Bruckner & Schatzl: "Mehr Sorgen gemacht als notwendig“. Johann Bruckner und Lukas Schatzl über ihre ersten drei Monate als Bürgermeister und Vizebürgermeister, ihren Umgang mit der Coronakrise und ihre Pläne für Strengberg.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 27. Mai 2020 (04:56)
Ihre ersten drei Monate als Bürgermeister und Vizebürgermeister waren für Johann Bruckner (links) und Lukas Schatzl (beide ÖVP) durch die Coronakrise geprägt. Plexiglaswände und Ständer mit Desinfektionsmittel gehören im Strengberger Gemeindeamt mittlerweile natürlich auch zur Standardausrüstung.
Vogl

NÖN: Sie stehen seit drei Monaten an der Spitze der Gemeinde. Was von dem, was Sie sich für Ihre ersten 100 Tage vorgenommen haben, konnte trotz Ausnahmezustand durch die Coronakrise umgesetzt werden?

Johann Bruckner: Wir sind eigentlich in der Zeit. Die Projekte, die wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben, sind alle im Laufen. Das Einzige, das uns derzeit ein wenig einbremst, ist die finanzielle Situation. Man hat es im Mai schon bei den Ertragsanteilen gesehen, wo wir Einbußen von 25 bis 30 Prozent im Monat haben. Unsere Amtsleiterin geht mit 1. November in Pension. Coronabedingt haben wir es da jetzt noch nicht geschafft, die ganzen Übergaben zu machen. Aber wir werden es hinbringen, dass alles in geordneten Bahnen verläuft.

Lukas Schatzl: Natürlich hätte ich mir das Jahr am Anfang etwas anders vorgestellt. Aber solche Krisen fordern und man lernt nie aus. Die Arbeit ist ja im Hintergrund nie stillgestanden. Ich bin jedenfalls gut angekommen in dem Amt. Es war eine interessante Zeit und ich glaube, das wird in Zukunft auch so bleiben.

Bruckner: Wir sind ja im Wahlkampf unter anderem mit dem Thema Bürgernähe angetreten. Da hat es uns jetzt ein wenig zurückgeworfen. Es war der Bürgermeisterstammtisch noch nicht möglich, wenn die Wirte nicht offen haben. Gratulationsfeiern und die Ehrung verdienter Strengberger haben auch nicht stattfinden können.

Mit zwei positiv getesteten Personen ist Strengberg ja sehr glimpflich davongekommen. Gab es trotzdem besondere Herausforderungen in der Coronazeit?

Bruckner: Die größte Herausforderung war eigentlich die Personalsituation und die ganze Abwicklung im Bereich Schulen und Kindergärten. Alles andere war bei uns nicht wirklich so schlimm. Wir haben dafür gesorgt, dass wir jederzeit mit einer vollen Mannschaft parat gestanden wären, wenn etwas passiert. Wir hätten genug Leute gehabt, um die Bürger mit Hilfsdiensten zu versorgen, aber auch das haben wir nicht gebraucht. Wir waren organisatorisch gut aufgestellt und haben uns mehr Sorgen gemacht, als eigentlich notwendig war. Ein Dankeschön an die Disziplin unserer Gemeindebürger und alle, die in der Krise mit ihrer Arbeit dafür gesorgt haben, dass wir bisher gut durchgekommen sind.

Schatzl: Was mir besonders aufgefallen ist, war das Thema Kommunikation. Bei mir hat oft noch spät am Abend das Telefon geläutet, wo Leute wegen einer meist belanglosen Frage, die die Gemeinde betrifft, angerufen haben, die meist schnell erklärt war. Und dann merkt man, dass es ihnen eigentlich um ganz etwas anderes geht. Es waren oft ältere Leute, die einfach jemanden zum Reden gebraucht haben. Irgendwie bin ich da in eine Art Hobbyseelsorgerrolle geschlüpft und ich hoffe, ich habe den Leuten helfen können.

Ab wann wird in der Gemeinde wieder jene Normalität einkehren, bei der es auch Veranstaltungen und Feste gibt?

Bruckner: Derzeit sind alle Veranstaltungen abgesagt und ich gehe davon aus, dass es frühestens im Herbst wieder zu Veranstaltungen kommen wird. Ich glaube auch, dass das Starten schwierig sein wird, weil die Leute jetzt schon daran gewöhnt sind, dass sie am Abend keine Termine haben und deshalb auch nichts zusammenbricht.

Schatzl: Es könnte schwierig werden, die Leute zu motivieren, wieder das Haus zu verlassen. Dass bei Festen wieder ein Zelt voll ist, wird wohl noch einige Zeit dauern.

Wie sieht es mit Ferienspielen aus? Finden die statt?

Bruckner: Wir haben die Ferienspiele noch nicht fix abgesagt, aber der Grundtenor ist eher, dass sie nicht stattfinden werden. Bei den Beschränkungen macht es ja auch keinen Spaß. Was die Ferienbetreuung in den drei Wochen, in denen der Kindergarten geschlossen ist, betrifft, werden wir Anfang Juni eine Erhebung durchführen, ob Bedarf besteht oder nicht. Wenn Bedarf da ist, werden wir das mit eigenen Kräften oder mit Hilfe des Familienlandes NÖ bewerkstelligen.

Bestimmendes Thema in den letzten Jahren war die Wasserknappheit in der Gemeinde. Wäre ein trockenes Frühjahr wie das heurige ohne neuem Brunnen, der seit Februar in Betrieb ist, wieder bedrohlich gewesen?

Bruckner: Das wäre nicht bedrohlich gewesen, sondern das hätten wir nicht geschafft. Wenn es kein technisches Gebrechen gibt, ist das Problem mit der Wasserknappheit jetzt mit dem neuen Brunnen aber erledigt. Das ist sehr beruhigend. Wir verlassen uns auch nicht nur auf den neuen Brunnen. Die bestehenden Brunnen sind ja weiterhin im Betrieb dazu geschaltet. Außerdem sind wir bestrebt, weiterhin möglichst viele Hausbrunnen an die Ortswasserleitung anzuschließen.

Schatzl: Es ist selten, dass eine Gemeinde gelobt wird, aber von den Bürgern hört man schon, dass sie froh sind, dass die Wasserversorgung sichergestellt ist.

Die Wasserproblematik hat Ihre Vorgänger über Jahre beschäftigt. Gibt es ähnlich große Projekte, die diese Periode bestimmen werden?

Bruckner: Das wird das Thema Wohnbau sein. Wir haben derzeit fast keine Wohnungen für junge Familien. Da müssen wir etwas tun. Wir werden sowohl großvolumigen Wohnbau brauchen als auch weiterhin unsere Familienhäuser.

Mehr junge Familien bedeutet auch mehr Kinder. Wäre dann beim Kindergarten oder den Schulen auch Handlungsbedarf?

Bruckner: Nein. Wir haben derzeit vier Kindergartengruppen, aber den Platz für fünf. Das Einzige, was wir dann noch brauchen würden, wäre ein Bewegungsraum. Bei der Volksschule schaffen wir das räumlich in Verbindung mit der Neuen Mittelschule, die noch Platzreserven hat, auch sehr gut. Unser großer Vorteil ist und bleibt unser Bildungszentrum, weil alles beieinander ist.

Wenn Sie an das Ende der Periode denken: Welche Ziele sollen bis dahin umgesetzt sein?

Bruckner: Wir wollen verwirklicht haben, dass wir weiterhin Zuzug haben, dass wir einige Gründe kaufen, damit die Leute nach Strengberg kommen. Wir wollen versuchen, Häuser, die jetzt leer stehen, auch für Wohnzwecke zu nutzen und damit eine Belebung des Ortskerns zu erzielen. Die Infrastruktur soll so intakt bleiben, wie sie jetzt ist, wo auch in Krisenzeiten alles funktioniert. Wir suchen weiterhin nach kleinen Betrieben, die sich bei uns ansiedeln. Ein Ziel ist, dass der Gemeinderat nach den fünf Jahren super harmoniert und dass die Leute sagen: Es passt, ich fühle mich da wohl.

Schatzl: Wenn die Leute in fünf Jahren rückblickend sagen werden, dass wir gute Arbeit gemacht haben, dann haben wir gewonnen.