St. Peter in der Au: Keime im Trinkwasser. Kürnberger müssen ihr Wasser abkochen. Nach Ursache wird gefahndet.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 02. September 2020 (04:10)
Symbolbild

Eine Kürnbergerin, die seit 2016 im Ortsteil lebt, wandte sich in einem Schreiben an die NÖN und brachte darin ihren Unmut zum Ausdruck. „Seit ich hier wohne, ist das schon das fünfte Mal, dass das Wasser verunreinigt ist. Ohne öffentliche Aufmerksamkeit wird sich dieser Zustand, auf längere Sicht gesehen, wohl nicht bessern.“ Die Gemeinde müsse stärker zur Verantwortung gezogen werden, fordert die Bürgerin daher und weist darauf hin, dass 2016 in Schwechat, als es dort ein Problem mit der Wasserversorgung gab, die Kommune sogar ein Mineralwasserlager für die Bürger angelegt habe.

Bürgermeister Johannes Heuras.
Gemeinde

Bürgermeister Johannes Heuras ist erstaunt, dass die Kürnbergerin sich zuerst an die Medien wendet, statt den direkten Kontakt mit ihm zu suchen. Er hat aber inzwischen mit der Bürgerin gesprochen und sie über die Problematik informiert. Heuras bestätigt, dass es in der Vergangenheit öfters Probleme mit verunreinigtem Wasser in Kürnberg gab. Um diese zu lösen, sei dann 2016 zwischen Quelle und Auffangbehälter eine UV-Anlage zur Entkeimung des Wassers installiert worden. Das habe auch geholfen.

„Das änderte aber nichts an den quantitativen Versorgungsproblemen, die wir im Ortsteil auch hatten. Um da Abhilfe zu schaffen, haben wir uns dann mit den Gemeinden Behamberg und Haidershofen zusammengeschlossen und eine Versorgungsleitung gebaut, die seit Herbst des Vorjahres in Betrieb ist“, berichtet der Bürgermeister. Natürlich sei die Leitung vor Inbetriebnahme gespült worden, damit alles passe.

Grenzwerte auch im Juli überschritten

Bei einer Beprobung des Kürnberger Wassers Anfang Juli dieses Jahres hat die AGES (Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit) nun aber eine Überschreitung von Grenzwerten festgestellt. Die Gemeinde hat daraufhin sofort die Bürger informiert, dass sie „das Wasser nur nach dreiminütigem Abkochen bei Siedetemperatur für Trink- und Hausbrauchzwecke verwenden“ dürfen.

„Natürlich wurden laufend weitere Proben gezogen und da diese dann einwandfrei waren, konnten wir Mitte Juli wieder die Freigabe zur Verwendung des Wassers erteilen. Etwa einen Monat später hatten wir nun aber erneut ein Probe, die nicht passte, daher haben wir am 20. August wieder eine Warnung an die Haushalte ausgegeben. Dazu sind wir als Wasserversorger verpflichtet“, berichtet der Bürgermeister.

Nun läuft intensiv die Suche nach der Ursache der Verkeimung und da gibt es mehrere Möglichkeiten. „Das Problem könnte an unserem Brunnen liegen oder an der Übernahmestelle des Wassers von Haidershofen-Behamberg her. Wir könnten aber auch eine undichte Stelle im Leitungsnetz haben, durch die es zur Verunreinigung des Wassers kommt. Das versuchen wir nun im Wege des Ausschlussverfahrens festzustellen“, erklärt Heuras.

Vorerst werden die Kürnberger Haushalte nur noch mit Wasser aus der Quelle vor Ort beliefert, weil dieses mittels UV-Bestrahlung keimfrei gemacht wird. Die UV-Anlage hat nachweislich keine Fehlfunktion. „Zum Glück hat es viel geregnet und daher haben wir ausreichend Wasser zur Verfügung. Wir sind auch permanent im Gespräch mit Behamberg und Haidershofen, um abzuklären, ob es bei den Übergabestellen Probleme gibt“, berichtet Heuras.

AGES zieht diese Woche erneut Proben

Die getroffenen Maßnahmen scheinen bereits positive Wirkung zu zeigen. Interne genommene Proben bestätigten schon am Freitag wieder einwandfreie Wasserqualität für Kürnberg. „Wir müssen vor einer Freigabe des Wassers aber natürlich die offizielle Bestätigung durch die AGES abwarten. Am Mittwoch werden Proben gezogen. Nächste Woche wird das Ergebnis vorliegen“, sagt Heuras.

Bürgern durch die Gemeinde Mineralwasser zur Verfügung zu stellen, hält Heuras derzeit nicht für nötig. „Wir hatten insgesamt auch nur eine Handvoll Anfragen bezüglich der Wasserversorgung. Wenn aber jemand dringend Hilfe benötigt, kann er sich natürlich an die Gemeinde wenden“, sagt der Ortschef.