Unwissend Autos gekauft: 31-Jähriger vor Gericht

Ein 31-Jähriger soll die schlechten Deutschkenntnisse eines anderen ausgenutzt und ihn dazu gebracht haben, Kaufverträge für mehrere Autos zu unterschreiben: Freispruch.

Erstellt am 20. Januar 2021 | 04:44
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Foto: CHITANONT/Shutterstock.com

Weil er in Konkurs war, bat ein 31-jähriger Betriebsstellenleiter seinen damaligen Mitarbeiter, an seiner statt einen Skoda zu kaufen. Der Mitarbeiter tut das auch und unterschreibt den Kaufvertrag und eine Versicherung. Auch eine Reparaturrechnung für das Auto geht auf ihn.

Das war so aber nicht ausgemacht, sagt der Mitarbeiter vor Gericht, der auch die ersten Leasingraten für das Auto zahlen soll. „Er hat nie gesagt, dass ich das Auto für ihn kaufen soll. Er hat gefragt, ob ich für ihn bürge, weil er den Skoda nicht allein kaufen kann“, sagt der Geschädigte.

„Wir haben nie von einer Bürgschaft geredet“, sagt hingegen der Angeklagte. „Ich habe ihm auch während des Kaufs alles übersetzt.“ Denn der Mitarbeiter spricht nur Rumänisch und versteht kaum Deutsch. Der Verdacht einer Täuschung ist naheliegend.

„Er hat nie gesagt, dass ich das Auto für ihn kaufen soll. Er hat gefragt, ob ich für ihn bürge.“ Der Geschädigte, der unwissend zwei Autos gekauft hat.

Einige Monate später hätte der 31-Jährige dann doch lieber einen BMW, sein „Traumauto“, wie er sagt. Der Skoda kommt weg und auch für den Kauf dieses neuen Autos unterschreibt wieder der Mitarbeiter sowie für eine passende Versicherung. Auch hier denkt er, er ist nur Bürge. Er habe dem 31-Jährigen helfen wollen, da dieser ihm zuvor geholfen habe, Arbeit zu finden und ein Auto für sich selbst zu kaufen, sagt der ehemalige Mitarbeiter.

„Der Geschädigte stellt sich als naiv dar. Als Bürge unterschreibe ich doch nicht immer wieder Unmengen an Verträgen“, wettert der Verteidiger bei seinem Schlussvortrag. Es steht Aussage gegen Aussage. „Es hat schon den Anschein, dass der Angeklagte den Geschädigten getäuscht hat und der Geschädigte war nicht unglaubwürdig“, sagt die Richterin.

Den Worten des Verteidigers kann sie aber etwas abgewinnen. Auch der Autoverkäufer und eine Mitarbeiterin von der Zulassungsstelle sind sich vor Gericht sicher, dass alles mit rechten Dingen zuging – obwohl keiner von beiden Rumänisch spricht. „Verstehst du?“ habe der Autoverkäufer während des Verkaufsgesprächs mehrmals gesagt, der Geschädigte habe mit Ja geantwortet. Die Richterin spricht den Angeklagten frei. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.