20 Jahre Jahrhunderthochwasser: Als die Au unterging

Erstellt am 17. August 2022 | 04:08
Lesezeit: 4 Min
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Das Hochwasser 2002 sprengte in der Strengberger Au alle Rekorde, führte zu unzähligen Absiedlungen. Sehr schade ist es, wie Hinterholzer und Vösenhuber erklären, um die starke Auer Dorfgemeinschaft. Dass die Absiedlung dennoch die richtige Entscheidung war, daran besteht für sie aber kein Zweifel.
Foto: Führer
Altbürgermeister Ernst Vösenhuber und Abgeordnete Michaela Hinterholzer blicken auf das Jahrhunderthochwasser in der Au.
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Heuer jährt sich zum 20. Mal das Jahrhunderthochwasser, das in der Au eine Spur der Verwüstung zog. Und zu zahlreichen Absiedlungen führte. „Es war dramatisch. Am 13. August haben wir nach den Prognosen damit begonnen, die Häuser zu evakuieren und das Vieh abzutransportieren. Nur drei Familien sind geblieben, die dann am Dachboden ausgeharrt haben“, erinnern sich Altbürgermeister Ernst Vösenhuber, damals Ortschef, und Michaela Hinterholzer, bereits damals Landtagsabgeordnete. Nur dank großer Hilfsbereitschaft habe man rechtzeitig viele tausende Tiere wie Schweine oder Hühner und auch wichtige Gegenstände retten können.

Denn es folgten schlimme Stunden. Das Wasser stieg und stieg, oftmals in den ersten Stock. Deutlich höher, als noch 1954 beim letzten verheerenden Hochwasser, das zuvor als Richtwert gegolten hatte. „Nicht unspannend ist auch, dass wir schon im März 2002 aufgrund von Hochwassergefahr beinahe evakuiert hätten. Da ist es sich dann aber noch äußerst knapp ausgegangen. Hätten wir aber evakuiert, dann hätten viele die Warnungen im August vielleicht weniger ernst genommen und das abgelehnt“, schildert Vösenhuber. Die Folgen wären dann wohl noch schlimmer gewesen.

Der 15. August 2002 war der dramatischste Tag meiner politischen Laufbahn.“ Michaela Hinterholzer Landtagsabgeordnete

Freilich – die Tage, nachdem das Wasser wieder weg war, zeigten auch so ein erschütterndes Bild. Meterhoher Schlamm, zerstörte Einrichtung, unzählige verlorene Gegenstände. Persönlich betroffen war auch Bürgermeister Ernst Vösenhuber selbst. „Bei mir stand das Wasser bis in den ersten Stock, es war alles kaputt. Da auch die Geburtsurkunde weg war, habe ich mir gesagt, ich fange jetzt ein neues Leben an“, erinnert sich Vösenhuber, der gerade in dieser Zeit unglaublich gefordert war und unter Druck stand.

Beleidigungen infolge der Katastrophe

Nicht nur aufgrund der Schäden im eigenen Haus, sondern auch als Ortschef, der sich bei den Nachwehen der Katastrophe auch Beleidigungen anhören hat müssen. „Im Zuge der Absiedlung, an der auch ich teilnahm, wurde ich als ‚Verräter‘ am Ortsteil Au bezeichnet. Ein anderer hat gemeint, er könne einfach an anderer Stelle in Strengberg, wo er einen Grund hatte, sein neues Haus bauen. Nachdem ich ihm erklärt hatte, dass es dafür eine Widmung braucht, wurde versucht, bei höheren Stellen politischen Druck zu erzeugen. Bauen konnte er natürlich trotzdem nicht“, schildert Vösenhuber. So mancher Absiedler habe jedoch später, etwa nach dem Hochwasser 2013, ihm gegenüber doch noch beteuert, dass die Absiedelung der einzig richtige Weg gewesen sei.

Für Vösenhubers damaliges Wirken zollt ihm Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer großen Respekt: „Ernst hat damals wirklich Unglaubliches geleistet für seine Gemeinde und für die Bürger.“

Aufgrund der Hochwassergefahr wurden knapp über 60 Häuser abgesiedelt. Aufgrund eines 1999 erfolgten Landtagsbeschlusses erhielten die Absiedler aus den gefährdeten Gebieten in Strengberg, Wallsee oder Ardagger dafür 80 Prozent des Zeitwertes aus öffentlicher Hand. Das Land stellte damals 20 Millionen Euro zur Verfügung. Hilfe beim Neubeginn erhielten die Betroffenen dabei nicht nur durch zahlreiche Helfer beim Aufräumen, sondern auch durch eine große Spendenbereitschaft. „Die Hilfe, die war schon ein Wahnsinn. Organisationen wie die Feuerwehr und alle Helfer haben Unglaubliches geleistet, auch die Politik. Das Ganze hat vielen viel Kraft gegeben“, weiß Vösenhuber. Hinterholzer verweist auf die enorme Spendenbereitschaft damals. Das Hilfswerk sammelte zum Beispiel 170.000 Euro, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen.

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