Christian Aumüller: Mehr Energie und Lebensfreude. Christian Aumüller aus Wolfsbach vertritt einen menschengerechten Lebensstil für mehr Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit im Einklang mit der Evolution.

Von Josef Penzendorfer. Erstellt am 01. Dezember 2020 (06:52)
Christian Aumüller sieht viele Menschen mit den schnelllebigen gesellschaftlichen und familiären Veränderungen und Anforderungen unserer Zeit überfordert, sodass sie sich in ihrer Haut nicht mehr wohl fühlen und im Alltag weniger leistungsfähig sind.
privat

NÖN: Sie bezeichnen sich als Psycho-Neuro-Immunologe. Wo genau liegt Ihr Betätigungsfeld? Wie sind Sie dazu gekommen?

Christian Aumüller: Als Psycho-Neuro-Immunologe geht es mir in erster Linie um Vermittlung von wissenschaftlich fundiertem Wissen, das ich mir neben der Ausbildung der Ernährungslehre in einer dreijährigen Ausbildung in Klagenfurt angeeignet habe. Inzwischen wird über Spanien sogar ein diesbezüglicher Masterlehrgang angeboten. Und dieses Wissen gebe ich als Referent, Coach und psychologischer Berater gerne weiter. Sport war mir immer schon wichtig, nach mehreren Knieverletzungen als Fußballer habe ich am ‚Ironman‘ und an ‚Triathlonbewerben‘ – in meiner Altersklasse auch an Welt- und Europameisterschaften – teilgenommen und dabei die Erfahrung gemacht, dass es Möglichkeiten gibt, mit gezieltem Training, artgerechter Nahrung, optimaler Regeneration und idealer mentaler Verfassung viel mehr Leistung erbringen zu können. Und über diese Zusammenhänge wollte ich mehr wissen, das fasziniert und begeistert mich. Mittlerweile begleite ich zahlreiche Profisportler zu deren Höchstleistungen.

Wie würden Sie einen artgerechten Lebensstil umschreiben? Wie lassen sich Körper, Geist und Seele wieder in einen harmonischen Einklang bringen?

Aumüller: Wichtig erscheint mir die ganzheitliche Sicht auf das „Netzwerk Mensch“ – es ist eine Art „Kombinologie“ aus Stress, Nahrung, Immunsystem, Organsystem, Regeneration, Schlaf, Bewegung, soziales Umfeld, Psyche und der Evolution. Es gilt einerseits, wieder Zeit der Entspannung für sich zu finden, sich aus dem oftmals beruflich bedingten Hamsterrad zu befreien und gleichzeitig für ein intaktes Sozialsystem in Groß- und Kleinfamilie oder auch in der Partnerschaft zu sorgen. Es gilt außerdem, möglichst unterschiedliche faserreiche Pflanzen zu konsumieren, eine niedrige Mahlzeitenfrequenz, ja regelmäßige Fastenperioden anzustreben, um Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse zu entlasten; zudem soll man unregelmäßiges „Stoßtrinken“ praktizieren, wie es in früheren Zeiten üblich war, als man noch von Wasserquelle zu Wasserquelle unterwegs war, was sich positiv auf die Gesundheit und Stresstoleranz ausgewirkt hat. Und als dritte Schiene sorgt die Bewegung für jenes Wohlbefinden, das einen menschengerechten Lebensstil ausmacht. In meinem konkreten Fall sind dies Radfahren, Schwimmen und Laufen. Alle drei genannten Komponenten aber – Bewegung, Ernährung und Entspannung – sind gleichermaßen wichtig.

Lässt sich eigentlich heutzutage in unserer schnelllebigen und von Leistungsdenken geprägten Zeit die von Ihnen gelehrte Lebensweise auch tatsächlich gut und problemfrei umsetzen?

Aumüller: Generell ja! In manchen (Familien-)Konstellationen ist es wahrscheinlich etwas schwieriger. Wenn man diverse Probleme hat, macht es durchaus Sinn, diese Lebenseinstellung konsequent umzusetzen. Da fällt mir ein Zitat von Albert Einstein ein: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert!“ Der Hang zum Perfektionismus ist jedenfalls kein guter Begleiter. Langfristig gesehen soll ein gesundes Mittelmaß gefunden werden, wo sich auch ab und zu Genussmittel nicht negativ auswirken – ganz im Gegenteil. Selbst akute und evolutionär völlig normale Stressreize wie zum Beispiel eine kalte Dusche am Morgen oder Saunabesuche am Abend können der besseren Bewältigung von massiveren Stresssituationen dienlich sein. Am allerwichtigsten aber ist Flexibilität, „runter vom Gas“, das Leben darf nicht bis ins Letzte getaktet sein! Weiß man um diese Kompetenzen und Zusammenhänge, dann fällt jegliche Veränderung leichter, und sie wird auch langfristig umsetzbar und nachhaltig bleiben.

Warum ist das Umsetzen Ihrer Erkenntnisse heute wichtiger denn je?

Aumüller: Während wir Menschen in nur wenigen Generationen den Lebensstil dramatisch geändert haben, passen sich Gene nur sehr langsam an. Geraten Körper, Geist und Seele aus der Balance, entstehen Stress und körperliche Symptome. Unser Organismus ist für Schnelllebiges, Hektik und fortwährenden Stress aber eigentlich nicht vorbereitet und aufgebaut: Höher, schneller, weiter, mehr … – das macht sich früher oder später auf Körperebene bemerkbar, sei es durch den Druck am Arbeitsplatz, Hypotheken, das ständige Streben nach Anerkennung, das Sich-Beweisen-Müssen, mangelnde Zuwendung oder andere Faktoren. Jede länger andauernde massive Überlastung kann zu Burnout, chronischen Darmproblemen, Schilddrüsenstörungen, Energiemangel oder Ängsten führen. Umweltgifte und Umweltbelastungen tun noch das Ihre dazu.

Welche Gesundheitsbereiche können Sie abdecken? Worin besteht Ihr Angebot konkret?

Aumüller: Alle Arten von Stressoren sind für mich ein sehr wichtiges Thema und bilden für viele gesundheitliche Probleme die Basis. Allergien und Unverträglichkeiten, Schilddrüsenstörungen, Darmprobleme sind klar am Vormarsch. Immer mehr Profi-Sportler zeigen ähnliche Probleme. Ich biete Einzelsitzungen, Vorträge und 3-tägige Seminare an, lade aber auch immer wieder auf einen Ferienhof nach Ertl zu Regenerationswochen ein, wo Erfahrung und Wissen gesammelt und diese Art von Lebensstil praktisch umgesetzt werden kann. Als Kursleiter gehe ich auf die Bedürfnisse der Kleingruppe möglichst treffsicher ein, es werden gemeinsam Bio-Speisen gekocht, zudem gibt es täglich Vorträge, Massagen und Entspannungsübungen sowie jede Menge Spaß oder auch längere Spaziergänge in der Früh. Wenn man ein derartiges Leben am eigenen Leib erfahren kann, setzt man das auch in weiterer Folge viel leichter um. Auch immer mehr Firmen treten an mich heran, um mehr Gesundheit in ihr Unternehmen zu integrieren. Gesundheit und Prävention sind jetzt wichtiger denn je.

Können Sie unseren Lesern einen konkreten Vorschlag unterbreiten, den sie schon morgen umsetzen können?

Aumüller: Zuerst Bewegung, dann erst das Essen! Das haben wir Millionen von Jahren immer so gemacht. Ich praktiziere das: So wird Insulin abgebaut und der Stoffwechsel läuft ökonomischer und auf Hochtouren! Überschüssiges (Organ)Fett wird abgebaut. Frühsport tut gut! Das bringt mehr Energie, gesteigertes Wohlbefinden, auch bessere Leistungsfähigkeit – kurzum: eine neue Lebensqualität!

Und zuletzt: Was raten Sie Menschen angesichts der Corona-Pandemie?

Aumüller: Angst kann schädlicher sein als das Sars-Cov-2 bei der Bekämpfung der Coronavirus-Krankheit in der Pandemie, das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie aus China. Ein Leben in Angst schwächt das Immunsystem und erhöht andererseits die Infektanfälligkeit. Bleiben Sie also positiv im Denken, betreiben Sie Sport, machen Sie alle 30 Minuten eine Sitzpause, genießen Sie die Natur, und: Auch herzhaftes Lachen stärkt das Immunsystem, sodass Sie wieder „in Ihre Kraft“ kommen!