Haag: Fachpersonal heiß begehrt. Heimische Großbetriebe kämpfen zusehends mit einem Mangel an Fachkräften.

Von Hermann Knapp und Peter Führer. Erstellt am 16. Juni 2021 (11:10)
Facharbeiter bei Engel begehrt
Das Großmaschinenwerk von Engel in St. Valentin zählt 1.100 Mitarbeiter. Gegen den Fachkräftemangel setzt man auf Ausbildung.
Engel

Mehr und mehr heimische Betriebe kämpfen mit einem Fachkräftemangel. „Die Umdasch Group aus Amstetten sucht derzeit weltweit 200 Mitarbeiter, 100 davon in Österreich.

Momentan schwierig, richtiges Personal zu finden

„Momentan scheint es auf der ganzen Welt schwierig zu sein, qualifiziertes Personal zu finden. In Österreich suchen wir vor allem Ingenieure, IT- und Programmierspezialisten, aber auch Mitarbeiter im Vertrieb oder Betriebswirte und Juristen“, erklärt Pressesprecherin Evi Roseneder von der Umdasch Group.

Mit Mitarbeitern aus der Region könne man den Bedarf längst nicht mehr decken. Um für Mitarbeiter von weiter weg als Arbeitgeber attraktiv zu sein, gibt es temporäre Büros in Wien und Linz. Zudem wird das Angebot von Remote-Arbeitsplätzen zuhause, sprich Homeoffice, ausgebaut. Die wirtschaftliche Lage ist gut. Die Umdasch Store Makers profitieren von steigender Nachfrage in den Segmenten Lebensmittel, Bauen/Wohnen und Sport/Freizeit. Auf der Gegenseite agiere die Modebranche verhalten.

Baubranche: Motor läuft auf Hochtouren

Doka kommt zugute, dass die Baubranche trotz Corona international gut läuft. „Wir erleben in Teilen der Welt eine gute Nachfrage, vor allem im Wohnungsbau und im Infrastrukturbereich. Ausnahmen sind Regionen, wo Corona immer noch bremst, wie in Asien oder in Lateinamerika, oder zum Teil der Tourismusbereich, in dem Corona den Bau von Hotels teilweise infrage stellt. Die Chancen überwiegen aber deutlich“, so Roseneder.

In Österreich habe es 2020 einen Rückgang gegeben, 2021 ist aber eine Steigerung auf das Niveau von 2019 möglich. Die große Herausforderung sei die derzeitige Rohstoff-Situation rund um Stahl und vor allem Holz. „Das führt zunehmend zu Engpässen und starkem Preisanstieg“, analysiert Roseneder.

LiSEC wenig Mangel an Fachkräften

Die Firma LiSEC aus Seitenstetten sieht sich dank der hauseigenen Lehrwerkstatt nur in bestimmten Bereichen mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. Etwa im Bereich Automation, Software oder IT. „Um dieser Situation zumindest langfristig gegenzusteuern, gibt es verschiedene Initiativen in der Region“, erläutert Claudia Guschlbauer, Head of Marketing und Corporate Communications.

Flexibilität ist mehr gefragt denn je

Die Auftragslage sei im 60-jährigen Jubiläumsjahr positiv. Der Auftragseingang hat sich im Vergleich zum Vorjahr im Zeitraum von Jänner bis Mai deutlich mehr als verdoppelt. Dennoch gehen die weltweiten Probleme bei den Lieferketten auch an LiSEC nicht spurlos vorbei.

Lieferantenstruktur hat Auswirkung auf Arbeit

„Insbesonders Lieferschwierigkeiten beziehungsweise Lieferverzögerungen sowie damit einhergehende Preissteigerungen erfordern ein noch penibleres Planen und ein ständiges, flexibles Reagieren auf Änderungen. Aufgrund der nachhaltig ausgerichteten, regional orientierten Lieferantenstruktur sind die Auswirkungen im internationalen Vergleich jedoch vergleichsweise gering“, führt Guschlbauer weiter aus.

CNH Industrial Österreich GmbH leidet auch unter Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel ist seit einigen Jahren auch bei der CNH Industrial Österreich GmbH mit Standort in St. Valentin ein immer wiederkehrendes Thema. „Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, auf welcher Ebene die Personalsuche stattfindet. Um den hohen Qualitäts-Anforderungen gerecht zu werden und das Ausbildungsniveau auf einem konstanten Level zu halten, setzen wir speziell im gewerblich-technischen Bereich auf interne und externe Aufschulungen – auch in Kooperation mit unseren Arbeitskräfteüberlassern“, klärt Geraldine Ingram (Marketing und Communications) auf.

Prinzipiell sei die Branche relativ krisensicher. Und da Regionalität an Bedeutung gewinne, konnte man den Marktanteil deutlich ausbauen.
Auf der Gegenseite schlägt sich auch hier eine eingeschränkte Teileverfügbarkeit nieder. CNH versucht, gemeinsam mit den Partnerlieferanten in allen Regionen die Situation für die kommenden Monate zu bewältigen, und zeigt sich zuversichtlich. „Wir finden mit unseren Lieferanten- und Handelspartnern Lösungen, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen, wobei die pünktliche Bereitstellung der Erntemaschinen zur Ernte eine klare Priorität hat“, unterstreicht Ingram.

„Wir profitieren von den sehr guten Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Kunststofftechnik und IT“ Stefan Engleder

„Die Engel-Gruppe mit ihrem Großmaschinenwerk in St. Valentin sucht Zerspanungs- und Maschinenbautechniker, Mechatroniker, Elektrotechniker und Betriebslogistiker. Darüber hinaus Software-Engineers für die IT sowie Konstrukteure und Entwicklungsingenieure. Fachkräftemangel sei bislang für Engel aber kein Thema, wie CEO Stefan Engleder berichtet: „Wir profitieren von den sehr guten Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Kunststofftechnik und IT in Österreich, sehen aber auch, dass wir aktiver werden müssen, um dem Fachkräftemangel auf lange Sicht zu begegnen.“

Lehrlingswerkstätten an allen Standorten

Deshalb investiere man stark in die Lehrlingsausbildung. An allen österreichischen Standorten (Schwertberg, St. Valentin und Dietach) gibt es Lehrlingswerkstätten. „Wir möchten junge Menschen für technische Berufe begeistern. Dafür kooperieren wir mit Schulen, präsentieren unser Angebot auf Ausbildungsmessen, nehmen am Girls‘ Day teil und engagieren uns an der Kinderuni“, führt Engel weiter aus.

Bezüglich wirtschaftlicher Lage stünden die Zeichen wieder auf Wachstum, die Nachfrage aus der Automobilindustrie zieht laut Engleder an. „Unser Auftragsstand ist so hoch wie 2018, das stimmt uns optimistisch.“ Große Herausforderung ist die Materialknappheit, besonders bei Halbleitern, und die Verfügbarkeit von Containern für den Seetransport. „Bis in den Herbst sind wir auf jeden Fall lieferfähig. Mehrmals wöchentlich stimmen wir uns mit unseren Lieferanten ab, um sich abzeichnenden Problemen frühestmöglich entgegensteuern zu können“, sagt Engleder.