Schildbürger machen vor ÖBB nicht Halt. Die niederösterreichischen Grünen wählten die fehlenden Nachtzüge auf der Westbahn zum „Schildbürgerstreich des Monats“.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 01. September 2014 (13:31)
Die NÖ Grünen küren monatlich einen Schildbürgerstreich. Im August fiel die Wahl auf die fehlenden Nachtzüge auf der Westbahn. Auf diesen Missstand machten die Gemeinderäte Monika Oberradter und Gerhard Haag, Klubobfrau Helga Krismer, Dominic Hörlezeder und Michael Pinnow (v.l.n.r.) vor dem Bahnhof in St. Valentin aufmerksam.
NOEN, Ingrid Vogl
Die niederösterreichischen Grünen wählen Monat für Monat einen Schildbürgerstreich. „Wir haben die Bürger und die Grünen vor Ort in den Gemeinden aufgerufen, uns Hinweise zu geben, was es wert ist ein Schildbürgerstreich zu sein in diesem Land. Negative Beispiele, die eine überregionale Bedeutung haben, kommen dann zum Zug“, erklärt Klubobfrau Helga Krismer die Vorgangsweise.

Der letzte Zug von Wien und Linz geht vor 23 Uhr

Zum Zug gekommen sind diesmal die fehlenden Nachtzüge auf der Westbahn. Wer von Wien zurück ins Mostviertel möchte, der muss spätestens um 22.52 Uhr am Bahnhof sein. Einen Theater- oder Konzertbesuch genießen kann man so kaum. Vom Nachtleben, das junge Leute nach Wien zieht, ganz zu schweigen.

„Wir wissen, dass die Valentiner eher nach Linz orientiert sind. Da schaut es aber genauso trist aus“, kritisiert Krismer. Der letzte Zug von Linz fährt ebenfalls vor 23 Uhr – nämlich um 22.56 Uhr, der erste des nächsten Tages erst um vier Uhr früh. Um auf diese Missstände hinzuweisen, wird Krismer einen Brief an die ÖBB und den Verkehrsreferenten des Landes übermitteln, wo sie um eine Stellungnahme in dieser Angelegenheit ersucht und sich für bessere Nachtverbindungen auf der Westbahnstrecke einsetzt.

„Die jungen Leute und Kulturbesucher wollen nicht vorzeitig nach Hause fahren. So bleibt ihnen aber eine Heimfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln verwehrt. Damit erreicht man sicher keinen umweltfreundlichen Umstieg auf die ÖBB“, betont Krismer.

Wie so oft dürfte es am Geld scheitern

St. Valentins Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr ist mit den Grünen hier einer Meinung: „Das ist ein Punkt, den wir immer kritisieren und wir versuchen ständig, das auf den Tisch zu bringen“, kämpft die Ortschefin in dieser Causa offenbar gegen Windmühlen.

Dass eine Ausdehnung der Zugleistungen bei den Fahrplandialogen von den Vertretern der Region angesprochen wurde, bestätigt auch ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif. „Konkrete Zielgespräche kamen mit den Kommunen bislang aber nicht zustande“, gibt Seif zu bedenken.

Wie so oft dürfte es am Geld scheitern, denn für zusätzliche Nachtverbindungen wäre eine Finanzierung die Voraussetzung.

„Wir haben derzeit einen Verkehrsdienstevertrag über das aktuelle Verkehrsvolumen auf dieser Strecke. Dieser regelt den Umfang der Leistungen und auch den zeitlichen Einsatz. Zusatzverkehre erfordern klarerweise zusätzliche finanzielle Mittel bzw. auch die Beteiligung der Gemeinden. Die ÖBB müssen wirtschaftlichen Vorgaben selbstverständlich Rechnung tragen und können daher derartige Zusatzleistungen nicht ohne finanzielle Beteiligung in Eigenregie erbringen“, spielt Seif den Ball an die Städte an der Westbahn zurück.