FF-Chef als Brandstifter: 3 Jahre Haft. Nach der Scheidung war 37-Jähriger verzweifelt. Er zündelte und versetzte ein Dorf in Schrecken. „Es muss ein Horror gewesen sein“, meint der Staatsanwalt im Prozess.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 07. Februar 2017 (06:35)
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Die Gartenhütte, die sich im Privatbesitz von Amtsleiter Florian Kammerhuber befindet, wurde ein Raub der Flammen.
FF Wolfsbach

Angst verbreitete ein Brandstifter zweieinhalb Monate lang in Wolfsbach. Im Juli 2016 brannte es dort das erste Mal, das letzte Mal im September, neun Mal insgesamt. Unter anderem legte der Täter im Hackschnitzellager, einem Gemeindestadl und dem Hackschnitzelbunker der örtlichen Volksschule Feuer.

Überführt wurde der örtliche Feuerwehrkommandant. Nun wird ihm am Landesgericht in St. Pölten der Prozess gemacht ( NÖN.at hatte berichtet , auch über die Brände   siehe ganz unten).

„Das Scheitern der Ehe führte bei meinem Mandanten zu einem schwerwiegenden Trauma“, meinte der Verteidiger zum Motiv des 37-Jährigen.

Der bedauert seine Taten zutiefst. „Ich hab’ immer alles hinuntergeschluckt, bin nicht der Typ, der viel redet“, erklärt der 37-Jährige vor einem Schöffensenat. Das Ende seiner Ehe habe bei ihm alles aus dem Ruder laufen lassen: „Die Angst, dass ich meinen Buben nicht mehr sehe, hat mich schwer belastet.“

„Bei mir hat sich ein Schalter umgelegt“

Am 15. Juli, nach einer Feuerwehrsitzung, schlug der Wolfsbacher beim Hackschnitzellager der Gemeinde zu. Bei den Löscharbeiten waren sieben Feuerwehren mit rund 100 Mitgliedern im Einsatz. 90.000 Euro betrug der Schaden. „Da hab’ ich beim Schlafengehen das Foto vom Buben gesehen. Alles ist hochgekommen und dann hat sich ein Schalter umgelegt“, sagt der 37-Jährige. „Mit Taschentüchern hab’ ich es angezündet. Am Anfang war es nur ein kleines Feuer. Auf einmal hat’s dann durchgezündet“, erzählt er weiter.

Zwei Tage später legte der Mann beim Stadl der Gemeinde Feuer. „Mit Stofffetzen“, so der Angeklagte. Spaziergänger löschten rechtzeitig.

Nach zwei erfolglosen Versuchen mit einem selbst gebastelten Molotow-Cocktail und angezündeten Styroporplatten legte er dann im September mit brennenden Stofffetzen Feuer in einer Gartenhütte. Wieder waren die Florianis im Einsatz, das Gebäude brannte aber ab. Beim Löschen war der Feuerwehrkommandant dabei. „Ich bin aus der Wohnung hinuntergelaufen, als ich es knistern gehört habe“, so der Angeklagte.

„Warum ausgerechnet die Hütte eines guten Freundes?“, fragt ihn die Richterin.

„Es ist wieder alles hochgekommen, der Bub, Alimente, Geld“, antwortet der 37-Jährige.

„Straftaten sind ein Ausdruck innerer Not“

Zweimal zündelte der Wolfsbacher in der eigenen Wohnung und löschte dann selbst. Am 23. September war der Hackgutbunker der Volksschule dran, die Feuerwehr rückte wieder aus. „Der Sohn ist mir so abgegangen“, sagt der Brandstifter und gibt auch zu, in der Tiefgarage eines Mehrparteienhauses einen Mistkübel in Brand gesetzt zu haben.

Laut einem psychiatrischen Gutachter hat der Angeklagte Schwierigkeiten, Alltagskonflikte zu bewältigen. „Besonders Männer tun sich da oft schwer“, sagt der Mediziner. Die Feuerwehr sei für den 37-Jährigen wie eine Familie gewesen.

„Menschen, die innerlich Schwierigkeiten haben, Halt zu finden, schließen sich oft geordneten Systemen an“, erklärt der Gutachter: „Die Straftaten sind ein Ausdruck innerer Not. Der Angeklagte ist unter Spannung gekommen, mit dem Löschen von Feuer hat er eine vertraute Situation hergestellt, die ablenkt.“

Wiederholungsgefahr ist nicht hoch

Die Prognose für die Zukunft sei, so der Gutachter, nicht ungünstig, die Wiederholungsgefahr schätze er nicht hoch ein. In einer Therapie lerne der 37-Jährige, seelische Vorgänge verbal auszudrücken.

Lobende Worte für den Angeklagten kommen von den Wolfsbacher Florianis. „Er hat uns immer gut motiviert“, sagt einer. „Er hat sich besondere Verdienste erworben“, meint ein anderer. Und ein dritter Zeuge sagt: „Der Großteil der Bevölkerung steht hinter ihm.“

Strenge fordert der Staatsanwalt im Schlussplädoyer, Milde will er nicht akzeptieren. „Wolfsbach ist ein kleines Dorf. Jeder wusste, da gibt es einen Brandstifter. Da denkt man sich schon, hoffentlich brennt es das nächste Mal nicht bei mir. Viele haben sich gegenseitig verdächtigt“, sagt der Ankläger. Für ihn muss das Urteil Signalwirkung haben. „Es wäre verheerend, den Angeklagten jetzt nach der U-Haft auf freien Fuß zu setzen. Bei allem Verständnis, es gibt viele in seiner Situation und die zünden nichts an.“

Der Schöffensenat verurteilt den Ex-Feuerwehrkommandanten wegen Brandstiftung, teils versucht, und schwerer Sachbeschädigung zu drei Jahren unbedingter Freiheitsstrafe. Die Richterin begründet das Urteil: „Zu einem Feuerwehrkommandanten schaut man auf. Für junge Menschen war der Angeklagte eine Respektsperson. Deshalb sind seine Taten besonders verwerflich.“

Der 37-Jährige erbittet Bedenkzeit, nicht rechtskräftig.