Von der Bühne hinter die Kamera. Das Coronavirus zwang die Freaks aus St. Valentin zum Pausieren. O.C. Ono war auch beruflich betroffen und schuf sich nun als Videograf ein zweites Standbein.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:12)
Die Lust auf Auftritte und das damit verbundene Reisen ist bei den Freaks mittlerweile riesengroß. Auftritte in Dubai und Abu Dhabi fielen 2020 dem Coronavirus zum Opfer, Termine für das heurige Jahr gibt es derzeit auch noch keine.
Heemskerk

Die Mitglieder der Akrobatikgruppe „The Freaks“ waren vermutlich die ersten Österreicher, die die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren bekamen. Das Neujahrs-Festival in Hongkong von 25. bis 28. Jänner sollte für die Truppe das erste große Highlight des Jahres 2020 werden. Als bisher erste Gruppe überhaupt wurden die Mostviertler zum zweiten Mal hintereinander für das Riesenevent mit insgesamt 150.000 Zusehern gebucht. Als Headcoach O.C. Ono und sein Team nach fast 24-stündiger Reisezeit in Hongkong ankamen, war die Veranstaltung seit einer Stunde abgesagt. Der Grund dafür: das Coronavirus. Massenansammlungen sollten vermieden werden und der Veranstalter des Spektakels wollte kein Risiko eingehen.

Dass dies nicht die einzige Absage und vor allem die letzte große Reise im Jahr 2020 war, ahnte damals noch niemand. Dass das Virus den Alltag der Akrobaten noch völlig auf den Kopf stellen sollte, war ebenfalls nicht absehbar, aber wenige Wochen später Realität.

Alle Auftritte wurden ins Ungewisse verschoben

Nach einem kurzen Intermezzo im Sommer, in dem die Freaks zuerst kontaktlos und dann in Kleingruppen wieder trainieren durften, herrscht seit dem Herbst wieder Stille. „Wir hängen in der Luft. Wir trainieren indoor, sind eine Kontaktsportart und eine große Gruppe. Das macht es doppelt und dreifach schwierig“, schildert O.C. Ono. Obwohl die Truppe zwar weltweit gefragt ist, sind die Mitglieder keine Profis und somit nicht vom Trainingsverbot ausgenommen.

Mit der O.C. Ono Film Production baute sich der Headcoach der Freaks ein zweites Standbein auf. Das Unternehmen gründete der hauptberufliche Eventmanager im Sommer des Coronajahres.
privat

„Da wir in Richtung Leistungssportler gehen, gäbe es die Möglichkeit beim Verband anzufragen. Bedingung ist jedoch, jede Woche zu testen. Das ist bei einer Gruppe von 20 bis 25 Leuten ein großer Aufwand und auch mit Kosten verbunden“, erklärt Ono, warum man darauf verzichtet. Da die Teammitglieder nicht nur aus dem westlichen Niederösterreich kommen, sondern auch aus dem angrenzenden Oberösterreich, sei das Ansteckungsrisiko zudem zu groß. „Das steht nicht dafür, weil wir ja ohnehin keine Termine haben. Sämtliche Auftritte wurden ins Ungewisse verschoben“, erzählt Ono.

Die Akrobaten, die es gewohnt sind ständig zu reisen, mussten 2020 auf Auftritte in Dubai und Abu Dhabi sowie eine TV-Show in Paris verzichten. „Wir sind zuversichtlich, dass sich alles um ein Jahr verschiebt. Das Interesse ist ja da“, hofft Ono auf baldige Lockerungen. Bis dahin muss sich die Gruppe in Home-Workouts fit halten, was nicht optimal ist, wenn man bedenkt, dass es bei den Auftritten der Freaks vor allem auf Zusammenarbeit ankommt.

Nicht nur was seine Tätigkeit bei den Freaks betrifft, auch beruflich blieb bei O.C. Ono im Coronajahr kein Stein auf dem anderen. Als Eventmanager bei einer Linzer Eventagentur wurde er in Kurzarbeit geschickt. „Die Branche ist auch gerade tot“, war dem 35-Jährigen bald klar. Langweilig wurde dem St. Valentiner aber trotzdem nicht, denn mit dem Filmen hatte er bereits vor 15 Jahren eine weitere große Leidenschaft für sich entdeckt. „Ich habe schon bei den Freaks viel gefilmt und geschnitten. Im Sommer habe ich mich dann nebenberuflich selbstständig gemacht und mit der O.C. Ono Film Production mein eigenes Unternehmen gegründet“, verrät der Mostviertler.

Ono nutzte die Pandemie, um sich weiter zu entwickeln und ein zweites berufliches Standbein aufzubauen. Mit Erfolg. Imagefilme für Firmen, Sport-Events oder Hochzeiten sind die Spezialität des leidenschaftlichen Videografen, der mit seiner Kreativität zu überzeugen wusste. „Es läuft sehr gut. Den Leuten gefällt mein Stil. Ich habe viele Aufträge und es wären vermutlich noch mehr gewesen, wenn es mehr Hochzeiten gegeben hätte“, schmunzelt der ehemalige Stuntman, denn Angebote hatte Ono von Klagenfurt bis Kitzbühel.