20 Jahre Jahrhunderthochwasser: „Die Ruhe ist eine Sensation“

Erstellt am 17. August 2022 | 02:13
Lesezeit: 3 Min
Zwei Wohnhäuser stehen heute noch in der Au. Eines davon gehört Gerhard Puffer.
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Dreieinhalb Meter war das Wasser beim Jahrhunderthochwasser Mitte August 2002 in Gerhard Puffers Haus hoch. Die Zwischendecke war abgesoffen und auch der erste Stock des 1837 erbauten Hauses stand einen halben Meter unter Wasser. „Das war brutal. Da war schon viel kaputt“, erinnert sich der 66-jährige gebürtige Oberösterreicher, der das Haus 1997 erworben hatte. Die Au verlassen hat der Unternehmer trotz eines weiteren Hochwassers im Jahr 2013 aber nicht. Und diese Entscheidung hat er bis heute nicht bereut.

Warum er im Gegensatz zu fast allen Au-Bewohnern nicht aussiedelte, hatte für Gerhard Puffer vor allem zwei Gründe. Da war zum einen der finanzielle Aspekt. Wer sich bereits nach dem Hochwasser im Jahr 1991 entschieden hatte, auszusiedeln, bekam ein großzügiges Angebot mit 80 Prozent vom Schätzwert des Hauses. Entschied man sich erst nach 2002, gab es, so Puffer, diverse Abzüge. Auch der Abriss hätte sich noch mit rund 45.000 Euro zu Buche geschlagen.

Natur pur im „gelobten Land“

„Mir wären rund 210.000 Euro geblieben. Da kannst du dir einen Grund kaufen und einen Keller machen, aber das war es dann“, betont Puffer. Das Haus, in dessen Sanierung er nach seinem Einzug viel Geld gesteckt hatte, sei einfach mehr wert gewesen. „Wenn man gerade sein eigenes Unternehmen aufbaut, rechnet man da anders“, begründet Puffer, warum er das Angebot nicht annahm.

Mindestens genauso entscheidend wie die Finanzen war aber die Au an sich. „Ich wohne im gelobten Land. Die Ruhe ist eine Sensation“, schwärmt Puffer. Es gibt keine direkten Nachbarn und auch keine Straße, die an seinem Haus vorbeiführt. Außerdem herrscht absolutes Bauverbot. Rund um Puffers Haus ist nur Natur und auch sein Garten ist ein grünes Paradies, in dem Apfel-, Kirschen- und Nussbäume prächtig gedeihen und auch Marillen und Weintrauben wachsen. „Ich fühle mich da extrem wohl. Es hat einen eigenen Inselcharakter.“

Keine Angst vor einem weiteren Hochwasser

Angst vor einem weiteren Hochwasser, das nach dem bisherigen elf-Jahres-Rhythmus für 2024 prognostiziert wäre, hat der Unternehmer, der Notstromgeneratoren und Notstromaggregate erzeugt und vertreibt, nicht. „Es ist ja nicht so wie in den Gebirgstälern, dass eine Mure das halbe Haus wegreißt. Hier kommt das Wasser langsam. Man hat einen Tag Zeit zum Wegräumen und ist danach eine Woche massiv beschäftigt“, hat ein Hochwasser für Puffer den großen Schrecken verloren. Teuer eingerichtet sei er im Erdgeschoß ohnehin nicht mehr und die Wohnräume befinden sich im oberen Teil des Hauses.

Und sollte das Wasser doch wieder kommen? „Dann werden die Sachen rauf- und weggeräumt und die Heizung dicht gemacht. Dann fahre ich fort und schaue von oben zu, wie das Wasser kommt. Ein bisschen Nerven muss man da schon haben“, räumt Gerhard Puffer ein. Nerven, die die anderen Au-Bewohner nach dem Jahrhunderthochwasser vor 20 Jahren nicht mehr hatten.

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