„Wald-Freunde“: Czettel-Preis als Motivationsschub. „Freunde des Raader Waldes“ kämpfen in St. Valentin um ihr Naherholungsgebiet und wollen geplanten Wirtschaftspark verhindern.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 19. September 2017 (05:17)
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Die „Freunde des Raader Waldes“ kämpfen um die Erhaltung des Naherholungsgebietes im Raum St. Valentin, Ennsdorf und St. Pantaleon-Erla, das viele seltene und gefährdete Tierarten beheimatet.

Jede der über 160 Schmetterlingsarten, jede Fledermaus, jede Schlange und jede Gottesanbeterin, die sie zu Gesicht bekamen, haben die „Freunde des Raader Waldes“ in mühevoller Kleinarbeit genauestens dokumentiert.

Mit dem Ergebnis, dass sich in dem an das OMV-Tanklager angrenzenden Eichenwald nicht nur eine Vielzahl an Tieren tummelt, sondern sich darunter auch viele seltene und geschützte Arten befinden.

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Bürgerinitiativen-Sprecher Norbert Steinwendner, Ökologe Franz Essl und Biologe Harald Pfleger (von links) informierten über die Besonderheiten des Raader Waldes.

Diese Dokumentation bescherte der Bürgerinitiative nun eine Auszeichnung. Sie wurde mit dem Hans-Czettel-Förderungspreis für besondere Leistungen im Natur- und Umweltschutz in Niederösterreich bedacht. Überreicht wurde der Preis am vergangenen Mittwoch von Landesrat Maurice Androsch.

Auch wenn die Preisübergabe in einem Seminarraum der St. Valentiner Autobahnraststätte Landzeit nicht unbedingt in einem würdigen Rahmen über die Bühne ging, ist die Auszeichnung für die „Freunde des Raader Waldes“ eine gute Gelegenheit, um ihre Anliegen einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen. Und sie ist ein Motivationsschub.

„Der Preis ist ein Antrieb, der uns gewisse Ermüdungserscheinungen wegnimmt“, erklärt etwa Norbert Steinwender, der die Rolle des Sprechers der Bürgerinitiative übernommen hat. Die Dokumentationen über Flora und Fauna des Raader Waldes haben nämlich einen guten Grund: Man möchte einen geplanten Wirtschaftspark verhindern.

Raader Wald soll Naturdenkmal werden

Ende Juli 2015 wurden erste Pläne bekannt, dass die OMV ein Areal von 48 Hektar – davon 30 Hektar Wald – verkaufen möchte und dort ein Wirtschaftspark entstehen soll. „Das OMV-Lager sollte ursprünglich eine Raffinerie werden. Daher gibt es eine Widmung als Industriegebiet, die nie zurückgenommen wurde. Wenn die Widmung schon da ist, wird es schwierig werden, ein Industriegebiet zu verhindern“, gesteht Biologe Harald Pfleger.

Von einer in solchen Fällen vorgeschriebenen Ersatzaufforstung hält Pfleger jedenfalls rein gar nichts. „Dann hat man nur Bäume auf einem Acker, aber der Unterwuchs mit all den Tieren ist nicht da. Die Vorstellung, einen Wald wiederherzustellen, ist idiotisch. Das kann ich nicht anders formulieren“, spart Pfleger nicht mit deutlichen Worten.

„Wald ist nicht nur Holz, sondern er hat eine Funktion.“Norbert Steinwendner, Sprecher der Bürgerinitiative „Freunde des Raader Waldes“, über einen der Gründe, warum man das Naherholungsgebiet retten will

Einen ersten kleinen Erfolg durfte die Bürgerinitiative zu Beginn des Jahres feiern. Als Harvester auffuhren und erste Schlägerungen durchgeführt wurden, erwirkte man gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft und dem NÖ Umweltanwalt Tom Hansmann einen Stopp der Rodungen.

Zudem besteht ein weiterer Hoffnungsschimmer. Die Bürgerinitiative reichte einen Antrag ein, um aus dem Raader Wald ein „flächendeckendes Naturdenkmal“ zu machen. Eine Entscheidung soll es noch im September oder im Oktober geben. Ein Gegengutachten der OMV liegt auch vor.