Aufräumcoaching: Ordnung ist halbes Leben. Die Haagerin Andrea Auer ist Ordnungsberaterin für private Haushalte.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 23. Februar 2019 (06:17)
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Andrea Auer hat ihre Passion als Aufräumcoach und Ordnungsberaterin gefunden. Die Haagerin unterstützt all jene dabei, die Lust darauf haben, in ihren eigenen vier Wänden systematisch Ordnung, klare Strukturen und Arbeitsabläufe zu schaffen.
privat

„Ich habe schon im Kaufhaus meiner Eltern, Dirnberger’s Treff, immer gerne geschlichtet und geordnet“, berichtet die Haagerin Andrea Auer. „Das ist mir wohl geblieben!“ Nach der Absolvierung der HAS in Linz arbeitete die heute 48-Jährige im Betrieb ihrer Eltern mit, den sie schließlich übernahm und fünf Jahre lang weiterführte. 2002 übergab sie das Geschäft an einen Diskonter. „Denn da kam meine erste Tochter Caroline auf die Welt, zwei Jahre später Catharina und ich blieb bei den Mädels daheim.“

Fernsehbericht war der Auslöser

Doch vor zwei Jahren sah Andrea Auer im Fernsehen einen Bericht über die Wiener Ordnungsberaterin Katrin Misére und war sofort hellauf begeistert. „Ich bin von Sternzeichen Jungfrau und Ordnung sowie Aufräumen liegen mir somit im Blut. Vermutlich habe ich das von meinem Vater geerbt, der sogar seine Socken nach Farben sortiert. Ich beschloß gleich nach dem Fernsehbeitrag, mich kundig zu machen, und ebenfalls als Aufräumcoach zu arbeiten.“ Bei ihren Recherchen stieß die Mostviertlerin auf das deutsche Ordnungsportal www.ordnungsservice.com, nahm Kontakt auf und ist seit dem Frühjahr 2017 nun selbstständig im Bezirk Amstetten sowie in Steyr und im Raum Linz unterwegs, um Mitmenschen beim Ausmisten und Ordnungschaffen zur Seite zu stehen.

Andrea Auer folgt damit einem Trend der Japanerin Marie Kondo und ihrem Magic-Cleaning Konzept, das vor mittlerweile acht Jahren einen wahren Siegeszug um den gesamten Globus antrat. „Vor allem weil das Aufräumen und Ausmisten nicht nur den eigenen vier Wänden guttut, sondern auch einem selbst. Meine Kunden – von der Geschäftsfrau über die Künstlerin bis hin zur Pensionistin – bestätigen mir immer wieder, wie befreiend es doch ist, wenn man sich von längst nicht mehr benötigten Konsumgütern trennt. Es ist so ähnlich, wie alten Ballast über Bord zu werfen und in ein neues, strukturiertes und geordnetes Leben zu starten.“ Die sympathische Endvierzigerin hilft dabei, den richtigen Anfang zu finden, doch der ist alles andere als leicht. Denn wer trennt sich schon gerne von Dingen, die man einmal besitzt? Der entscheidendste und wohl schwerste Schritt ist es, die Handynummer der Ordnungsberaterin zu wählen. Wenn man den geschafft hat, sei schon viel getan. „Wie bei den meisten Veränderungen im Leben muss es auch hier im Kopf klick machen“, ist Andrea Auer überzeugt. „Sich dabei Hilfe von außen zu holen, ist nicht nur sinnvoll, sondern auch wichtig, um von einer neutralen Person unterstützt zu werden.“ Meistens beginnt der Schritt zur eigenen Wohlfühlordnung beim Kleiderschrank oder dem Schreibtisch. „Fakt ist, nichts, von dem man sich nicht trennen will, verschwindet oder kommt in den Müll. Alles, was der Kunde nicht mehr haben will, aber zu schade zum Wegwerfen ist, wird verwertet oder verschenkt. Da geht es auch um Nachhaltigkeit, denn die meisten Sachen sind durchaus noch für andere Menschen zu gebrauchen. Gemeinsam mit dem Kunden überlege ich dann, wem wir damit eine Freude bereiten können. Das reicht von Freunden bis hin zu Flohmärkten oder karitativen Institutionen.“

Gestartet wird mit einem kostenlosen Erstgespräch. „Gerne besuche ich meine Kunden daheim. Vor Ort besprechen wir, was sie sich wünschen und definieren die Arbeitsschritte sowie den voraussichtlichen Zeitaufwand. Dabei biete ich professionelle Unterstützung beim Aufräumen – einmalig, mehrmals oder regelmäßig.“ Am anschaulichsten und daher auch nachvollziehbar sei es, sich den individuellen Ist-Zustand wortwörtlich vor Augen zu führen. „Beim Durchforsten des Kleiderschranks werden daher alle Teile herausgenommen, um sich eine Übersicht zu verschaffen. Die meisten wissen nämlich gar nicht, was sie letztendlich alles haben. Da kommen dann Stücke zum Vorschein, die man oft schon monatelang nicht mehr in Händen hatte.“

95 Prozent der Kunden sind Frauen

Mit für den jeweiligen Kunden abgestimmten Aufbewahrungssystemen schafft Andrea Auer mit Ausdauer, Geduld, Sorgfalt und Diskretion wieder Ordnung. Dabei kommt der Spaß an der Sache natürlich nicht zu kurz. „Und vor allem das Gemeinsame, denn letztendlich muss der Kunde dann selbst damit zurechtkommen, um nicht wieder in das alte Schema zurückzufallen. Daher geht es um Übersicht, Freiraum, Zeit und Platz sowie darum, Klarheit zu erlangen, um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.“

Und was wünscht sich die Ordnungsberaterin für die Zukunft? „Mehr Männer als Kunden! Derzeit sind es nämlich zu 95 Prozent Frauen, die ein neues Wohlfühlgefühl in ihr Leben bringen wollen. Ich denke aber, auch Männer könnten davon profitieren.“