Neue Herausforderung: Brauerei im Vierkanthof. Sie waren erfolgreiche Maschinenbauingenieure bei der Voest, aber nun wollen sich Manuela Engelbrecht und Michael Just als Bierbrauer selbst verwirklichen.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 27. August 2020 (05:45)
Bürgermeister Lukas Michlmayr (1. von rechts) und Betriebsansiedelungs-Stadtrat Christian Marquart (2. von links) statteten den künftigen Braumeistern Manuela Engelbrecht und Michael Just in der Vorwoche einen Besuch auf ihrem Hof in Schudutz ab. Noch ist der ehemalige Kuhstall, in dem die Brauerei untergebracht sein wird, eine Baustelle. Die erste Charge des Braugut-Bieres soll aber bereits im November gebraut werden.
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Dass in Haag hervorragender Most und Schnaps produziert wird, ist kein großes Geheimnis. Dass es künftig auch in Haag gebrautes Bier geben wird, ist hingegen aber neu. „Je nach Baufortschritt werden wir die erste Charge im November brauen. Das erste Bier, das mit Freunden verkostet wird, gibt es dann im Dezember und nächstes Jahr starten wir so richtig“, erklärt Manuela Engelbrecht den Zeitplan der Braugut GmbH.

Gemeinsam mit ihrem Mann Michael Just zog sie im Jahr 2007 nach Haag, wo sich das Paar einen Vierkanter in Schudutz kaufte. Beruflich waren die beiden damals erfolgreiche Maschinenbauingenieure bei der Voest, die auch eine Baustelle in Texas betreuten. „Die Tätigkeit als Ingenieure war interessant, aber sie hat uns nicht erfüllt. Wir wollten etwas machen, was mehr Freude bringt“, erklären die beiden, warum sie im Jahr 2016 aus dem Unternehmen ausstiegen.

In den nächsten Jahren bereisten sie die Welt per Boot. Als „Horizonterweiterung“, wie Michael Just betont, der als Endvierziger bei sich auch eine Midlife Crisis ortete. Die Idee, sich mit einer eigenen Brauerei selbst zu verwirklichen, nahm da immer konkretere Formen an. Schließlich hat die Bierbrauerei bei der ursprünglich aus der Oberpfalz stammenden Manuela Engelbrecht eine jahrhundertelange Tradition. „Ich war schon als Kind immer im Brauhaus, ich bin damit aufgewachsen“, schildert die künftige Braumeisterin.

„Die Tätigkeit als Ingenieure war interessant, aber sie hat uns nicht erfüllt.“ Manuela Engelbrecht und Michael Just über den Grund, warum sie ihre guten Jobs bei der Voest quittierten und nun unter die Bierbrauer gehen

Obwohl man alle Möglichkeiten im Businessplan verankert hat, will man bedächtig ins Biergeschäft starten. Zwei bis drei Sorten (Pils, Märzen und Zwickl) sind für den Anfang geplant. Über die Jahre soll das Angebot dann um Spezialbiere erweitert werden. „Unser Bier soll bodenständig und süffig sein. Wir wollen damit nicht auf den Großmarkt, sondern unsere Zielgruppe ist eine regionale Stammkundschaft, die sich darauf verlassen kann, dass das Bier schmeckt und sie es sich bei uns holen kann“, umreißen Engelbrecht und Just ihre Pläne für die Braugut GmbH.

Auch einen Onlineshop wird es nicht geben, da die Einhaltung der Kühlkette beim Verschicken problematisch werden könnte. Daher will man die künftigen Kunden mit Ab-Hof-Verkauf und Verkostungen am Hof für sich gewinnen. Besonders wichtig ist den beiden die Verwendung von Naturprodukten. „Jetzt haben wir den Hopfen noch zugekauft, aber später wollen wir ihn auch selber anbauen. Das Klima passt dafür“, erzählt Manuela Engelbrecht.

Noch ist der ehemalige Kuhstall, der zur Brauerei umfunktioniert wird, eine große Baustelle, auf der fleißig gearbeitet wird. Die Anlage, die gebraucht von der Braugut GmbH gekauft wurde und deren Name man auch gleich mitübernommen hat, wartet aber schon auf ihren Einsatz. Die Flaschen und die dazugehörigen Kisten existieren ebenfalls schon.