Streithähne nach Telefonat vor Gericht. Die Darstellung eines der Drohung beschuldigten Angeklagten war für den Richter plausibler als die Erzählung einer Würstelstandbetreiberin aus St. Valentin.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. September 2020 (05:14)
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APA (Symbolbild)

„Ich brenne deine Hütte nieder“, diese Drohung soll der Mann ins Telefon geschrien haben. Gemeint haben soll er dabei einen Würstelstand in St. Valentin. Am anderen Ende der Leitung: die Betreiberin des kleines Bistros. Diese klagte auf gefährliche Drohung. Beide, Klägerin und Geklagter, trafen sich am Landesgericht St. Pölten bei der Verhandlung wieder. „Macht es Ihnen etwas aus, wenn der Angeklagte auch hier ist?“, fragte der Richter das Opfer. Dieses erwidert, dass das Verhältnis zum Angeklagten in der Vergangenheit immer gut war, sie also auch in Gegenwart des Angeklagten im Saal sein könne.

Dann begann die Klägerin ihre Zeugenaussage. Sie, die Würstelstandbetreiberin habe in einem Telefonanruf den Mann zur Rede stellen wollen. Der Anlass: Er hatte über einen Nachrichtendienst über das Mobiltelefon ein Foto der Dame versendet mit einem Kommentar zur körperlichen Verfassung derselben.

Nach Anruf wurde die Polizei gerufen

So etwas müsse man sich nicht gefallen lassen, argumentierte die Frau im Gerichtssaal. Deswegen tätigte sie im Juli den Anruf, der dem Mann schließlich zum Verhängnis werden sollte. Im Gesprächsverlauf am Telefon – es dauerte rund drei Minuten – soll es zur bedrohlichen Aussage mit dem Niederbrennen der Hütte gekommen sein. Dann habe sie den Hörer sofort aufgelegt und die Polizei verständigt, erinnerte sich die Frau im Zeugenstand.

Die Darstellung des Vorfalls durch den Angeklagten war gegenteilig. „Ich brenne dich beim Finanzamt an“, habe er am Telefon in Rage gesagt, unterstrich der Angeklagte am Landesgericht. Der Mann führte nach mehrmaligem Nachfragen des Richters schließlich an, warum er das Finanzamt in den Mund genommen habe. Ebenfalls im Zeugenstand war die Lebensgefährtin des beschuldigten Mannes, diese konnte die Worte ihres Freundes bezeugen. Sie sei besonders erschrocken, als kurz nach Beendigung des Telefonates, scheinbar grundlos, die Exekutive vor der Haustüre stand, die Polizei war von der Würstelstandbetreiberin gerufen worden.

Seit dem Zerwürfnis sind die beiden sich nicht mehr begegnet, noch vor dem Ende der Verhandlung zahlte der Angeklagte im Gerichtssaal in St. Pölten einen Teil seiner Schulden bei der Würstelstandbetreiberin zurück. Er übergab der Frau 200 Euro in bar.

Das Gericht sprach den Mann von der Anklage frei.