Bischofsvikar Reitzinger wird 50: „Zahlen lügen nicht“. Bischofsvikar Gerhard Reitzinger feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Für ihn ein Anlass zum Reflektieren.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 07. April 2018 (05:59)
Doris Schleifer-Höderl
Gerhard Reitzinger ist seit 2008 als Bischofsvikar für pastorale Dienste zuständig. An seine Zeit am Stiftsgymnasium Seitenstetten denkt er noch heute gerne. Doris Schleifer-Höderl

„Ich war eigentlich kein besonders guter Schüler, hatte aber auch keine großen Schwierigkeiten“, meint der Haager Gerhard Reitzinger schmunzelnd.

Der 1968 geborene Mostviertler war damals im Stiftsgymnasium auch im Internat und schätzte vor allem die Gemeinschaft untereinander, die er noch heute als sehr bereichernd empfindet. „Freilich gab es da auch Herausforderungen, aber die gehören nun einmal zum Leben dazu. Besonders gefallen hat mir, dass es ein echtes Miteinander gab.“

War damals Schüler im Stiftsgymnasium

Seitenstetten sei prägend für ihn gewesen, berichtet Reitzinger. Die Jahrgangstreffen finden immer noch statt und man nehme sich auch über die Sozialen Medien wahr. Unmittelbaren Kontakt habe er natürlich zu Weihbischof Anton Leichtfried, der allerdings jahrgangsmäßig eine Klasse über ihm war. Durch gute Gespräche, dementsprechende Begleitung sowie Unterstützung merkte Gerhard Reitzinger letztendlich, dass ihn Seelsorge sehr interessierte und Priester eine Berufung für ihn darstellte.

Der Bischofsvikar besuchte das bischöfliche Seminar Marianum Seitenstetten. Anschließend studierte er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in St. Pölten Theologie und schloss die fachtheologische Studienrichtung mit der zweiten Diplomprüfung ab. Danach unterrichtete Gerhard Reitzinger Religion in Pöchlarn und arbeitete in der Pfarre mit.

„Denn Glauben kann man nicht mit erhobenem Zeigefinger weitergeben.“Begründet Bischofsvikar Gerhard Reitzinger nötige Maßnahmen für die Zukunft

1995 wurde er zum Priester geweiht und war anschließend Kaplan in Pöchlarn und Scheibbs. Von 1999 bis 2003 absolvierte Reitzinger an der Universität im Breisgau das Doktorratsstudium in Pastoraltheologie und war danach in der Dompfarre St. Pölten tätig. Seit 2006 ist Reitzinger Leiter der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ und seit 1. September 2008 Bischofsvikar für Pastorale Dienste.

Gerhard Reitzinger ist es ein Anliegen, Religion und Kirche besonders im Kontext der Neuzeit zu sehen. „Wir müssen darauf schauen, wo wir die Menschen abholen müssen. Alles im Leben ist Weiterentwicklung, so auch das Christentum. Ich denke, hier genau hinzuhören, Zusammenhänge, die die Menschheit durch technische Errungenschaften in enormer Geschwindigkeit erfährt, zu erkennen, ist Gebot der Stunde. Daher bin ich auch auf Facebook anzutreffen. Denn Glauben kann man nicht mit erhobenem Zeigefinger weitergeben.“

Seit 2008 Bischofsvikar für Pastorale Dienste

Auf die Frage, wo Gerhard Reitzinger Kraft für seine verantwortungsvolle Tätigkeit findet, meint er lächelnd: „Ich bin gerne in der Natur, gehe spazieren und wandern, besonders gerne in die Berge. Und ich habe auch das Entschleunigen für mich entdeckt. Eine herrliche Sache, wie etwa jetzt bei einem Gespräch und einem Kaffee.“

Angesprochen auf seinen 50. Geburtstag in diesem Jahr meint Reitzinger abschließend: „Zahlen lügen nicht, sie schweigen! Für mich ist dieser Tag Anlass, dankbar zurückzuschauen, aber von großen persönlichen Feierlichkeiten halte ich nichts.“ Und was er dazu sagt, dass er als Nachfolger von Bischof Klaus Küng genannt wird. „Gar nichts, wenn ich ehrlich bin!“