Weistrach

Erstellt am 12. Januar 2017, 05:04

von Hermann Knapp

Mostkönigin Sandra: „Das Feuer weitertragen“. Mostkönigin Sandra I. rührt seit November 2015 die Werbetrommel für das Mostviertel. Besonders wichtig ist es ihr, junge Leute für die Mostkultur zu begeistern.

Mostbaron Josef Zeiner, Mostkönigin Sandra I. und Moststraßenobfrau Michaela Hinterholzer bei der Inspektion der Stahltanks, in denen der Most des Projekts „Mission Most“ in den nächsten Wochen gären wird. Die Nachwuchsarbeit ist der Mostkönigin ein besonderes Anliegen.  |  Prüller

Über ein Jahr ist Ihre Majestät Mostkönigin Sandra I. nun schon im Amt. Zeit, eine kleine Bilanz zu ziehen. Und die fällt für Sandra Kirchstetter (21), wie das gekrönte Haupt der Mostkultur mit bürgerlichem Namen heißt, durchaus positiv aus.

„Es waren zwar sehr intensive Monate mit vielen Veranstaltungen, aber ich habe dabei auch viele Erfahrungen gesammelt. Die öffentlichen Auftritte stärken das eigene Selbstbewusstsein, man kann seine rhetorischen Fähigkeiten verbessern und man lernt sehr viele interessante Persönlichkeiten kennen und baut ein Netzwerk auf“, sagt die gebürtige Weistracherin.

„Ich bringe mich auch inhaltlich ein“

Bereut hat es Kirchstetter bisher noch nie, sich auf diese Herausforderung eingelassen zu haben und sie hat auch noch nie das Gefühl gehabt, ihre Aufgaben nicht bewältigen zu können.

„Natürlich gibt es einige Fixtermine, bei denen vom Obstbauverband und der Moststraße meine Anwesenheit erwünscht ist – wie etwa die Mosttaufe, die Mostwallfahrt und natürlich die Veranstaltungen beim Tag des Mostes. Aber die gefallen mir ohnehin gut, weil da sehr viel Tradition dahinter ist, da fühle ich mich gut aufgehoben. Ansonsten habe ich schon Spielraum, selbst zu entscheiden, wo ich hingehe. Das hängt natürlich auch immer davon ab, wie es sich für mich privat vereinbaren lässt, denn meine Ausbildung darf natürlich nicht zu kurz kommen“, sagt Sandra.

Keinesfalls will sie ihr Amt nur darauf beschränkt sehen, als Mostkönigin bei Events auf der Bühne zu stehen, hübsch auszusehen und zu lächeln. „Ich bringe mich auch inhaltlich ein. Meine Familie macht ja selbst Most und ich beteilige mich, um eigene Erfahrung zu sammeln, an der „Mission Most“, die das Ziel hat, junge Leute für das Mostmachen zu begeistern“, sagt Sandra. 18 Jugendliche produzieren im Rahmen dieser Aktion, initiiert von der Moststraße und der Landjugend, ihren eigenen Most. Unterstützt werden sie dabei von Mostbaron Josef Zeiner mit Gerätschaften und vor allem Know-how.

„Wir haben die Birnen selbst geklaubt und den Most auch selbst gepresst. Jetzt wird er in 300-Liter-Fässer gefüllt, die über die Leaderregion angekauft wurden, damit er reifen kann“, berichtet die Mostkönigin. Der Anspruch der jungen Leute ist hoch. Sie wollen Most von bester Qualität produzieren.

Mission Most ist Projekt für den Nachwuchs

Mit der Herstellung des Getränks allein ist es aber nicht getan, daher gehören zur „Mission Most“ auch noch die Preiskalkulation und die Entwicklung eigener Etiketten und Marketingstrategien dazu. „Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bekommen also wirklich ein Rüstzeug mit, dass ihnen künftig bei der Produktion und Vermarktung ihres eigenen Mostes helfen kann“, sagt Kirchstetter.

Die Jugend für die Mostkultur zu gewinnen, ist ihr natürlich ein besonderes Anliegen. „Denn die Mostbarone haben in den letzten Jahrzehnten wertvolle Arbeit geleistet, aber in absehbarer Zukunft müssen wir Jungen dann das Feuer weitertragen“, erklärt die Mostkönigin. Für Sandra I. wird natürlich auch die kommende Ballsaison einige Auftritte mit sich bringen. Beim NÖ-Bauernbundball wird sie zum Beispiel gemeinsam mit den Mostprinzessinnen den Mostausschank übernehmen.

Bei allem Engagement kommt aber auch Kirchstetters berufliche Ausbildung nicht zu kurz. Sie absolviert derzeit die Fachhochschule für Gesundheitsberufe OÖ in Steyr im Bereich biomedizinischer Analytik.

„Da geht es vor allem darum, Patientenproben zu analysieren. Im Sommer werde ich die Ausbildung mit Bachelor abschließen und hoffe dann, in einem Klinikum (Pathologie oder Zentrallabor) in der Umgebung eine Anstellung zu finden, denn ich möchte auf jeden Fall in der Region bleiben“, sagt die Mostkönigin. Verständlich, denn sie ist im Mostviertel verwurzelt und hat vor allem bei der Landjugend viele Freundinnen und Freunde.

Weistracher Ortschef streut Sandra Lorbeeren

Voll des Lobs für Sandra I. ist Weistrachs Bürgermeister Erwin Pittersberger. Er findet, dass „seine“ Mostkönigin „ihre Aufgabe sehr ernst nimmt und auch sehr gut macht. Sie ist in ganz NÖ unterwegs und nutzt jede Möglichkeit, unsere Region, den Most, aber auch die Gemeinde Weistrach auf hohem Niveau zu repräsentieren“, sagt der Ortschef.

Als Unterstützung hat Sandra I., die ja ihre Funktion ehrenamtlich ausübt, von der Gemeinde einen Treibstoffgutschein bekommen – um ihre Fahrtkosten abzudecken. Von Firmen der Region wurde der Mostkönigin außerdem erstmals ein Auto zur Verfügung gestellt.

Bis November 2017 wird Sandra I. übrigens noch das Zepter schwingen – wie bisher mit Charme, fachlichem Wissen und großem Engagement.