durch gelben Sack halbiert

Dem widerspricht man beim GDA doch ziemlich deutlich. „Die genannten Einsparungen von 34 Kilogramm pro Haushalt sind für uns nicht nachvollziehbar, da diese Zahl in keinem Zusammenhang genannt wurde“, stellt Birgit Baier klar und verweist auf die Abfallbilanz aus dem Jahr 2018, die einen generellen pro-Kopf-Anfall von 19,6 Kilogramm bei den Kunststoffverpackungen im Bezirk Amstetten ausweist. Positiv sei auch das Ergebnis des gelben Sackes, wodurch sich die Fehlwurf-Quote gegenüber dem alten Behältersystem halbiert habe und nun deutlich unter dem niederösterreichischen Durchschnitt bei acht Prozent liegt.

Grün-Gemeinderätin Bettina Langenfelder zweifelte die Zahlen der Plastikmüllbilanz an
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Dass die Container vor der Umstellung jedem frei zugänglich waren und dadurch auch von umliegenden Gemeinden in St. Valentin eingeworfen wurde, ist laut GDA korrekt. Es sei aber „auch im neuen Abfallsystem nicht auszuschließen, dass gelbe Säcke an den Abholtagen gemeindeübergreifend bereitgestellt werden beziehungsweise dass bei den gelben Tonnen auf offenen Firmengeländen oder bei nicht versperrten Wohnhausanlagen fremd eingeworfen wird“, gibt Birgit Baier zu bedenken. Zudem seien die gewerblichen Kunststoffabfälle in der Mengenaufstellung von 2019 bereits zur Gänze miteingerechnet. „Die Gewerbe stellen zusätzlich zu ihren gelben Tonnen teilweise auch gelbe Säcke bereit, welche in einer eigens von der Gemeinde St. Valentin geführten Ausgabeliste ersichtlich sind“, klärt Baier weiters auf.

Bürgermeisterin Suchan-Mayr will sich ihre Erfolgsbilanz von den Grünen jedenfalls nicht schlechtreden lassen und spart auch ihrerseits nicht mit Kritik: „In der Arbeitsgruppe ist niemand, der aktiv mitmachen will und Ideen hat. In der Richtung kommt von den Grünen gar nichts.“ Dass es in St. Valentin sichtbare Bestrebungen gibt, Plastik zu vermeiden, hat man seit der Vorwoche nun sogar schwarz auf weiß. Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl tourt als oberster Konsumentenschützer des Landes derzeit mit einer Auszeichnung für „plastikvermeidende Betriebe“ durch Niederösterreich und holte dabei auch den St. Valentiner Tante Hanna-Laden vor den Vorhang. Die Betreiber Radomir Kovacic und Johanna Haas-Kovacic setzen in ihrem Geschäft darauf, Müll zu vermeiden, offene Ware anzubieten und auf Einwegplastik zu verzichten. Mittels mitgebrachter eigener Behältnisse kann genauso viel eingepackt werden wie die Konsumenten verzehren wollen und können.