Bürgerinitiative rief zur Demo gegen Handymast auf. Haager protestierten gegen die Pläne der ÖBB, die in der Nähe von Freizeiteinrichtungen einen Handymast errichten will.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 13. August 2019 (05:00)
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Das Fundament für den 30 Meter hohen Handymast wurde bereits im Vorjahr betoniert. Direkt davor stellte die Bürgerinitiative rund um Sprecherin Petra Königshofer ihre Transparente auf.

30 Meter hoch und mit allen am heimischen Markt agierenden Mobilfunk-Netzbetreibern bestückt werden soll jener Handymast, den die ÖBB in der Nähe der Haager Freizeiteinrichtungen plant.

Seit dem Vorjahr versucht die Bürgerinitiative „HaagGegenMast“ diese Anlage zu verhindern. Sie startete eine erfolgreiche Unterschriftenaktion, die 1.200 Haager unterzeichneten, und rief für Dienstagfrüh zu einer Demonstration auf.

Rund 60 Menschen – darunter auch zahlreiche Oberösterreicher, die in Enns und Nettingsdorf gegen ähnliche ÖBB-Projekte kämpfen – waren gekommen. Die für diesen Tag erwarteten Arbeiten am Mast fanden aber nicht statt. „Die ÖBB ist nicht da, was mich sehr entspannt. So habe ich immer noch die Hoffnung, dass der Mast eventuell doch nicht kommt“, erklärte Petra Königshofer, die Sprecherin der Bürgerinitiative, in ihrer Rede.

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Ein Mahnmal erinnerte an die 1.200 Unterschriften gegen den Handymast.

Eine Hoffnung, die sich wohl nicht erfüllen wird, denn die ÖBB verbessert im Auftrag des BMVIT im Rahmen des Programms Mobilfunk die Mobilfunkversorgung im Zug. Rund 1.500 Kilometer des heimischen Eisenbahnnetzes sollen dabei ausgerüstet werden.

„Die Baumaßnahmen in Haag wurden durch das BMVIT als Eisenbahnanlage genehmigt und wurden mit der Naturschutzbehörde des Landes NÖ abgestimmt. Die Antennen werden nur entlang der Bahnstrecke ausgerichtet“, stellt ÖBB-Pressesprecher Karl Leitner klar. Das kann die Bürgerinitiative so nicht ganz glauben, denn „die Bahn macht in dem Bereich eine 90 Grad-Kurve. Das gerade Schienenstück links und rechts vom Sender ist nur rund 700 Meter lang. Dafür so viel Aufwand zu betreiben, ist nicht glaubwürdig“, gibt Königshofer zu bedenken.

„Das gerade Schienenstück links und rechts vom Sender ist nur rund 700 Meter lang. Dafür so viel Aufwand zu betreiben, ist nicht glaubwürdig.“Petra Königshofer, Sprecherin der Bürgerinitiative

Abgesehen davon, dass ihrer Meinung nach „die großen Konzerne tun, was sie wollen“ und den Mast ohne Bauverhandlung errichten dürfen, ärgert die Bürgerinitiative, dass gesundheitliche Folgen durch den Mobilfunk mehr oder weniger ignoriert werden. „Es darf nicht nur auf die Techniker gehört werden, sondern auch auf die Mediziner, die mit ihrer Messtechnik Veränderungen im Hormonsystem, im Nervensystem, in der Zelle und der DNA feststellen können“, warnt Königshofer.

Dass man die Sorgen der Haager nicht ernst nehme, lässt die ÖBB nicht gelten. „Wir waren deshalb bereits mehrmals in Haag, um die besorgten Bürger aufzuklären. Ebenso wurden mehrere Anfragen dazu schriftlich beantwortet. Es handelt sich bei den ,Sorgen‘ großteils um falsche Informationen, die im Zusammenhang mit Mobilfunk verbreitet werden. Diese haben wir versucht richtigzustellen. Wir werden hier eine Anlage errichten, die genehmigt ist und bei der alle Grenzwerte eingehalten werden“, teilt ÖBB-Pressesprecher Leitner mit.

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Bürgermeister Lukas Michlmayr verkürzte seinen Urlaub, um bei der Demo dabei sein zu können.

Dass man gegen den ÖBB-Mast als Gemeinde keinerlei Handhabe habe, betonte Bürgermeister Lukas Michlmayr bei der Demonstration, für die er extra seinen Urlaub um einen Tag verkürzte. „Wir haben alles geprüft. Da war leider nichts möglich. Das ist rechtlich in Ordnung“, sagte der Ortschef, der sich erst vor Kurzem ein Haus kaufte, das von der künftigen Sendeanlage nur 250 Meter entfernt ist.

Dass man auch selbst etwas zur Verminderung der Strahlung beitragen könne und müsse, hat Michlmayr im Laufe der Diskussion um den Mast jedenfalls gelernt. „Mein Handy liegt jetzt nicht mehr am Nachtkastl und ist im Flugmodus.“