Umjubelte Premiere beim Jubiläum

Nestroys populäre Komödie „Der Zerrissene“ begeistert bei der Premiere des Theatersommer Haag mit großartigen Protagonisten, einer stimmigen Handlung, einer geglückten Inszenierung und klug eingestreuter Comedy und fein dosierter Musik.

Leopold Kogler Erstellt am 02. Juli 2021 | 11:21
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Das Ensemble des Haager Theatersommers rund um Intendant Christian Dolezal (2. von rechts vorne) begeisterte bei der Premiere.
Foto: Usercontent, Ingo Pertramer

Nach einjähriger Zwangspause schenkte auch der Wettergott dem Theatersommer Haag, der heuer sein 20-jähriges Bestehen feiert, seinen Segen: Bei der Premiere am Donnerstag gab es keine Regengüsse, nur hin und wieder wehte eine kühle Brise durch die voll besetzte Tribüne. Doch die Freude, dass wieder Theater gespielt werden darf, wärmte.

So wurde die Premiere von Johann Nestroys Komödie „Der Zerrissene“ in einer zeitgemäß adaptierten Version von Dominic Oley, der auch Regie führte, zum kurzweiligen Erlebnis. Der Ablauf des zeitlos gültigen Stücks mit seinem subtilen Wortwitz, sowohl jener des Volksdichters Nestroy als auch die sprachlichen Neuschöpfungen, sind geprägt von Sehnsucht nach Glück und Liebe. Im wahrsten Wortsinn die Suche nach einem zufriedenen Leben. Ludwig von Lips hat einfach alles. Ein Schloss, Wein, Freunde, Feste, Pferde, all-inclusive Urlaube, Tiffany Lampen und vor allem Geld wie Heu, mit dem er sich alles kaufen kann. Ein Leben in Luxus pur. Nur leider macht das sein Leben furchtbar fad. Keine Abenteuer in Aussicht, findet er plötzlich Gefallen an dem Vorschlag seiner Freunde, die nächste Frau, die ihm unter die Augen kommt, zu heiraten. Die Inszenierung lebt vom Tempo und den wunderbar eingestreuten Pointen. Nie wirkt Nestroys Feuerwerk an witzigen Formulierungen abgebrannt, vielmehr wird dieses durch die zeitgemäßen Wortspiele und Anspielungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft strahlend entflammt.

Begeistertes Premierenpublikum

Das Spiel mit den besonderen Spannungseffekten erfreute auch Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. „Ich bin an diesem Abend zweifach angetan. Erstens: Es darf wieder Theater gespielt werden. Zweitens: Von der abwechslungsreichen Geschichte voller Denkanstöße bin ich freudig angetan. Ein leichtfüßiger Abend mit einem hochkarätigen Ensemble.“

Apropos Ensemble. Christian Dolezal vereint als charismatischer Herr von Lips, einem Mann mit Kapital, eine große Stimme mit Temperament, Charme und Witz. Miriam Fussenegger erobert als quirlig frische Kathi, einer jungen Frau mit ehrbarem Auftrag, die Herzen des Publikums. Sigrid Hauser scheint die Rolle von Madame Schleyer auf den Leib geschneidert. Angesprochen auf das Ensemble hebt Nationalrat Alois Schroll die schwungvolle und überzeugende Leistung aller in den Hauptrollen hervor. „Man spaziert mit dem hervorragenden Ensemble durch eine Welt voller Gegensätze. Großartiges Theater“. Auch für Bauernbundobmann Andreas Pum hat das Ensemble einiges zu bieten: Neben den oben Erwähnten gefallen ihm Kajetan Dick als Krautkopf, einem Pächter mit Scherereien und Tania Golden als Gluthammer, einem Schlosser mit Bluthochdruck. „Die vielen Temperamente hier auf der Bühne geben ein buntes Spiegelbild der Menschen ab“.

In der wortgewandten Posse „Der Zerrissene“ wird auf lustvolle Art und Weise und mit bezeichnendem, rebellischem Witz das Verhältnis von Arm und Reich und dieser Umkehr beleuchtet. Es gibt viel zu lachen, aber es gibt auch Stoff zum Nachdenken. Leichtfüßiges Sommertheater mit leichten Prisen von Gesellschaftskritik.