Haager Mädchen (7) steckte in Rohr fest. Siebenjährige kam mit leichten Verletzungen am Fuß davon.

Von Ingrid Vogl. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:51)
In diesem Rohr mit zehn Zentimetern Durchmesser steckte der Fuß des siebenjährigen Mädchens fest. Erst durch Aufstemmen des Betonbodens und Aufschneiden des Rohrs konnte das Mädchen aus seiner misslichen Lage befreit werden. Das Kind trug nur leichte Verletzungen davon.
FF Stadt Haag

Es hätte ein unbeschwerter und lustiger Nachmittag bei einer Freundin werden sollen, doch der vergangene Mittwoch endete für ein siebenjähriges Mädchen nach einer dramatischen Rettungsaktion im Spital.

„Einen derartigen Einsatz haben wir noch nie gehabt und wollen wir auch nicht mehr haben.“Feuerwehr-Kommandant Andreas Zöchlinger über die schwierige Rettungsaktion

Gegen 15.20 Uhr war das Kind aus dem im Garten befindlichen Pool gestiegen und dabei mit dem rechten Fuß in ein im Betonboden einbetoniertes Abwasserrohr mit zehn Zentimetern Durchmesser geraten. Das Rohr war nicht abgedeckt, da das Pflaster rund um den Pool noch nicht verlegt ist.

Das Mädchen rutschte mit dem nassen Bein bis zum Knie in das Rohr hinein. Da der Vorfuß in einem 45- Grad-Bogen des Rohres eingeklemmt war, steckte die Siebenjährige fest.

„Die Familie hat sofort versucht, das Mädchen zu befreien, aber ist gescheitert“, erzählt Feuerwehr-Kommandant Andreas Zöchlinger. Auch der im feuerwehrmedizinischen Dienst tätige Nachbar, der zu Hilfe gerufen wurde, blieb erfolglos und setzte daher den Notruf ab.

Aber auch die Feuerwehr, die mit drei Fahrzeugen und elf Mann anrückte, konnte das Mädchen vorerst nicht befreien. „Wir haben es mit Seifenwasser versucht, aber wir konnten den Fuß nicht drehen“, schildert Zöchlinger. Also blieb nichts anderes übrig, als den 15 Zentimeter dicken Betonboden aufzustemmen und das Rohr in der Folge vorsichtig aufzuschneiden.

„Ohne medikamentöse Beruhigung hätten wir erst gar nicht mit dem Stemmen beginnen brauchen.“

Da das Mädchen schrie und auch mittels Teddybären nicht wirklich beruhigt werden konnte, wurden auch das Rote Kreuz und der Notarzt beigezogen. „Ohne medikamentöse Beruhigung hätten wir erst gar nicht mit dem Stemmen beginnen brauchen. Der Notarzt hat dem Mädchen Schmerzmittel und Beruhigungsmittel gegeben und es während des gesamten Einsatzes überwacht“, erklärt Zöchlinger.

In schweißtreibender Feinstarbeit legten die Feuerwehrmänner das Rohr frei und schnitten es mit einer Feinschleifmaschine auf, ohne den Fuß des Mädchens zusätzlich zu verletzen.

Feuerwehr-Kommandant Andreas Zöchlinger ging der Einsatz sehr nahe.
privat

„Es war eine besondere Herausforderung, vor die wir bei diesem Einsatz gestellt wurden. Wir haben so viel Werkzeug gebraucht, das wir selbst gar nicht haben und erst bei den Feuerwehrmitgliedern von zu Hause holen mussten“, umschreibt Zöchlinger die Schwierigkeit des zweistündigen Einsatzes, der der FF-Mannschaft sehr nahe ging.

„Wenn man selbst Kinder hat, dann geht einem das durch Mark und Bein. Einen Einsatz mit einem Kind im Kanalrohr haben wir noch nie gehabt und wollen wir auch nicht mehr haben“, ist der Kommandant froh, dass der Vorfall für das Mädchen relativ glimpflich ausging.

Die Siebenjährige wurde zwar mit dem Notarzthubschrauber in die Kinderklinik nach Linz geflogen, kam aber mit Abschürfungen und leichten Quetschungen davon. Nach einem Telefonat mit der Mutter konnte Zöchlinger am Tag nach dem Unfall bereits aufatmen. Die Siebenjährige war wohlauf und auf der normalen Station.