Maturareise: Schüler sollten 300 Euro zahlen. Maturareise-Veranstalter forderte Bargeld-Sponsoring retour. Nach Insolvenzantrag gab Masseverwalterin Maturanten recht.

Von Daniela Führer. Erstellt am 10. Juni 2020 (05:01)
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Die Partywoche fiel coronabedingt ins Wasser und obendrein flatterte den Haager Maturanten dann noch die Forderung nach einer Sponsorgeldrückzahlung ins Haus.
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Die Maturanten der HLW Haag staunten nicht schlecht, als ihnen vor rund zwei Wochen ein Schreiben von der Firma Splashline, über die sie ihre Maturareise „Summer Splash“ gebucht hatten, zugestellt wurde. Darin enthalten: die Aufforderung, 300 Euro an das Unternehmen zurückzuzahlen.

„Jenes Geld, das sie uns als Bargeld-Sponsoring für unseren Schulball überwiesen haben“, erklärt Klassensprecher und Mitglied des Ballkomitees, Markus Popp. Mit dem Geld verbunden war die Bedingung, dass mindestens 30 Schüler an der Maturareise „Summer Splash“ teilnehmen würden, was so auch geplant war. Die Reise wurde jedoch coronabedingt bereits vor Längerem abgesagt.

Klassensprecher ging zur Anwaltskammer

Für die Maturanten war aber klar: Die Forderung zahlen sie nicht. „Nicht wir haben die Maturareise abgesagt, sondern Splashline. Und wir haben für sie ja auch Werbung bei unserem Ball gemacht. Daher habe ich daraufhin auch beim Konsumentenschutz nachgefragt und eine kostenlose Erstberatung der Anwaltskammer in Anspruch genommen.

Da wurde mir immer gesagt, dass bei unvorhersehbaren Ereignissen wie dem Coronavirus, Vereinbarungen in solchen Fällen null und nichtig sind“, erklärt Markus Popp weiter. Daher habe er auch schriftlich an das zwischenzeitlich insolvent erklärte Unternehmen Splashline eine Absage zu der 300-Euro-Forderung übermittelt. „ Ich glaube persönlich aber schon, dass andere Schulen, die wahrscheinlich ähnliche Forderungen bekommen haben, diese womöglich gezahlt haben“, gibt er zu bedenken.

Masseverwalterin: „Brauchen nicht zahlen“

Die Firma betonte wiederum, dass jeder Schüler die Anzahlung für die Reise zurückbekomme. Unabhängig davon sei jedoch das Bargeldsponsoring an einen Sponsoring-Vertrag gebunden gewesen, der nicht erfüllt werden konnte. Daher sehe man sich schon im Recht, das Geld zurückzufordern, erklärte eine Sprecherin von Splashline gegenüber der NÖN. „Es mag sein, dass das die Insolvenzverwalterin anders sieht. Es liegt jetzt auch nicht mehr in unserer Hand. Das entscheidet die Masseverwaltung“, sagte sie weiter und betonte auch: „Wir meinen das auch wirklich nicht böse. Es ist einfach eine blöde Situation. Weder wir noch die Maturanten können etwas dafür, dass die Reise nicht stattfinden kann.“

Die NÖN fragte bei Masseverwalterin, Rechtsanwältin Susi Pariasek in Wien an, was auf die Maturanten zukommen könnte. Sie gab den Haager Maturanten recht und stellte klar: „Jene Maturaklassen, die den Ball bereits veranstaltet und somit den Sponsoringbetrag verbraucht haben, müssen diesen nicht zurückbezahlen. In Fällen, wo der Maturaball nicht mehr stattfinden konnte, ist der Geldbetrag zurückzubezahlen. Allfällige Gutscheine haben infolge der Insolvenz ohnedies ihren Wert verloren.“

Übrigens wären auch vom Stiftsgymnasium Seitenstetten einige Maturanten zum „Summer Splash“ gefahren. „Wir versuchen aber meistens, ein solches Sponsoring zu vermeiden, damit sich die Schüler nicht in eine Abhängigkeit begeben. Auch die heurigen Maturanten haben darauf verzichtet, deswegen hatten wir dieses Problem nicht“, berichtet Direktor Markus Berger.