St. Valentiner Eltern: „Schulchaos endlich stoppen“

Warten auf Bescheide, Folgen für die Psyche: St. Valentiner Eltern äußern nach Schulstart heftige Kritik.

Erstellt am 29. September 2021 | 04:45
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Die Eltern Barbara Wimmer, Bürgermeisterin Kerstin-Suchan-Mayr, Martin Mayr (vorne von links) sowie Peter und Martina Leutgeb und Christia Birmili berichten von chaotischen Zuständen an den Schulen. Schuld daran sei die Bundesregierung, insbesondere Minister Heinz Faßmann. Der gesperrte Spielplatz im Hintergrund ist Symbol dafür, dass Kinder als K2-Kontaktpersonen zwar in die Schule gehen dürfen, am Nachmittag allerdings keinen Freizeitaktivitäten nachgehen können. „Das versteht keiner“, ärgert sich Suchan-Mayr.
Foto: Führer

Unter dem Titel „Schulchaos stoppen!“ lud Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr gemeinsam mit weiteren Eltern zu einer Pressekonferenz. Dabei schilderten die Ortschefin, selbst Mutter, und die Eltern die gravierenden Schwierigkeiten, die es derzeit im Schulwesen gibt. „Am Vormittag dürfen Schüler als K2-Personen gemeinsam mit allen anderen in der Klasse sitzen. Am Nachmittag ist es dann aber nicht erlaubt, Freizeitaktivitäten nachzugehen. Sie dürfen nicht auf den Spielplatz oder zum Fußballplatz. Das versteht keiner mehr“, erklärte Suchan-Mayr. Bis auf die Fahrt zur Nachmittagsbetreuung oder zu einer Teststation darf das Haus nämlich nicht verlassen werden.

Suchan-Mayr: „Wer soll sich noch auskennen?“

Für Suchan-Mayr und die anderen betroffenen Eltern ist das „Schulchaos“ nicht mehr zu akzeptieren. Die Leidtragenden dieser „untragbaren Politik der Bundesregierung“ seien die Kinder. „Die Kinder müssen nun schon seit 18 Monaten genug durchmachen. Lockdown, Homeschooling, geteilter Unterricht, kein Unterricht, doch Unterricht, Unterricht an ungeraden Tagen. Kein Turnen, kein Singen. Mein Sohn hat gesagt, alles was ihm Spaß macht, war oder ist nicht erlaubt. Dazu kommen Unsicherheiten und Ängste und schon in der Volksschule stundenlanges Tragen von Maske oder Mund-Nasenschutz. Die Regelungen haben sich ständig geändert. Wer soll sich da noch auskennen? Wir reden hier von Volksschulkindern! Was wird Ihnen hier alles zugemutet?“, fragt Suchan-Mayr weiter.

„Das in der Luft schweben und das Gefühl der Ohnmacht ist schwer auszuhalten.“ Mutter Martina Leutgeb über die aktuelle Entwicklung

Ihre Kritik richtet sie dabei in erster Linie an Unterrichtsminister Heinz Faßmann. Er sei dafür verantwortlich, dass man den Sommer verschlafen habe. So dauere es nach einem Test oft Tage, bis das Ergebnis feststeht und noch länger, bis die Bescheide der Bezirkshauptmannschaft aus- und zugestellt sind. Niemand verstehe, dass der kontagiöse Kontakt und freiwillige Absonderung und die Ausstellung des Bescheids tagelang auseinanderliegen. Die Quarantäne gilt ja erst ab dem Datum des Bescheides. Das bedeutet, dass man noch mehr Unterrichtstage verpasst. „Alles wegen fehlender Sicherheitsmaßnahmen, fehlendem Konzept, fehlenden Ressourcen. Und das nach einem Dreivierteljahr, in dem man sich auf den Schulstart vorbereiten hätte können“, ärgert sich Suchan-Mayr. Das alles seien „Auswüchse einer unfähigen Politik. Die Pressekonferenz ist ein Hilfeschrei, die Kritik muss beim Ministerium endlich ankommen“, hofft Suchan-Mayr.

Auch Martina und Peter Leutgeb, ebenfalls Eltern St. Valentiner Schüler, schildern große Probleme. Die Zeit bis zum Erhalt des Bescheides sei zu lange. „Das Ganze ist natürlich auch für die Behörden sehr mühsam. Wir haben einen Garten und können den zumindest nützen. Aber was ist mit den Wohnungskindern, wenn sie zuhause bleiben müssen, bis der Bescheid da ist, und dann noch einmal mehrere Tage? Ich merke, dass die ganze Situation etwas mit unserem Sohn macht, obwohl wir uns bemühen. Das in der Luft Schweben und das Gefühl der Ohnmacht sind schwer auszuhalten“, erzählt Mutter Martina Leutgeb.

Peter Leutgeb, auch als Fußballfunktionär tätig, berichtet darüber, dass viele Kinder immer verschlossener werden. Sie wollen sich ausleben, können das aber angesichts der Regelungen nicht tun. „Jetzt haben wir bald zwei Jahre die Situation mit dem Coronavirus und es ist noch immer nicht in die Bahnen gelenkt worden, wie man vorgehen muss. Wir Eltern sollten aufstehen, damit wir den Kindern eine vernünftige Zukunft geben können. Sie werden das Ganze zurückzahlen müssen, das jetzt schief geht. Wenn das so weitergeht, wird das eine ganz spezielle Jugend werden“, befürchtet Leutgeb.

Barbara Wimmer verweist auf die Probleme, mit denen berufstätige Eltern zu kämpfen haben. Oft würden Bescheide erst am Wochenende eintreffen, bis dahin hängen die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in der Luft. „Da muss man dann zum Beispiel ab Mittwoch Urlaubstage herschenken, weil noch kein Bescheid da war, der für den Arbeitgeber gebraucht wird“, sagt sie.

Forderung nach Fokus auf die Jugend

Zur Situation für die Kinder unterstreicht sie: „Wir reden hier von Erst-, und Zweitklasslern. Sie haben noch nie ein normales Schuljahr erlebt. Es ist traurig, weil keiner von uns weiß, wie es nächstes Jahr aussieht. Bewegungsfreudigen Kindern wird die Bewegung genommen und dann wundert man sich, wenn es immer mehr junge Menschen mit Übergewicht gibt. In den letzten Jahren hat man höchste Rücksicht auf Ältere und Risikopatienten genommen. Jetzt wird es endlich Zeit, die Jüngsten zu schützen!“, fordert Wimmer.

Gemeinderätin und Mutter Christa Birmili verweist auf psychischen Auswirkungen. Viele Kinder schotten sich immer mehr ab. Man habe eigentlich ja schon zwei Sommer verschlafen. „Das ärgert mich extrem. Auch für die Lehrer ist es extrem schwierig, weil keine sinnvollen Maßnahmen, wie etwa Luftreiniger, gesetzt werden.“

„Wir fordern Antworten vom Ministerium. Müssen die Kinder in der aktuellen Situation, in der viele Ältere schon geimpft sind, derart gemartert werden? Die Kinderrechte werden eingeschränkt und ihnen genommen. Zu sagen, in der Schule gebe es kein Chaos, ist falsch. Die Behörden arbeiten rund um die Uhr, aber die sich immer ändernden Regelungen kann keiner mehr durchblicken. Auch die Schulen wissen nicht, wie gehandelt werden soll. Es braucht klare und nachvollziehbare Vorgaben vom Ministerium“, schließt Suchan-Mayr.

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