Unterstützung für pflegende Angehörige. Roswitha Mottl bietet Hilfe für Menschen, die Alzheimer- und Demenzerkrankte daheim betreuen.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 09. November 2019 (04:27)
Schleifer-Höderl
„Oft wird darauf vergessen, dass nicht nur die Erkrankten leiden, sondern auch deren Angehörige“, sagt Roswitha Mottl.

Das Gefühl allein zu sein, niemanden zum Reden zu haben und nicht verstanden zu werden, ist für pflegende Angehörige ein großes Problem. „Ich war immer schon ein starker Mensch. Als bei meinem mittlerweile verstorbenen Mann 2008 Alzheimer diagnostiziert wurde, stand für mich fest, er bleibt bei mir daheim und ich übernehme seine Betreuung“, berichtet Roswitha Mottl, die ihren Gatten sieben Jahre lang pflegte.

Fünf Jahre davon war Herr Mottl bettlägerig und sprach nicht mehr. Die Kommunikation des Ehepaars geschah nonverbal mit Blicken und mit dem Herzen, wie Roswitha Mottl verrät. Rund um die Uhr, nur mit der Unterstützung des Hausarztes, war Frau Mottl von fünf Uhr in der Früh bis spät in der Nacht im Einsatz. Umbetten, füttern, die tägliche Hygiene und tausend andere Handgriffe standen an. Doch nie sei es für sie eine Pflicht gewesen. „Wissen Sie, ich sah es als gewonnene Zeit für mich und meinen Mann an. Wir hatten uns noch immer, allein das zählte.“

Eine große Stütze war für Roswitha Mottl in dieser Zeit die Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige von Menschen mit Alzheimer- und Demenzerkrankungen am Landesklinikum Mauer, der die St. Valentinerin 2011 beitrat. Im Jänner 2015 übernahm sie die Leitung der Gruppe. „Da wir allerdings auch hier im Raum St. Valentin einige pflegende Angehörige haben, für die es nicht immer einfach ist, regelmäßig an unseren Treffen teilzunehmen, habe ich mich dazu entschlossen auch eine dementsprechende Selbsthilfegruppe, gemeinsam mit der Trainerin und Sozialbetreuerin Heidi Amon zu initiieren“, erklärt Roswitha Mottl.

Zusätzliches Angebot nun in St. Valentin

Seit Kurzem gibt es nun somit auch die Möglichkeit für Angehörige aus dem westlichen Teil Niederösterreichs einer Gruppe beizuwohnen. „Uns ist es wichtig, den Angehörigen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Der Austausch mit Menschen in ähnlichen Situationen ist wichtig“, erklärt Mottl. Zugleich erhalten die Betroffenen Informationen, praktische Tipps und Hinweise zur Verbesserung der Lebensqualität der zu Pflegenden, aber auch für sich selbst.

Alzheimer- und Demenzerkrankungen häufen sich und werden auch als „Familienkrankheiten“ bezeichnet. Denn durch die massiven Persönlichkeitsveränderungen im Krankheitsverlauf treten nicht nur für die Betroffenen, sondern für die ganze Familie völlig neue, zum Teil nur sehr schwer zu bewältigende Situationen auf. „Man kann und soll nicht alles mit sich selbst ausmachen“, meint Roswitha Mottl, die aus Erfahrung spricht. „Oft wird darauf vergessen, dass nicht nur die Erkrankten leiden, sondern auch deren Angehörigen. Wir wollen hier unterstützen und helfend zur Seite stehen.“