Personalabbau bei Engel in St. Valentin. Auftragsrückgänge machen zusätzlich zur Kurzarbeit Einsparungen bei den Mitarbeitern notwendig.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 15. Juli 2020 (04:49)
Geschäftsführer Stefan Engleder kündigt einen weiteren Personalabbau an.
Engel

Auftragsrückgänge haben dem Maschinenbauer Engel mit Zentrale in Schwertberg im Geschäftsjahr 2019/20 einen Umsatzrückgang von 1,6 auf 1,3 Milliarden Euro und somit ein Minus von 19 Prozent beschert. Der Mitarbeiterstand in den österreichischen Werken wurde bereits von 3.900 auf 3.600 reduziert, ein weiterer Abbau soll folgen.

Bereits im Vorjahr waren 50 Leasingarbeiter im Werk St. Valentin abgebaut und eine weitere österreichweite Reduktion des Mitarbeiterstands um fünf bis zehn Prozent – also bis zu 390 Personen – angekündigt worden. Der vorliegende Sozialplan geht nun von zehn Prozent aus. Die Hälfte davon wurde bereits abgebaut. Laut dem Unternehmen handle es sich je etwa zur Hälfte um Kündigungen und natürliche Abgänge. „Wir haben vor, die weiteren Kürzungen – abhängig von der Auslastung im Herbst – bis Oktober umzusetzen“, erklärt Geschäftsführer Stefan Engleder und ergänzt: „Stand heute werden wir mit den im Herbst des Vorjahres angekündigten Maßnahmen auskommen.“

„Bis September vernünftig ausgelastet“

Hintergrund dieser Kürzungen sind Auftragsrückgänge. Diese betreffen vor allem die Großanlagen, die vorrangig in die Automobilindustrie gehen. Auch im laufenden Geschäftsjahr werde das Volumen noch einmal deutlich nach unten gehen, erwartet Engleder. Die Auftragseingänge liegen erneut 20 Prozent hinter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Insgesamt ist offenbar eine Verschiebung zu bemerken: Wurden vor einigen Jahren noch zwei Drittel des Geschäfts mit Autokonzernen gemacht, ist es nun nur mehr die Hälfte. Die Branchen Medizin und Verpackung machen einen Teil der Einbrüche wett, hier „haben sich die Auftragsstände teils verdoppelt“, betont Engleder. Engel erzeugt Spritzgussanlagen, mit denen Kunststoffteile für Petrischalen, Beatmungsgeräte, Desinfektionsdispenser oder Joghurtbecher gefertigt werden.

Seit Ostern wird nach einem dreiwöchigen Betriebsurlaub kurzgearbeitet. Angemeldet sei ein Beschäftigungsausmaß von 50 Prozent, gearbeitet werde aber rund 70 Prozent der Normalarbeitszeit, betont Engleder. Im August sei ein zweiwöchiger Betriebsurlaub vorgesehen, insgesamt sei man „bis September vernünftig ausgelastet“.

Engleder zeigt sich auch überzeugt, dass Engel stärker als Mitbewerber aus der Krise hervorgehen werde, weil man unter anderem in automatisierte Abläufe und rund 70 Millionen Euro im Jahr in die Forschung investiere. Als Lehre aus der Coronazeit bleibt zudem eine Home-Office-Vereinbarung, die auch nach Ende der Coronazeit drei Tage Arbeit zu Hause pro Monat vorsieht.