Amazon-Ansiedlung sorgt für Aufregung in St. Valentin

Erstellt am 08. Oktober 2022 | 06:41
Lesezeit: 3 Min
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Für Stadtchefin Suchan-Mayr ist noch nichts entschieden.
Foto: SPÖ
Internetriese will in St. Valentin ein Logistikcenter errichten. In der Gemeinde gehen deswegen politisch die Wogen hoch.
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Ein geplantes Verteilerzentrum des Internet-Riesen Amazon in der Nähe der Firma Fenster Adami in Neu Thurnsdorf sorgt in St. Valentin für heftige Debatten.

Im nichtöffentlichen Teil der vorwöchigen Gemeinderatssitzung kam es zu einer längeren Diskussion und zu einer anonymen Abstimmung. 18 Gemeinderäte stimmten dafür, das Projekt weiter zu verfolgen, 13 dagegen. Der Projektentwickler Fraktal Development will die Grundstücke kaufen und an Amazon weitervermieten. Im Besitze der Stadtgemeinde ist allerdings nur eine der Flächen, die zum Bau des Logistikcenters benötigt werden, von dem aus Kunden im näheren Umkreis beliefert werden sollen.

Bürgermeisterin Suchan-Mayr betont, dass es sich beim Gemeinderatsbeschluss um eine „Grundsatzentscheidung“ handelt. Diese bedeute nicht, dass das Projekt fix umgesetzt werde. Unter anderem müssen noch weitere Beschlüsse wie Grundverkauf oder ein widmungsrechtliches Verfahren folgen. Die Ansiedlung soll „nicht um jeden Preis“ umgesetzt werden, nannte Stadtrat Rafael Mugrauer, Fraktionssprecher der SPÖ St. Valentin, etwa nachhaltige Bauweise, CO2-Neutralität oder E-Mobilität als Voraussetzungen.

Scharfe Kritik äußerte die FPÖ an der Entscheidung, die auch eine Volksabstimmung über das Projekt wollte, damit aber abgeblitzt ist. „Wir sind dagegen, einen Großkonzern und Industriehai nach St. Valentin zu lassen. Wir werden nicht aufgeben und die Öffentlichkeit weiter über das Projekt informieren und fordern, dass alle Fakten auf den Tisch kommen“, sagt FPÖ-Obmann Hannes Lugmayr.

Ein Sprecher von Amazon betont, dass man intensive Gespräche mit St. Valentin führe und sich über die Entscheidung des Gemeinderats freue. „Wir prüfen kontinuierlich neue Standorte und wägen dabei eine Vielzahl von Faktoren ab. Logistikprojekte brauchen Zeit und wir können ein Projekt erst bestätigen, wenn es ein gewisses Stadium erreicht hat.“ Der Sprecher unterstreicht, dass Amazon ein guter Nachbar sein möchte. Mit dem Projekt würden auch Arbeitsplätze geschaffen und man biete Lieferpartnern die Möglichkeit, gemeinsam mit Amazon zu wachsen.

Bei Fraktal Development begrüßt man die Entscheidung des Gemeinderats, eine Ansiedlung zu prüfen. „Wir befinden uns in enger Abstimmung mit allen Beteiligten. In weiterer Folge werden wir als deutsch-österreichischer Projektentwickler Gespräche mit der Gemeinde führen, um umsichtig und zielführend zu einem Ergebnis zu kommen“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens.

Günther Simader, ÖVP-Gemeinderat und Besitzer eines Grundstückes, das für das Projekt verkauft wird, ist ebenfalls erfreut über die Entscheidung: „Für uns als Grundeigentümer war es wichtig, dass ein Unternehmen hinkommt, das sich gut integriert und an den notwendigen Anpassungen der Infrastruktur beteiligt. Das geht bei einem großen Unternehmen einfacher als bei einer kleinen Firma.“

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