Das Gansl hat auch in Haag wieder Saison. Johann Radelsböck führt den größten Einzelbetrieb in Österreich. Den Lockdown spürt aber auch er.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 11. November 2020 (05:22)
Johann Radelsböck begann vor 35 Jahren mit der Weidehaltung von Gänsen. Waren es anfangs nur 100 Tiere, so grasen mittlerweile bis zu 8.000 Gänse auf den Wiesen rund um den Meierhof in Richersdorf.
Vogl

Wer Johann Radelsböck derzeit in seinem Vierkanter in Richersdorf besuchen möchte, der muss früh aufstehen oder bis zum Abend warten, denn Anfang November ist Gansl-Zeit und das bedeutet Stress für den Haager Gänsebauern.

„Wenn man einen Kunden haben will, dann ist die Lieferung frei Haus Grundbedingung. Ich fahre um halb fünf in der Früh weg und bin bis um vier am Nachmittag unterwegs“, schildert er seinen aktuellen Tagesablauf.

„Die Hallen sind für die Gänse ein Traum, denn sie mögen keine Hitze und keine Sonne.“Radelsböck über die Unterbringung seiner Tiere dank einer Kooperation mit der Mostviertel Energie GmbH

Unterwegs ist er mit seinem Kühlwagen im ganzen Land, denn seine Kunden sind auf ganz Österreich verteilt. „Von Wien bis in die Südsteiermark und bis zum Arlberg“, konkretisiert Radelsböck.

Mit 8.000 Weidegänsen führt er mittlerweile den größten Einzelbetrieb in Österreich. Das war nicht immer so, denn angefangen hat Radelsböck vor 35 Jahren noch ganz klein. „Wir haben vor dem Haus eine Leite, die wir mit der Hand mähen mussten. Ich habe dann gelesen, dass Gänse gute Rasenmäher sind. Also haben wir einmal hundert Gänse eingestellt“, erinnert sich der Mostviertler an die Anfänge zurück.

Da sich die Tiere auch leicht verkaufen ließen, wurden es von Jahr zu Jahr mehr. Seit dem Jahr 2000 ist die Gänsehaltung nun der einzige Betriebszweig am Hof von Johann Radelsböck. Die tausenden Tiere sind auf zehn Gruppen aufgeteilt und haben jede Menge Auslauf.

Dank einer Kooperation mit der Mostviertel Energie GmbH stehen den Mostviertler Weidegänsen seit sieben Jahren auch acht große Unterstellhallen zur Verfügung. Dabei handelt es sich um große Photovoltaikflächen, die Strom für 260 Haushalte liefern.

Die acht Photovoltaikanlagen dienen als Unterstand für die Gänse und erzeugen Strom für rund 260 Haushalte.
privat

„Die Hallen sind für die Gänse ein Traum, denn sie mögen keine Hitze und keine Sonne“, verrät der Landwirt. Die Gänse werden im Mai als Eintagesküken eingestellt und kommen nach vier Wochen auf die Weide, wo ihnen hofeigenes Getreide und Mais zugefüttert wird. Nach 16 Wochen auf der Weide werden die Gänse direkt am Hof geschlachtet.

„Wir haben keine Transportwege und die Gänse haben weniger Stress, weil sie erst bei der Betäubung in die Hand genommen werden. Das merkt man bei der Fleischqualität“, betont Johann Radelsböck. Einzigartig in Österreich ist auch die von ihm verwendete Trockenrupfmethode, bei der die Gänse nicht gebrüht werden. „Dabei bleibt die Epidermis erhalten und die Gänse haben eine längere Haltbarkeit“, ist der Haager stolz auf die Qualität seiner Weidegänse.

„Nach Weihnachten ist eine Gans ungefähr so verkaufbar wie ein Christbaum.“ Johann Radelsböck über die kurze Saison der Gänsebauern, die zu Weihnachten endet

Eine Qualität, die vor allem in der Gastronomie geschätzt wird, die 70 Prozent seiner Kundschaft ausmacht. Deshalb wurde die Ankündigung des erneuten Lockdowns auch für Radelsböck zur Hiobsbotschaft.

„Am Samstag war die Pressekonferenz, bei der die erneute Schließung der Gastronomie verkündet wurde. Bis Montag gab es dann nur Stornierungen, aber jetzt hat sich der Verkauf auf niedrigem Niveau eingependelt“, erklärt der Gänsebauer. Derzeit schlachte man in etwa die Hälfte des „normalen“ Aufkommens.

„Wenn es so bleibt, dann bin ich zuversichtlich, dass wir alle Gänse anbringen, denn Kleinvieh macht auch Mist“, schmunzelt er, gibt aber auch zu, dass es keinen Plan B gibt. „Wir müssen bis Weihnachten alle Tiere schlachten. Wenn wir sie nicht verkaufen, dann müssen wir sie einfrieren“, erklärt Radelsböck, denn die Saison für Gänse ist nur kurz.

Die Schlachtsaison reicht von Mitte Oktober bis Dezember. Tradition haben vor allem die Martinigansln am 11. November und die Weihnachtsgänse. Danach ist die Nachfrage so gut wie nicht vorhanden. „Nach Weihnachten ist eine Gans ungefähr so verkaufbar wie ein Christbaum“, weiß Johann Radelsböck aus Erfahrung.

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